Finanzmarktkrise und US-Verluste lasten auf der Post

Mittwoch, 14. Mai 2008, 15:06 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Die Finanzmarktkrise und die defizitäre US-Expresssparte haben der Deutschen Post den Jahresauftakt verhagelt.

"Das Quartal war in der Tat von einer schwachen amerikanischen Wirtschaft beeinflusst", erläuterte Finanzchef John Allan am Mittwoch. Mit den Ergebnissen der Express-Sparte, die seit Jahren in den USA mit Verlusten kämpft, sei der Konzern erneut "nicht zufrieden".

Bei einem leichten Umsatzanstieg auf 15,7 Milliarden Euro sackte der operative Gewinn (Ebit) der Post vor allem wegen Sonderaufwendungen bei der Postbank im Auftaktquartal um 15 Prozent auf 851 Millionen Euro ab. Der Konzerngewinn brach auf 407 (Vorjahreszeitraum: 499) Millionen Euro ein. Die Erwartungen der Analysten wurden damit verfehlt, an der Börse gab die Post-Aktie nach.

Allein die Express-Sparte mit dem verlustträchtigen US-Geschäft verbuchte im ersten Quartal einen Ebit-Rückgang um 32 Prozent auf 21 Millionen Euro. Noch im Mai will der Vorstand unter dem neuen Post-Chef Frank Appel ein seit Wochen erwartetes Sanierungskonzept für die US-Sparte vorlegen. Der Aufsichtsrat solle darüber am 28. Mai beraten. Die wichtige Briefsparte verkraftete das Ende ihres Monopols in Deutschland, das zum Jahreswechsel gefallen war, indes ohne Schrammen.

RASCHE ENTSCHEIDUNG BEI DER POSTBANK NICHT ZU ERWARTEN

Beim Ertragsbringer Postbank schlugen einmalige Aufwendungen in einer Gesamthöhe von 174 Millionen Euro zu Buche. Der Gewinn vor Steuern war bei der Postbank im Zeitraum von Januar bis März im Vergleich zum Vorjahresquartal um gut ein Viertel auf 166 Millionen Euro zurückgegangen. Rechnet man die Einmaleffekte aus den Quartalszahlen heraus, verbleibt der Post ein Ebit von rund einer Milliarde Euro. Um die Postbank ranken sich seit Monaten Übernahmespekulationen, nachdem die Konzernmutter angekündigt hatte, neu über die Zukunft des Instituts nachzudenken. Eine rasche Entscheidung sei aber nicht zu erwarten, bekräftigte Allan. Das Institut entwickele sich gut, es bestehe kein Handlungsdruck.

Negativ schlug sich in der Quartalsbilanz der Post auch das in diesem Jahr frühe Osterfest nieder - damit fehlten im Vergleich zum Vorjahr zwei Arbeitstage. Dieser Effekt soll aber im zweiten Quartal wieder wettgemacht werden. Die Geschäfte hätten sich im April gut entwickelt, betonte Allan.

An der Börse zählte die Post mit einem Minus von knapp zwei Prozent zu den größten Verlierern im Dax. ING-Analysten erklärten, die Zahlen seien schwächer als erwartet ausgefallen. Nun müsse abgewartet werden, was der Vorstand zur Sanierung des US-Geschäfts ankündigen werde. Allan unterstrich erneut, ein Rückzug aus den USA komme für den weltweit agierenden Logistikkonzern nicht in Frage.

Die Post betonte, sie sei sich der Unsicherheiten hinsichtlich der weltweiten Konjunktur bewusst und sehe "zu diesem Zeitpunkt" keinen Grund, von ihrer Jahresprognose abzurücken. Sie erwarte für 2008 weiterhin ein Ebit von rund 4,2 Milliarden Euro vor Einmaleffekten. Allan schloss aber nicht aus, dass der Bonner Konzern seinen Ausblick "nach oben oder nach unten" ändern könnte. Dies hänge von der Entwicklung der Weltkonjunktur ab, sagte er. Der Konkurrent FedEx hatte Anfang Mai seine Gewinnerwartung wegen des hohen Ölpreises und der lahmenden US-Konjunktur gesenkt.