Sorgen um US-Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac

Dienstag, 8. Juli 2008, 17:22 Uhr
 

New York (Reuters) - Den von der Kreditkrise gebeutelten größten US-Hypothekenfinanzierern möglicherweise weitere Milliardenverluste und ein gigantischer Kapitalbedarf.

Der Investmentbank Lehman Brothers zufolge könnte Fannie Mae wegen einer anstehende Änderung in der Rechnungslegung eine Kapitalspritze von 46 Milliarden benötigen, während Freddie Mac 29 Milliarden Dollar fehlen könnten.

Die zuständige Finanzaufsicht erklärte am Dienstag, die neuen Regeln sollten nicht den Kapitalbedarf der beiden Finanzkonzerne diktieren. Zudem unterstrich das Amt die entscheidende Bedeutung von Fannie Mae und Freddie Mac für den Hypothekenmarkt. Die Aktien der beiden Unternehmen konnten ihre Talfahrt deshalb am Dienstag zumindest etwas bremsen und notierten kaum verändert, nachdem sie am Montag mit einem Minus von fast 20 Prozent zeitweise auf den niedrigsten Stand seit 1992 abgestürzt waren.

Die geplante Änderung des Bilanzierungsstandards soll Firmen dazu zwingen, verbriefte Verbindlichkeiten in ihre Bilanzen aufzunehmen. Allerdings könnte es eine Ausnahme für die beiden halbstaatlichen Hypotheken-Giganten geben, um weitere Turbulenzen auf dem Immobilienmarkt zu verhindern.

Fannie Mae und Freddie Mac gehören zu den großen Verlierern der Kreditkrise und mussten deshalb bereits insgesamt Verluste von zwölf Milliarden Dollar in Kauf nehmen. Die beiden müssen derzeit den Balanceakt vollführen, einerseits einen Kollaps des US-Häusermarktes zu verhindern und andererseits ihre eigenen Verluste in Grenzen zu halten.

Die US-Immobilienkrise hat sich längst über das Segment der Ramschhypotheken ausgeweitet und betrifft nun auch besser besicherte Hypotheken, die den Löwenanteil des Geschäftes von Freddie Mac und Fannie Mae ausmachen. Ihr gemeinsamer Börsenwert ist seit Ausbruch der Krise deshalb um drei Viertel oder rund 90 Milliarden Dollar geschrumpft.

Eine Freddie-Mac-Sprecherin sagte, der Konzern habe nicht vor, sein Kapital vor Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal zu erhöhen. Eine Fannie-Mae-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme zu der Lehman-Einschätzung ab. Börsianer fürchten dennoch bereits, dass es den Konzernen wegen der misstrauischen Investoren und sinkender Aktienkurse schwer fallen könnte, sich genügend frisches Kapital zu beschaffen.

Nach einer kurzen Atempause haben an den Börsen die Sorgen über die Folgen der US-Immobilienkrise zuletzt wieder dramatisch zugenommen. Hierzu trug am Montag auch die Ankündigung des größten unabhängigen börsennotierten US-Hypothekenfinanzierers IndyMac Bancorp bei, wegen der Krise über die Hälfte seiner 7200 Mitarbeiter zu entlassen und sein Geschäft weitgehend einzustellen.

Zuvor war die US-Aufsichtsbehörde zu dem Urteil gekommen, das Institut verfüge nicht länger über ausreichend Kapital. Im vergangenen Jahr hatte IndyMac noch Hypotheken von 77 Milliarden Dollar ausgegeben und lag mit einem Marktanteil von gut drei Prozent insgesamt auf dem neunten Platz der Branche. Mittlerweile haben über 100 US-Hypothekenfirmen im Zuge der Krise ihr Geschäft eingestellt oder sind Pleite gegangen.