Fed stellt längere Hilfen für US-Banken in Aussicht

Dienstag, 8. Juli 2008, 17:51 Uhr
 

Arlington/Washington (Reuters) - Immer neue Schreckensmeldungen im Zusammenhang mit der Finanzkrise könnten die US-Notenbank Fed dazu zwingen, dem amerikanischen Bankensystem noch eine ganze Weile zur Seite zu stehen.

Die Federal Reserve prüfe derzeit mehrere Möglichkeiten, darunter auch eine Verlängerung ihrer Notfall-Versorgung mit frischem Zentralbankgeld über den Jahreswechsel hinaus, sagte Zentralbank-Chef Ben Bernanke laut Redetext am Dienstag in Arlington. "Dies gilt für den Fall, dass die ungewöhnlichen und anspruchsvollen Umstände anhalten, die derzeit die Liquiditätslage bestimmen." Die Fed beobachte derzeit die Entwicklungen an den Finanzmärkten sehr genau. Im Gegenzug für ihre Hilfen wolle die Fed aber eine strengere Regulierung der Finanzbranche.

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im März hatte die Fed zusätzliche Kreditlinien für die großen Banken bereitgestellt, damit sich diese leichter bei der Notenbank refinanzieren können. Nach dem Debakel um die US-Investmentbank Bear Stearns, die mit Hilfe der Fed zunächst gerettet und dann an den Konkurrenten JP Morgan verkauft worden war, hatte die Fed ihre Diskontkredite auch auf Investmentbanken ausgeweitet. Diese Form der Refinanzierung hatte bis dahin nur normalen Geschäftsbanken zur Verfügung gestanden.

Nach einer kurzen Atempause hat die Furcht vor den Folgen der US-Immobilienkrise zuletzt wieder drastisch zugenommen. Der US-Investmentbank Lehman Brothers zufolge droht den beiden Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac Kapitalbedarf in Milliardenhöhe. Wegen einer anstehenden Änderung in der Rechnungslegung könnte Fannie Mae nach Berechnungen von Lehman eine Kapitalspritze von 46 Milliarden Dollar benötigen, während Freddie Mac 29 Milliarden Dollar fehlen könnten. Die Aktien von Freddie Mac und Fannie Mae stürzten am Montag deshalb in New York zeitweise auf den niedrigsten Stand seit 1992 ab.

Fannie Mae und Freddie Mac gehören zu den großen Verlierern der Kreditkrise und mussten deshalb bereits Verluste von zwölf Milliarden Dollar in Kauf nehmen. Die beiden Hypotheken-Giganten müssen derzeit den Balanceakt vollführen, einerseits den Kollaps des US-Häusermarktes zu verhindern und andererseits ihre eigenen Verluste in Grenzen zu halten.

Analysten erklärten Bernankes Aussagen mit der Angst der Fed, im akuten Krisenfall vor einem riesigen Scherbenhaufen namens Finanzsystem zu stehen und nichts mehr tun zu können. "Das letzte, was er will, ist, jetzt nichts mehr zu tun und dann mit ansehen zu müssen, wie ein großes Institut kollabiert. Wenn jetzt mit den neuen Nachrichten zu Fannie Mae und Freddie Mac eines klar geworden ist, dann, dass die Panik am Markt keineswegs vorbei ist", sagte ein Fondsmanager in New York.

Bernake sprach sich in seiner Rede auf einer Konferenz der US-Einlagensicherungsbehörde für einen neuen Regulierungsrahmen für das Bankensystem aus, insbesondere für Investmentbanken. Er stößt damit ins selbe Horn wie US-Finanzminister Henry Paulson. Dieser will die Rolle der Fed bei der Finanzaufsicht stärken. Federal Reserve und Börsenaufsicht SEC hatten erst kürzlich eine Vereinbarung geschlossen, die den Austausch von Informationen zwischen den beiden Institutionen verbessern helfen soll.