Chemieriese BASF sieht sich auch im Abschwung stark

Dienstag, 8. Juli 2008, 17:38 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Chemieriese BASF traut sich selbst bei hohen Rohstoffpreisen und in einem Konjunkturtal ordentliche Renditen zu.

BASF-Vorstandschef Jürgen Hambrecht nannte am Dienstag in London für die nächsten fünf Jahre eine Untergrenze von 14 Prozent für die Umsatzrendite vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Doch seine Ziele sind höher: "Wir haben vor, eine Ebitda-Marge von 18 Prozent in diesem Zeitrahmen zu erzielen." 2007 kam der Branchenprimus aus Ludwigshafen auf eine operative Rendite von 17,6 Prozent. Trotz des schärferen Gegenwinds peile BASF bis 2013 im Schnitt ein im Vergleich zum weltweiten Chemiemarkt um zwei Prozent pro Jahr höheres Mengenwachstum an.

Hambrecht geht für dieses Jahr nur noch von einem Wachstum der weltweiten Chemieproduktion von 2,4 Prozent aus statt von 2,8 Prozent. "Der Weg vor uns ist steiniger geworden", sagte er.

Die Mittelfristziele basieren auf dem bestehenden Geschäft - also ohne Zu- und Verkäufe von Geschäftsteilen. Hambrecht nimmt dabei einen durchschnittlichen Ölpreis von 100 Dollar je Fass (Barrel) an und einen Euro-Wechselkurs von 1,40 bis 1,50 Dollar. Am Dienstag kostete ein Fass der Nordseesorte Brent 138 Dollar.

Bei BASF dürften bis 2011 vor allem die Gewinnspannen im Cracker-Geschäft - petrochemischen Großanlagen, die aus Rohöl oder Rohbenzin (Nafta) chemische Grundstoffe herstellen - unter Druck geraten. "Das zeigt sich bereits", sagte Hambrecht. Nach Angaben des Branchenverbandes VCI kletterten die Nafta-Preise seit Jahresanfang um 28 Prozent. Bei BASF wirke sich das aber nur auf fünf Prozent des Ebit aus, sagte Hambrecht. Cracker-Erzeugnisse würden zu mehr als 95 Prozent für die eigene Verarbeitung genutzt.

Der Geschäftsausblick von BASF für das laufende Jahr steht, obwohl der Ludwigshafener Konzern von immer ungünstigeren Öl- und Dollar-Werten ausgeht. "Ich bin zuversichtlich, dass die BASF trotz der Ölpreisentwicklung und der dadurch gestiegenen Beschaffungskosten ihre Ziele für 2008 erreichen wird", erklärte Hambrecht. BASF wolle den Umsatz steigern und den Gewinn vor Zinsen, Steuern (Ebit) und Sondereinflüssen wie Restrukturierungskosten leicht verbessern. BASF gehe nun von einem Rohölpreis von 120 Dollar statt von 90 Dollar pro Barrel aus, sagte der Vorstandschef. Den Euro-Wechselkurs sieht BASF jetzt im Schnitt bei 1,55 statt bei 1,50 Dollar.

KOSTENDRUCK SCHIEBT FUSIONEN AN

BASF rechnet in der nächsten Zeit mit mehr Übernahmen und Fusionen in der Branche. "Einer der Gründe dafür ist der Kostendruck", sagte Hambrecht auf einer Investorenveranstaltung. Durch den hohen Ölpreis hatten sich viele Rohstoffe kräftig verteuert. Dazu kämen die niedrigen Preise für Unternehmen. Das fördere den Prozess. Auch einige Finanzinvestoren in der Branche könnten in Schwierigkeiten geraten. Zuletzt war die geplante Übernahme des US-Chemiekonzerns Huntsman durch den der Beteiligungsgesellschaft Apollo gehörenden Wettbewerber Hexion in die Schlagzeilen geraten. Apollo sieht die Finanzierung durch die verschlechterte wirtschaftliche Lage von Huntsman in Gefahr und hatte vor einer Insolvenz des fusionierten Konzerns gewarnt.