Schicksal der Dresdner Bank entscheidet sich am Sonntag

Donnerstag, 28. August 2008, 17:13 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die monatelange Hängepartie hat für die Dresdner Bank am Sonntag aller Voraussicht nach ein Ende.

Der Versicherungsriese Allianz wird sich dann wohl entscheiden, an wen er das Geldhaus verkauft, das er sich 2001 einverleibt hat und das ihm seither Kopfschmerzen bereitet. Als Favorit für die Übernahme gilt die Commerzbank. Dafür spricht, dass sowohl die Allianz als auch die Commerzbank nach Angaben vom Donnerstag für Sonntag außerordentliche Sitzungen ihrer Aufsichtsräte einberufen haben. Beide Gremien müssten einer solchen Transaktion zustimmen.

Die Allianz stoppte Finanzkreisen zufolge die eigentlich für Sonntag angedachte rechtliche Aufspaltung der Dresdner Bank in eine Privat- und Geschäftskundensparte und eine Investmentbank. "Das deutet darauf hin, dass die Bank auf jeden Fall verkauft wird", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Ansonsten müsste der neue Eigentümer zwei rechtlich getrennte Einheiten integrieren, was deutlich mehr Aufwand und Kosten bedeuten würde. Die Allianz hatte die Trennung ursprünglich geplant, um einen Verkauf zu erleichtern.

Chancen werden auch der China Development Bank (CDB) eingeräumt. Böse Zungen behaupten aber, die Allianz habe die Chinesen nur ins Spiel gebracht, um kurz vor dem Abschluss der Verhandlungen den Preis in die Höhe zu treiben. In der Tat ist fraglich, wie groß das Interesse der Chinesen tatsächlich ist. Die Staatsbank ist deutlich kleiner als die Dresdner Bank, dafür aber finanzstark.

Journalisten gegenüber gibt sie sich verschlossen. Eine der Bank nahestehende Person sagte, es sei unwahrscheinlich, dass die Chinesen bei der Dresdner Bank zugreifen würden. Als Gründe nannte sie den geplanten Schutz von deutschen Firmen vor einer Übernahme durch unliebsame ausländische Investoren und die Verstimmung der Chinesen nach dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Dalai Lama. "Deutschland ist nicht sehr freundlich zu China", sagte die Person.

Das "Manager Magazin" berichtete auf seiner Internetseite unter Berufung auf Verhandlungskreise, die Regierung in Peking habe zugesagt, im Falle eines Zuschlags keine Chinesen in den Aufsichtsrat der fusionierten Bank schicken zu wollen.

Das größte Problem der Commerzbank ist ihre relativ geringe Kapitalkraft. Mit einer Marktkapitalisierung von knapp über 13 Milliarden Euro ist das Frankfurter Institut nicht viel mehr wert als die Dresdner Bank, die Analysten auf neun Milliarden Euro taxieren. Spekuliert wird daher, dass die Commerzbank der Allianz ihre Fondsgesellschaft Cominvest anbietet und sich von ihrer rund 1,4 Milliarden Euro schweren Beteiligung am Gasekonzern Linde trennt.

"ZWEI DRITTEL ALLER GROSSFUSIONEN GEHEN SCHIEF"

Eine Fusion von Commerzbank und Dresdner wäre die größte Transaktion im deutschen Bankenmarkt seit Jahren. Die lange erwartete Neuordnung käme damit einen großen Schritt voran. Analysten bezweifeln aber den Sinn dieser Verbindung. "Bei so großen Fusionen sehe ich grundsätzlich viele unlösbare Probleme", sagt Dirk Becker von Kepler Equities. "Zwei Drittel gehen schief, ein Drittel geht richtig schief." Oft ließen sich Einsparziele nicht realisieren und Kunden suchten das Weite.  Fortsetzung...