Eurostärke hinterlässt bei Linde Bremsspuren
Frankfurt (Reuters) - Der starke Euro hat Linde zum Jahresstart rund die Hälfte des Gewinnwachstums gekostet.
Zwar steigerte der weltgrößte Industriegase-Konzern in den ersten drei Monaten seinen operativen Gewinn um 5,8 Prozent auf 602 Millionen Euro, wie das Management am Freitag in München mitteilte. Bereinigt um den Einfluss des starken Euro wäre das Ergebnisplus jedoch um 5,3 Prozentpunkte höher ausgefallen. Die europäische Währung hat zum Dollar seit Jahresbeginn um sechs Prozent aufgewertet.
Vor allem in Amerika gingen die Gaseumsätze deutlich zurück. Dazu trug allerdings auch bei, dass sich Linde nach der Übernahme der britischen BOC dort von einigen Geschäften getrennt hat. Die zwölf Milliarden Euro teure Übernahme im Jahr 2006 - der größte Zukauf der Firmengeschichte - hatte Linde an die Spitze der Gase-Branche katapultiert.
Konzernchef Wolfgang Reitzle äußerte sich dennoch zufrieden zum Geschäftsverlauf: "Wir sind solide in das neue Geschäftsjahr gestartet und daher auch zuversichtlich für den weiteren Verlauf des Jahres." Linde setzte von Januar bis März 2,92 Milliarden Euro um - ein Plus von zwei Prozent. Ohne die Auswirkungen des starken Euro wären allerdings auch die Umsätze mit 7,5 Prozent deutlich stärker gestiegen. Der Überschuss schrumpfte binnen Jahresfrist um 62 Prozent auf 172 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor war der Quartalsgewinn wegen Einahmen aus dem Verkauf von Geschäftsteilen nach oben verzerrt worden.
Börsianer hatten für das erste Quartal mit einem deutlich höheren operativen Gewinn gerechnet. Die im Dax notierte Linde-Aktie büßte zeitweise mehr als vier Prozent ein und gehörte am Freitag zu den größten Verlierern im deutschen Leitindex.
REITZLE BEKRÄFTIGT ZIELE
Für das Gesamtjahr 2008 peilt Reitzle wie bisher mehr Umsatz als im Vorjahr an. Der operative Gewinn soll im Vergleich dazu noch deutlicher zulegen. Linde sei in seiner neuen Aufstellung inzwischen weniger abhängig von Konjunkturzyklen und könne auch regional ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen abfedern. "Für das Geschäftsjahr 2010 streben wir unverändert ein operatives Konzernergebnis von mehr als drei Milliarden Euro an", erklärte Reitzle. Linde will in seinem Gasegeschäft dieses Jahr und auch mittelfristig größere Umsatzzuwächse erzielen, als der weltweite Gasemarkt pro Jahr zunimmt. Diesem traut Reitzle ein jährliches Wachstum von sieben Prozent zu. Im kleineren Anlagenbaugeschäft rechnet Linde für die kommenden Jahre mit einem Umsatzplus von acht bis zehn Prozent pro Jahr.
© Thomson Reuters 2008 Alle Rechte vorbehalten.



