Freenet gibt United Internet Mitschuld für Kundenschwund

Freitag, 9. Mai 2008, 13:39 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Im Hickhack zwischen der Telekommunikationsfirma Freenet und Großaktionär United Internet werden die Attacken schärfer.

Freenet musste im ersten Quartal einen merklichen Kundenschwund hinnehmen und macht dafür United-Internet-Chef Ralph Dommermuth mitverantwortlich, der mit dem Versuch einer Übernahme des norddeutschen Rivalen gescheitert war. Dommermuth habe monatelang Gerüchte über eine bevorstehende Zerschlagung von Freenet am Leben gehalten, sagte Freenet-Chef Eckhard Spoerr am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Wegen der ständigen Unsicherheit seien Vertriebspartner abgesprungen, ergänzte er. Seine Firma gab für das Auftaktquartal im Geschäft mit schnellen DSL-Internetanschlüssen einen Rückgang von 90.000 Abonnenten im Vergleich zum vorangegangenen Vierteljahr bekannt. Ein weiterer Grund dafür sind Spoerr zufolge anhaltende Schwierigkeiten durch die schleppende Umschaltung von Anschlüssen durch die Deutsche Telekom.

United Internet wies die Vorwürfe als "in keiner Weise sachlich nachvollziehbar" zurück. "Der Einwand geht vollkommen an der Wirklichkeit vorbei", sagte ein Sprecher des Internetdienstleisters.

BETRIEBSGEWINN EINGEBROCHEN

Der Quartalsumsatz von Freenet sank binnen Jahresfrist um zwei Prozent auf 442 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) halbierte sich auf 26 Millionen Euro. Als Belastungsfaktoren nannte das Unternehmen stark gestiegene Abschreibungen und Aufwendungen für die Kundengewinnung. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wuchs zwar 5,3 Prozent auf 69 Millionen Euro, legte damit aber deutlich schwächer zu als die Ergebnisse der Rivalen United Internet und Drillisch.

United Internet wollte Freenet übernehmen, ist von diesem Vorhaben aber abgerückt, nachdem Freenet seinerseits die Übernahme des Stuttgarter Mobilfunkdienstleisters Debitel vereinbart hat. Dies will Dommermuth auf juristischem Wege durchkreuzen. Mit einer Einstweiligen Verfügung soll verhindert werden, dass - wie von Spoerr und dem Debitel-Eigner Permira geplant - neue Freenet-Aktien an Permira ausgegeben werden. Die Erfolgsaussichten schätzt Spoerr als gering ein: "Ich glaube nicht ernsthaft, dass United Internet denkt, dass sie gewinnen können. Es geht eigentlich nur um eine weitere Behinderung der Firma Freenet."

Für sein DSL-Geshäft sucht Freenet einen Käufer, um einen weiteren Teil der milliardenschweren Debitel-Übernahme zu finanzieren. Ein Verkauf stehe noch nicht unmittelbar bevor, erst müsse die DSL-Sparte ausgegliedert werden, sagte Spoerr Gespräche mit Interessenten würden zwar geführt, verhandelt werde allerdings noch nicht.