Allianz drängt auf Lösung für Problem Dresdner Bank
München (Reuters) - Die Zeichen für einen Verkauf der mit hohen Verlusten kämpfenden Dresdner Bank mehren sich.
Die Konzernmutter Allianz betonte am Freitag, sie wolle beim Zusammenschluss großer Privatbanken in Deutschland eine aktive Rolle spielen. Die Chance für eine Konsolidierung sei derzeit günstig, sagte Allianz-Finanzchef Helmut Perlet in München. Solche Fusionen seien nötig, weil private Geldhäuser wie die Deutsche Bank, die Commerzbank oder die HypoVereinsbank allein nur geringe Marktanteile im Privatkundengeschäft hätten. Hier dominieren in Deutschland immer noch die Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken.
Seit langem wird darüber spekuliert, dass die Allianz ihre Problemtochter, die sie seit Jahr ohne durchschlagenden Erfolg umbaut, abstößt oder in eine Fusion einbringt. Das wäre nach Einschätzung von Branchenexperten ein Befreiungsschlag und könnte den Aktienkurs des Finanzkonzerns beflügeln. "Eine eindeutige Entscheidung zum Dresdner-Verkauf ist überfällig", sagte Analyst Dieter Hein von FaiResearch. Die Allianz habe seit der Übernahme 2001 nie echtes Geld mit ihrer Bank verdient. "Der Handlungsdruck ist daher sehr groß." Derzeit wird die Dresdner Bank in zwei eigenständige Einheiten aufgespalten - eine für das Privat- und Firmenkundengeschäft sowie die Investmentbank. Das erleichtert eine spätere Zerschlagung.
Die anhaltenden Probleme der Dresdner Bank wurde im ersten Quartal offenkundig: Abschreibungen von knapp einer Milliarde Euro führten zu einem Verlust von 513 Millionen Euro, nachdem vor Jahresfrist ein Gewinn von 612 Millionen zu Buche stand. Von Reuters befragte Analysten hatten das Minus im Bankgeschäft der Allianz, das weitgehend von der Dresdner Bank getragen wird, nur auf 389 Millionen Euro geschätzt. Auch im Privat- und Firmenkundengeschäft bekommt die Bank nun die Krise zu spüren - der operative Gewinn der Sparte sank um ein Drittel. Seit Beginn der Finanzkrise im Sommer summieren sich die Belastungen der Dresdner Bank auf rund 2,5 Milliarden Euro.
An der Börse kamen die Zahlen nicht gut an: In einem schwächeren Gesamtmarkt fielen Allianz-Aktien um zwei Prozent auf 128,13 Euro. Analysten verwiesen vor allem auf den verhaltenen Ausblick des erfolgsverwöhnten Versicherers, der 2007 auf einen Rekordgewinn von acht Milliarden Euro gekommen war.
"Obwohl wir eine leichte Erholung an den US-Hypothekenmärkten und den Aktienmärkten sehen, bleibt es schwer, vorherzusagen, wann sich die Turbulenzen an den Märkten legen werden", übte sich Perlet in Vorsicht. "2008 wird ein schwieriges Jahr bleiben, und je länger dieser Zustand anhält, desto schwieriger wird es, unser mittelfristiges Ergebnisziel zu erreichen." Die Münchner haben sich vorgenommen, den operativen Gewinn von 2007 bis 2009 um durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr zu steigern. Am Ende soll ein Ergebnis von 13,3 Milliarden Euro stehen.
DRESDNER BANK BRAUCHT KEIN FRISCHES GELD
Weitere Belastungen aus der Finanzkrise für die Dresdner Bank schloss die Allianz nicht aus. Im April hätten sich die kritischen Märkte aber in besserer Verfassung gezeigt, weswegen wohl keine weiteren Abschreibungen fällig geworden seien, sagte Perlet. Im Mai habe sich die Lage bisher wieder verschärft. Eine Prognose für das ganze zweite Quartal wagte Perlet nicht. Die Allianz bekräftigte, dass die angestrebte Rendite von mindestens 15 Prozent im Bankgeschäft bis 2009 nicht mehr erreichbar sei. Zusätzlichen Kapitalbedarf habe die Dresdner Bank aber nicht.
Die Dresdner Bank hinterließ auch in der Konzernbilanz tiefe Spuren: Der Überschuss der Allianz brach zu Jahresbeginn um zwei Drittel auf 1,15 Milliarden Euro ein. Der Versicherungsriese verzichtete diesmal auch auf Aktienverkäufe, die das Ergebnis im Vorjahr nach oben getrieben hatten. Damals hatten er sich unter anderem von Aktien von BMW und KarstadtQuelle (jetzt Arcandor) getrennt. Fortsetzung...



