"Volksauto" in Indien wie ein Popstar präsentiert
Neu Delhi/Hamburg (Reuters) - Wie ein Popstar ist am Donnerstag in Indien das billigste Auto der Welt vorgestellt worden.
Vor Tausenden Besuchern und über hundert Fernsehkameras auf der Automesse in Neu Delhi präsentierte die Herstellerfirma Tata Motors ihr "Volksauto" als den Wagen, "auf den die Welt gewartet" habe. Die technischen Details wurden sogar mit Errungenschaften der Menschheit wie dem ersten Mann auf dem Mond vor fast 40 Jahren in eine Reihe gestellt.
Der Einfachstwagen heißt "Nano" und soll trotz gestiegener Rohstoffpreise ab Werk umgerechnet etwa 1.700 Euro kosten. Hinzu kommen noch Steuern und Gewinnmargen. Trotzdem soll der Wagen nur halb so teuer sein wie das derzeit günstigste Auto auf dem Subkontinent. "Ein Versprechen ist eben ein Versprechen", sagte Unternehmenschef Ratan Tata unter dem Jubel der Zuschauer, in den sogar Journalisten einstimmten.
Die Idee für das Auto hatte der Firmenchef nach eigener Darstellung, als er eine vierköpfige Familie auf einem Motorrad sah. Der sparsame Viersitzer wird von einem neuartigen Zweizylinder-Motor mit 33 PS angetrieben und soll nicht mehr als fünf Liter Benzin auf 100 Kilometern verbrauchen. Teile bestehen aus Plastik, deshalb ist der Wagen besonders leicht. Der CO2-Ausstoß soll unter 100 Gramm pro Kilometer liegen. Damit erfüllt der Wagen Umweltauflagen nicht nur in Indien, sondern weltweit.
Anfangs sollen 250.000 Stück von dem Tata-Mobil vom Band rollen. Mittelfristig erwartet Tata eine Nachfrage von über einer Million. Der Hersteller erhofft sich dadurch eine Motorisierung nicht nur der aufstrebenden Mittelschicht in Indien, sondern auch der Bevölkerung auf dem Land. "Ein Traum geht in Erfüllung", sagte ein Polizist aus Neu Delhi auf der Messe. "Ich freue mich schon darauf, das Auto zu kaufen. Meine Frau wird sich riesig freuen."
NANO SOLL TATA AUCH WELTWEIT ZUM ERFOLG FÜHREN
Unternehmenschef Tata machte bereits klar, dass auch schon weitere Märkte im Blick hat. So könnte das Billigauto in zwei bis drei Jahren nach Afrika, Lateinamerika und Südostasien exportiert werden. Experten gehen davon aus, dass das Auto weltweit in vielen Schwellenländern Käufer finden kann und sagen schon einen Boom bei Billigautos voraus.
Der Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer rechnet damit, dass spätestens in sieben Jahren weltweit zehn Millionen Autos unter 10.000 Dollar verkauft werden. Neun Millionen und damit der weitaus größte Teil soll in Ländern wie Brasilien, Russland, Indien und China losgeschlagen werden. Nur eine Million entfiele auf herkömmliche Automobilmärkte wie die USA, Japan und Westeuropa.
Auch andere Autobauer drängen in den indischen Markt. Renault will in den kommenden Wochen über ein mögliches Billigauto-Projekt mit dem indischen Hersteller Bajaj Auto entscheiden. Der französische Autobauer hat mit dem Logan bereits vorgemacht, wie ein Auto ohne hochmoderne Ausstattung weltweit reißenden Absatz finden kann. Ford hat bereits angekündigt, binnen zwei Jahren in Indien einen Einfachwagen bauen zu wollen. Auch Volkswagen, Toyota, Honda und Fiat wollen Kleinstwagen für Schwellenländern anbieten, woher das Wachstum der Branche in den nächsten Jahren kommen soll.
In Westeuropa dürfte der Nano allerdings kaum verkaufen, auch wenn er wie von Tata erklärt, alle Sicherheitsanforderungen erfüllt. "Da ist man mit einem guten Gebrauchtwagen besser bedient als mit dem Ding", sagte Dudenhöffer. Er könne sich nicht vorstellen, dass Tata den Wagen hierzulande anbieten werde.
- von Rina Chandran und Jan-Christoph Schwartz -
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