E.ON:Zahlreiche Interessenten für Netzverkauf

Mittwoch, 14. Mai 2008, 19:14 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der Energiekonzern E.ON sieht großes Interesse an seinem zum Verkauf stehenden Höchstspannungsnetz.

Bei E.ON hätten sich bereits sowohl ausländische Netzbetreiber als auch Finanzinvestoren gemeldet, sagte Vorstandschef Wulf Bernotat am Mittwoch. Der Konzern führe aber noch keine Verhandlungen, sondern wolle zunächst die Details für den Verkauf mit der EU-Kommission festlegen. Die Wettbewerbshüter aus Brüssel sollen im Gegenzug laufende Kartellverfahren zu den Akten legen.

"Wir vermerken das Interesse zur Zeit und setzen die Namen auf eine Liste von Interessenten und werden darauf zurückkommen, wenn der Prozess offiziell beginnt", sagte Bernotat. Eine Einigung mit der EU-Kommission erwarte der Konzern etwa im Oktober. Anschließend habe E.ON zwei Jahre Zeit, einen Käufer für die Netze zu finden. Auch bei dem geplanten Verkauf von Kraftwerkskapazitäten peile E.ON eine Vereinbarung mit den Brüsseler Wettbewerbshütern bis zum Herbst an. Anschließend habe der Konzern mindestens sechs Monate Zeit für die Veräußerung. E.ON strebe hier ein Tauschgeschäft an.

Die Namen der Interessenten nannte Bernotat nicht. Der australische Finanzinvestor Macquarie hat bereits sein Interesse an den Netzen angemeldet, deren Wert Analysten auf bis zu zwei Milliarden Euro schätzen. Als mögliche Bieter werden in Finanzkreisen auch die britischen Beteiligungsfirmen 3i und Terra Firma sowie die Deutsche-Bank-Tochter Rreef genannt. Dem Allianz-Konzern und dem britischen Netzbetreiber National Grid wird ebenfalls ein Interesse nachgesagt.

E.ON SIEHT SICH BEI JAHRESZIELEN AUF KURS

Die EU-Kommission macht sich seit Jahren für eine Zerschlagung von Energiekonzernen wie E.ON und RWE stark, die neben Kraftwerken auch über Höchstspannungsnetze verfügen. Die Kommission verspricht sich davon mehr Wettbewerb im Strommarkt. Sie trifft jedoch mit ihren Plänen auf Widerstand von Staaten wie Deutschland und Frankreich. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters will die Kommission einen neuen Vorschlag vorlegen, um den Widerstand zu überwinden.

E.ON sieht sich unterdessen nach dem ersten Quartal trotz eines Gewinnrückgangs auf Kurs. Der Konzern steigerte den Umsatz um acht Prozent auf 22,8 Milliarden Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) sei um ein Prozent auf 3,28 Milliarden Euro zurückgegangen. Damit verfehlte der Konzern die Prognose von Analysten, die im Durchschnitt 3,39 Milliarden Euro erwartet hatten. Der für die Dividende entscheidende bereinigte Konzernüberschuss fiel um sieben Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Dennoch bekräftigte E.ON, im Gesamtjahr das bereinigte Ebit (2007: 9,2 Milliarden Euro) um fünf bis zehn Prozent steigern und den bereinigten Konzernüberschuss (2007: 5,1 Milliarden) leicht erhöhen zu wollen.