Macquarie meldet Interesse an E.ON-Stromnetzen an

Freitag, 9. Mai 2008, 15:12 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der auf Infrastruktur spezialisierte Finanzinvestor Macquarie nimmt verstärkt den deutschen Markt ins Visier und schielt dabei auch auf die Höchstspannungsnetze von E.ON.

"Wenn sich eine Gelegenheit bietet und Stromnetze auf den Markt kommen, wären wir daran sehr interessiert", sagte Martin Stanley, Chef der europäischen Infrastruktur-Fonds des australischen Instituts, am Donnerstagabend in Frankfurt. Macquarie schaue sich derzeit viele Zukaufmöglichkeiten an und habe dafür Milliardensummen zur Verfügung. Neben der Energiebranche seien auch Investitionen in anderen Infrastrukturbereichen wie etwa dem Transportsektor denkbar, ergänzte Europa-Chef Andrew Hunter. Er nannte Deutschland einen Kernmarkt für Macquarie in Europa.

Besonders im Energiesektor könnten sich wegen der Kartellstreitigkeiten mit der Europäischen Union (EU) für Macquarie und andere Investoren bald interessante Gelegenheiten auftun. So bot Deutschlands größter Versorger E.ON der EU-Kommission im Februar angesichts einer drohenden Zwangsabtrennung der Energienetze an, seine Höchstspannungs-Fernleitungen zu verkaufen. Die Firma hat dafür zwei Jahre Zeit. Experten schätzen den Wert auf bis zu zwei Milliarden Euro.

Sollte es zu einem Verkauf der Netze kommen, muss sich Macquarie auf zahlreiche Mitbewerber einstellen. Als Interessenten werden in Finanzkreisen weitere Infrastruktur-Spezialisten genannt wie die Deutsche-Bank-Tochter RREEF oder die britische Beteiligungsfirma 3i. Auch der Allianz wird Interesse nachgesagt. Finanzchef Helmut Perlet lehnte am Freitag eine Stellungnahme dazu ab.

Macquarie rechnet sich jedoch gute Chancen aus, bei einem Verkauf zum Zuge zu kommen. Neben dem Preis werde es Verkäufern und Regulierern darauf ankommen, dass Interessenten die Versorgungssicherheit gewährleisten könnten, sagte Hunter. "Wenn plötzlich die Lichter ausgehen, hätte man ein echtes Problem." Macquarie habe umfangreiche Erfahrungen mit Investitionen in Gas-, Wasser- oder Stromnetze. Insgesamt gehören dem Institut, das auch als Investmentbank aktiv ist, mehr als 110 Infrastrukturunternehmen in über 25 Ländern.

Das Interesse von Investoren an europäischen Infrastruktur-Projekten ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Viele Anleger reizt der stabile Mittelzufluss dieser langfristigen und wenig riskanten Anlagen, auch wenn die Renditen deutlich unter dem Niveau im traditionellen Private-Equity-Geschäft liegen.

Macquarie legt derzeit seinen dritten europäischen Infrastruktur-Fonds auf. Man sei auf gutem Weg, das Volumen des zweiten Fonds von 4,6 Milliarden Euro zu übertreffen, betonte Hunter. Die Finanzkrise erschwere zwar die Kreditbeschaffung, hindere das Institut aber nicht an Zukäufen. Infrastruktur-Investments sind weniger stark mit Schulden finanziert als andere Private-Equity-Transaktionen. Zum Portfolio der Bank gehört in Deutschland unter anderem der Energiedienstleister Techem.