Citigroup will sich mit Schrumpfkur aus Krise befreien
New York (Reuters) - Die Citigroup will sich mit einer radikalen Schrumpfkur aus dem Sumpf der Finanzkrise befreien.
Die am stärksten von den Turbulenzen an den Kapitalmärkten getroffene US-Bank plant in den nächsten zwei bis drei Jahren den Verkauf von Konzernteilen und riskanten Wertpapieren im Volumen von 400 Milliarden Dollar. Der neue Chef Vikram Pandit beendet damit den jahrzehntelangen Expansionskurs seiner Vorgänger und verkleinert die einst weltgrößte Bank um ein Fünftel.
Der seit fünf Monaten amtierende Pandit befreit die Bank mit diesem Strategiewechsel von Kosten und Risiken. Er schaufelt zudem Eigenkapital frei, um das Milliardenverluste schreibende Geldhaus wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Forderungen nach einer Aufspaltung des Instituts trat er jedoch entgegen. Er hielt ausdrücklich an dem Prinzip der Universalbank bestehend aus Investmentbank, Vermögensverwaltung und Privatkundengeschäft fest. Branchenexperten haben die Bank mit ihren mehr als 350.000 Mitarbeitern in mehr als 100 Ländern immer wieder als zu groß bezeichnet, um effizient geführt werden zu können.
Was konkret verkauft werden soll, ließ Pandit in der Präsentation am Freitag zunächst aber offen. Er sprach nur von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Bereichen. Analysten vermuten, dass von der Umstrukturierung auch die deutsche Tochter Citibank betroffen sein könnte. Aus Finanzkreisen hatte Reuters zuletzt erfahren, dass Pandit die Trennung von dem auf Privatkunden spezialisierten Deutschland-Geschäft prüft. Die Postbankund die Deutsche Bank haben bereits Interesse angemeldet.
Pandit warb bei den Anlegern um Geduld. Der Abbau könne auch länger dauern. Zudem werde der Erfolg der Sanierungspläne nicht unmittelbar erkennbar sein, selbst wenn sich die Ergebnisse möglicherweise kurzfristig verbesserten. An den Aktienmärkten zeigte sich keine nennenswerte Reaktion.
Der Konzernumbau soll die in den vergangenen Monaten stark unter Druck gekommene Eigenkapitalrendite wieder auf 18 bis 20 Prozent anheben. Zudem peilt die Bank an, die Erträge jährlich um acht bis zehn Prozent zu erhöhen. Neben dem Verkauf von Töchtern sollen etwa auch milliardenschwere Engagements in Zweckgesellschaften oder mit Hypotheken besicherte Finanzprodukte geordnet abgebaut werden. Diese stehen derzeit im Zentrum der Krise, da sie massiv an Wert verlieren. Über die nächsten Jahre will sich die Bank nochmal rund 40 Milliarden Dollar zusätzliches Kapital beschaffen.
Wenn die Bank sich von den Vermögenswerten trennt, ist das nicht gleichbedeutend mit Einnahmen in Höhe von 400 Milliarden Dollar. Branchenexperten rechnen zum Teil sogar mit erheblichen Verlusten bei den Veräußerungen. "Sie verkaufen, weil sie verkaufen müssen", sagte Henry Asher, Präsident des Vermögensverwalters Northstar Group. "Die Bank wird zwar versuchen, bei jedem einzelnen Verkauf das meiste herauszuholen, aber ihre Verhandlungsposition ist doch eher schwach."
Die Citigroup ist mit Abschreibungen von über 45 Milliarden Dollar weltweit mit am härtesten von der Kreditmarktkrise betroffen. Die Bank besorgte sich bereits frisches Kapital von über 40 Milliarden Dollar, um die nach hohen Verlusten dünn gewordene Kapitaldecke wieder zu stärken. Mehr als 13.000 Mitarbeiter sollen ihren Job verlieren. Allein im ersten Quartal schrieb das Institut wegen milliardenschwerer Abschreibungen einen Verlust von 5,1 Milliarden Dollar.
Analysten zeigten sich überrascht vom Ausmaß der geplanten Veräußerungen. Als Grund dafür vermuteten sie, dass die Verluste der Bank möglicherweise noch viel größer seien als bislang bekannt. Von den Verkaufsplänen könnten laut Insidern neben der deutschen Citibank auch die Privatkundensparten in den USA, Mexiko und Japan betroffen sein. Wie aus Finanzkreisen im April verlautete, will sich Citigroup unter anderem von seiner japanischen Privatanlegersparte trennen.
- von Jonathan Stempel -
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