Studie - Roche löst Pfizer 2014 als Pharma-Branchenprimus ab

Dienstag, 5. August 2008, 11:32 Uhr
 
 London, 05. Aug (Reuters) - Der US-Pharmariese Pfizer
(PFE.N: Kurs) dürfte einer Studie zufolge im Jahr 2014 wegen massiver
Patentausfälle seinen Spitzenplatz in der Arzneimittelbranche an
den Schweizer Roche(ROG.VX: Kurs)-Konzern verlieren. Das New Yorker
Unternehmen werde sich dann mit dem sechsten Platz der
Weltrangliste zufrieden geben müssen, erwarten die
Branchenexperten von EvaluatePharma in ihrer am Montag
veröffentlichten Studie. Die Experten nutzten für ihre
Vorhersagen die Prognosen von Analysten. Ihren Ergebnissen
zufolge wird Johnson & Johnson(JNJ.N: Kurs) 2014 der einzige
verbliebene US-Pharmakonzern unter den Top Fünf der Branche
sein. Der Leverkusener BayerBAYG.DE-Konzern hingegen werde bis
dahin unter die Top Zehn vorgerückt sein sein.
 Die von den Experten vorhergesagten Veränderungen in der
Pharma-Weltrangliste spiegeln die Folgen zahlreicher
Patentabläufe und des Wettbewerbs mit Generika-Anbietern wider,
die der Branche in den kommenden fünf Jahren ins Haus stehen.
Patentabläufe als bekanntes Geschäftsrisiko wären nicht so
verheerend, würde der Nachschub an neuen Medikamenten bei den
Konzernen stimmen. Aber genau daran hapert es zur Zeit bei
vielen Unternehmen. Dass es Roche in diesem Umfeld an die Spitze
schaffen wird, liegt den EvaluatePharma-Experten zufolge an der
Stärke des Unternehmens im wachsenden Geschäft mit
Biotech-Medikamenten. Zudem gebe es bei dem Basler Konzern in
den kommenden Jahren kaum Patentrisiken.
 Bei Pfizer dagegen verlieren in den kommenden Jahren mehrere
lukrative Schlüsselmedikamente ihren Patentschutz. Neben dem
Blutfettsenker Lipitor - aktuell mit Jahresumsätzen von rund 13
Milliarden Dollar das weltweit umsatzstärkste Medikament - sind
dies das Blutdruck-Mittel Norvasc, die Potenzpille Viagra und
das Augenmittel Xalatan. Kombiniert stünden dem US-Konzern damit
bis 2014 Umsatzausfälle von 16,7 Milliarden Dollar ins Haus,
schätzen die Experten.
 Ganz anders sehen sie die Situation bei Roche: Die Schweizer
sind bereits weltweit führend im Markt für biotechnologische
Krebsmedikamente und dürften diese Position mit der
angekündigten vollständigen Übernahme der US-Biotechfirma
GenentechDNA.N noch weiter ausbauen. Roche will die noch nicht
in ihrem Besitz befindlichen rund 44 Prozent an Genentech für
43,7 Milliarden Dollar kaufen. Aber selbst ohne diese Übernahme
dürften die Schweizer den Experten zufolge in den kommenden
Jahren alle anderen Wettbewerber überflügeln.
 Hinter Roche als Branchenführer werden im Jahr 2014 nach den
Prognosen von EvaluatePharma die nächsten drei Plätze ebenfalls
von europäischen Konzernen belegt: Sanofi-Aventis(SASY.PA: Kurs) aus
Frankreich kommt demnach auf Platz zwei, GlaxoSmithKline(GSK.L: Kurs)
aus Großbritannien wird Nummer drei und Novartis(NOVN.VX: Kurs) aus
der Schweiz bringt es auf den vierten Platz. Erst danach werde
mit Johnson & Johnson der erste US-Konzern in der Rangliste
auftauchen.
 
 Es folgt eine Tabelle der Top-10 Unternehmen mit ihren
Umsätzen und Markanteilen nach Prognose von EvaluatePharma im
Jahr 2014 auf Basis der zu erwartenden Umsätze mit
rezeptpflichtigen und verschreibungsfreien Medikamenten:
 
 
                    Listenrang        Marktanteil 
                                      (in Prozent) 
                    2014      2007    2014    2007 
 
Roche                  1         5        6,0     5,2 
Sanofi-Aventis         2         3        5,9     6,6 
GlaxoSmithKline        3         2        5,3     7,0 
Novartis               4         4        5,2     5,8 
Johnson & Johnson      5         7        4,0     4,6 
Pfizer                 6         1        3,6     7,2 
Merck & Co             7         8        3,3     4,4 
Abbott Laboratories    8        12        3,0     2,7 
Bayer                  9        11        2,9     2,7 
AstraZeneca           10         6        2,9     4,8 
  
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