Unternehmen | Mittwoch, 12. Dezember 2012, 11:58 Uhr

Daimler setzt für China-Ressort auf Eigengewächs

Hamburg Daimler will sein schwächelndes China-Geschäft mit einem eigens bestellten Vorstand auf die Überholspur bringen.

Aufsichtsrat berief den Nutzfahrzeugmanager Hubertus Troska mit Wirkung zum 13. Dezember in das neu geschaffene Amt, wie Daimler am Mittwoch in Stuttgart mitteilte.

Während der Aufsichtsrat den Vertrag von Truck-Vorstandschef Andreas Renschler bis September 2018 verlängerte, muss der seit 2006 an der Konzernspitze stehende Dieter Zetsche noch auf ein solches Vertrauenszeichen warten. Es gebe keinen Grund, die Entscheidung vorzuziehen, zitierte die Wochenzeitung "Die Zeit" Aufsichtsratschef Manfred Bischoff vorab. "Diese Entscheidung wird dann fallen, wenn sie gemäß unseren Regeln zu erfolgen hat", sagte Bischoff. Zetsches Kontrakt kann frühestens ein Jahr vor Ablauf verlängert werden, er gilt noch bis Ende 2013. Reuters hatte Anfang November aus Unternehmenskreisen berichtet, Daimler sehe trotz der nach Ergebniseinbußen bei Mercedes-Benz in Europa und China korrigierten Gewinnprognose keinen Grund, am Top-Management zu rütteln.

ERFOLG IN CHINA ENTSCHEIDET

Für die großen Premiumautobauer wird China neben USA immer wichtiger, um die Krise in Westeuropa wettzumachen. In der Volksrepublik können sich immer mehr Menschen aus der aufstrebenden Mittelschicht Luxuslimousinen leisten und bescheren den Autobauern dadurch satte Gewinne. "Mit der Entscheidung, einen Vorstandsposten eigens für diesen wichtigen Markt einzurichten, unterstreichen wir die strategische Bedeutung Chinas für Daimler", ließ Aufsichtsratschef Manfred Bischoff mitteilen. Der 52-jährige Troska verantwortet bei Daimler Trucks bisher das Geschäft in Europa und Lateinamerika und die Marke Mercedes-Benz. Er arbeitet bereits seit 24 Jahren bei Daimler. Der bisher für die Region Nordostasien zuständige Manager Ulrich Walker (61) geht nach über 30 Jahren bei Daimler - davon sechs Jahre in China - in den Ruhestand.

Auch Volkswagen hatte unlängst ein eigenes China-Ressort im Konzernvorstand geschaffen und mit Jochem Heizmann besetzt, der zuvor Vorstand für Nutzfahrzeuge war. BMW schickt seinen bisherigen Deutschland-Chef Karsten Engel ins Reich der Mitte. Er ersetzt in Peking den Manager Christoph Stark, der in den Ruhestand geht.

HERKULESAUFGABE FÜR TROSKA

Mercedes kämpft auf dem wichtigen Wachstumsmarkt mit massiven Problemen. Dort sieht die Nobelmarke aus Stuttgart nur die Rücklichter der Rivalen BMW und Audi und fährt auch dem Marktwachstum hinterher. Die Schwaben machen sich in der Volksrepublik mit zwei Vertriebsgesellschaften selbst Konkurrenz. Diese Firmen sollen nun zusammengeführt werden. Der Umbau kostet Zeit - und nach früheren Angaben rund 100 Millionen Euro: Denn Mercedes will seinen Händlern in China finanziell bei der Einführung einer neuen Software unter die Arme greifen und sie für die jüngsten Rabattschlachten entschädigen.

Bischoff zeigte sich zuversichtlich, dass der Konzern nach Jahren eine Antwort findet auf den erfolgreichen BMW X1 und andere kleine Geländewagen. "Wir werden bis 2014 auf Basis unserer A-Klasse einen Geländewagen bauen", kündigte der Aufsichtsratschef der Zeitung zufolge an. Kleine Geländewagen gehören derzeit zu den am stärksten gefragten Fahrzeugen, Daimler hat hier jedoch bisher nichts im Angebot.

Im November verkaufte Mercedes-Benz in China rund 16.900 Fahrzeuge in China, ein Minus von 6,6 Prozent. Weltweit legten die Verkäufe der Stuttgarter dagegen um 5,7 Prozent auf 120.000 Einheiten zu. Mercedes-Benz will bis 2020 die begehrte Krone als Oberklasse-Marktführer zurückerobern, die BMW den Schwaben schon vor einer Weile weggeschnappt hat. Auch Audi hat Mercedes hinter sich gelassen und mischt im Kampf um die Premiumspitze mit.

ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT

Bei Pkw schneiden die Stuttgarter im Vergleich zur bayerischen Konkurrenz derzeit schwach ab: Die Konkurrenten bauen ihre Autos profitabler als Mercedes. Für mehr Schlagkraft sollen bis 2015 zehn neue Mercedes-Modelle sorgen - deren Entwicklung jedoch viel Geld verschlingt. Daimler hatte deshalb unlängst ein neues Sparprogramm aufgelegt, um seine margenschwache Kernmarke wieder auf Vordermann zu bringen. Nach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal waren zuvor die Ergebnisprognose für 2012 um eine Milliarde Euro reduziert und die angepeilten Renditeziele für 2013 gekippt worden.

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