FOKUS1-Bauindustrie erwartet volle Wucht der Rezession erst 2010
Berlin, 08. Jan (Reuters) - Dank eines dicken Auftragspolsters fühlt sich der Bau für 2009 trotz stagnierender Umsätze noch gut gerüstet. Die volle Wucht der Rezession werde die Branche erst 2010 treffen, sagte der neue Präsident des Industrieverbandes HDB, Herbert Bodner, am Donnerstag in Berlin. Für das kommende Jahr wagte er keine konkrete Geschäftsprognose, sieht die über lange Jahre schwächelnde Branche dank geplanter Infrastrukturinvestitionen insgesamt sogar eher als Wirtschaftsmotor. "Wir können als Schlüsselindustrie bei der Überwindung der Rezession helfen."
Im Herbst hatte die Bauwirtschaft mit 23,5 Milliarden Euro noch den größten Auftragsbestand seit 2001. Deshalb rechnet Bodner für das erste Halbjahr 2009 mit einer stabilen Produktion. Danach werde auch ein florierender öffentlicher Bau die Einbrüche in den Sparten Wohnungs- und Wirtschaftsbau kaum ausgleichen können. Nominal seien dieses Jahr nur stagnierende Geschäfte zu erwarten. Die Preise dürften zwar nur noch moderat steigen, inflationsbereinigt laufe es jedoch auf ein Umsatzminus von etwa zwei Prozent hinaus. Die Zahl der Beschäftigten werde leicht um 5000 auf rund 700.000 fallen.
BAUWIRTSCHAFT SETZT AUF IMPULSE DURCH KONJUNKTURPAKETE
Im Kampf gegen die Rezession plant die Bundesregierung in ihrem zweiten Konjunkturpaket Milliardenausgaben in die Infrastruktur. Bodner forderte eine rasche Ausschreibung für öffentliche Aufträge schon zu Beginn des Jahres. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) plädierte auch dafür, einige Maßnahmen schnell, andere mittelfristig umzusetzen. Eine Lockerung des Vergaberechts dürfe aber nicht zulasten von Rechtsschutz und Wirtschaftlichkeit der Projekte gehen, mahnte Bodner.
Das vergangene Jahr war für die Branche überraschend positiv gelaufen. Der Verband geht nominal von sechs Prozent mehr Umsatz aus. Bisher hatte er nur ein Plus von vier Prozent veranschlagt. Treibende Kraft war einmal mehr der Wirtschaftsbau mit plus zehn Prozent. Auch der öffentliche Bau legte um sechs Prozent zu, das Sorgenkind Wohnungsbau nur um ein Prozent. Der Aufschwung sei vor allem den größeren Betrieben zugute gekommen. Deutlich steigende Kosten bei den Vorprodukten wie Stahl, Bitumen und Zement hatten der Branche zu schaffen gemacht. Deshalb zehrten die höheren Baupreise einen großen Teil der Umsatzzuwächse auf. Unterm Strich blieb ein reales Plus von zwei Prozent - "deutlich mehr als zu Beginn des Jahres erhofft", sagte Bodner, der auch Chef von Deutschlands zweitgrößtem Baukonzern Bilfinger Berger(GBFG.DE: Kurs) ist. Er folgt als Verbandspräsident auf den ehemaligen Hochtief(HOTG.DE: Kurs)-Chef Hans-Peter Keitel, der an die Spitze des Bundesverbandes der Deutschen Industrie wechselte.
(Reporter: Klaus Lauer; redigiert von Stefanie Huber)
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