FOKUS 1-Fernsehsender Sat.1 muss von Berlin nach München ziehen

Donnerstag, 13. November 2008, 16:47 Uhr
 

München, 13. Nov (Reuters) - In der Berliner Sat.1-Zentrale müssen bald 350 Mitarbeiter ihre Koffer packen und nach München ziehen. Der unter einer milliardenschweren Schuldenlast ächzende Mutterkonzern ProSiebenSat.1(PSMG_p.DE: Kurs) will damit Kosten senken. Zudem sollen in Deutschland 225 Stellen oder sieben Prozent der Belegschaft abgebaut werden, wie der Sender am Donnerstag mitteilte. Zum hiesigen Geschäft der Gruppe gehören noch die beiden Fernsehsender Kabel Eins und N24. Insgesamt arbeiten für ProSiebenSat.1 6000 Leute, die Hälfte davon in Deutschland.

"Jetzt stellen wir in unserem größten und wichtigsten Markt Deutschland die Weichen für die Zukunft", sagte der scheidende Vorstandschef Guillaume de Posch. Er hoffe, dass viele Mitarbeiter an den Konzernhauptsitz kämen, allen anderen werde eine Abfindung angeboten. Allerdings müssen sich nicht alle Sat.1-Fernsehmacher an der Isar eine neue Wohnung suchen. Die Redaktionen des Frühstücksfernsehens und des Magazins dürfen ebenso wie der Nachrichtensender N24 mit zusammen 450 Leuten in der Hauptstadt bleiben. Der Umzug soll bis Mitte nächsten Jahres über die Bühne gehen.

ProSiebenSat.1 hatte auf Betreiben der Hauptaktionäre Permira[PERM.UL] und KKR[KKR.UL] 2007 den Sender SBS Broadcasting übernommen, der ebenfalls von den beiden Finanzinvestoren kontrolliert wurde. Trotz der hohen Schulden hätten die beiden Investoren ProSiebenSat.1 zudem eine zu hohe Dividende ausschütten lassen, bemängeln Kritiker. Nun brechen wegen der kriselnden Wirtschaft die Werbeausgaben weg. Ende Oktober beliefen sich die Schulden auf 3,8 Milliarden Euro.

An der Börse fanden die Sparmaßnahmen keinen Beifall. Die Aktie fiel bis zum Nachmittag um zehn Prozent auf 1,75 Euro.

SEEHOFER FREUT SICH - DJV SAUER

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zeigte sich über den Schritt erfreut. "Das stärkt die Handlungsfähigkeit des Medienunternehmens und stabilisiert das duale Rundfunksystem", sagte er.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) wirft den Sender-Besitzern dagegen vor, nur an ihrer Rendite interessiert zu sein. "Die Sat.1-Jobs in Berlin dürfen nicht der Gier der Eigentümer zum Opfer fallen", forderte der DJV-Vorsitzende Michael Konken. Sie sollten den Umzug abblasen, da Sat.1 ansonsten vom "Vollprogramm zur belanglosen Abspielstation degradiert" werde.

(Reporter: Peter Maushagen; redigiert von Martin Zwiebelberg)