FOKUS 1-Osteuropas Rezession belastet Bonität westlicher Banken

Dienstag, 17. Februar 2009, 18:16 Uhr
 

(neu: Details, S&P)

Wien, 17. Feb (Reuters) - Die Rezession könnte nach Einschätzung von Ratingagenturen Osteuropas Finanzbranche sehr stark treffen und auch zur Bonitätsrückstufung der westeuropäischen Mutterkonzerne führen. "Ein Rückgang der wirtschaftlichen Solidität auf breiter Front auf den Kernmärkten Osteuropas übt einen negativen Ratingdruck auf die Tochtergesellschaften aus und könnte schlussendlich auch zu einer schwächeren Ratingeinstufung der Konzernmütter führen", heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Ratingagentur Moody's. der Konkurrent Standard & Poor's sieht dies ähnlich. Die Bonitätseinstufung könnte überprüft werden, wenn sich die Situation weiter verschlechtere, sagte John Gibling von S&P am Dienstag zu Reuters. Westeuropas Banken haben sich in den vergangenen Jahren den Großteil des Marktes in Osteuropa gesichert. In den Boomjahren bis 2007 haben vor allem Österreichs Erste Bank(ERST.VI: Kurs), RaiffeisenRIBH.VI und die UniCreditCRDI.VI-Tochter Bank Austria in diesen Märkt reüssiert. Zuletzt stammten die Hälfte deren Gewinne aus der Region. Die deutsche Commerzbank(CBKG.DE: Kurs) ist vor allem in Russland, Polen und der Ukraine tätig. Die zweitgrößte deutschen Bank machte in Mittel- und Osteuropa 2007 nach eigenen Angaben einen operativen Gewinn von gut 270 Millionen Euro. Auch Frankreichs Societe Generale(SOGN.PA: Kurs) und die KBC engagierten sich.

Die Wirtschaftskrise hat weite Teile Ost- und Mitteleuropas erfasst. Vor allem die Ukraine und Rumänien gelten als die Sorgenkinder. Höhere Vorsorgen für faule Kredite, steigende Refinanzierungskosten und der Verfall der Währungen machen den Banken zunehmend Sorgen. Ohne Zweifel würden die Märkte derzeit Osteuropa als die "subprime-Krise" Europas ansehen, sagte Analyst Lars Christensen von der Danske Bank.

An den Börsen sind die in Osteuropa aktiven Banken schon längere Zeit die großen Verlierer. Moody's Bericht führte in Wien zu einem massiven Verkäufen von Erste und RI. Erste verloren 11,3 Prozent auf 7,58 Euro und stürzten auf ein neues Allzeittief. RI waren elf Prozent auf 13,36 Euro billiger. SocGen verlor in Paris neun Prozent. Auf den Kreditmärkten weiteten sich die Risikoaufschläge für die Institute aus.

ÖSTERREICH STARK EXPONIERT

Österreichs Banken sind in Osteuropa besonders stark engagiert. Etwas über 200 Milliarden Euro an Krediten haben sie in der Region, inklusive Russland, vergeben. Das entspricht rund drei Viertel des heimischen Bruttoinlandsproduktes.

Dieses potenzielle Risiko ließ auch Österreichs Regierung tätig werden. Erst jüngst warb sie für ein Hilfspaket der Europäischen Union (EU), um die Volkswirtschaften Osteuropas zu stabilisieren. Bislang traf dies auf nur geringe Bereitschaft in der EU. Mittlerweile zahlt Österreich einen höheren Preis für ein mögliches Risiko durch die Verflechtung mit Osteuropa. Der Risikoaufschlag zu deutschen Anleihen liegt bei rund 130 Basispunkten, nach langjährig üblichen 20 bis 25 Punkten.

Österreichs Banken halten offiziell an ihren Töchtern und ihrer Strategie fest. Die Region werde zu wenig differenziert gesehen, das Risiko derzeit überbewertet, sagen sie.

(Reporter: Christian Gutlederer, Eva Komarek, Boris Groendahl, Sebastion Tang, redigiert von Jörn Poltz)