EU schützt Kinder besser vor schädlichem Spielzeug

Donnerstag, 18. Dezember 2008, 15:45 Uhr
 

Brüssel, 18. Dez (Reuters) - Kinder in Europa werden in Zukunft besser vor gefährlichem Spielzeug geschützt. Das Europäische Parlament verabschiedete am Donnerstag in Straßburg eine Novelle der Spielzeugrichtlinie aus den 80er Jahren. So dürfen die Hersteller künftig krebs- und allergieerregende Stoffe oder Substanzen wie Quecksilber und Blei nicht mehr verwenden. Die Grenzwerte zum Beispiel für Nickel werden verschärft. Das von einigen Politikern geforderte Überraschungsei-Verbot ist dagegen vom Tisch. Die Regeln treten in zwei Jahren in Kraft.

"Was der Gesetzgeber für die Sicherheit von Kindern tun kann, wenn sie mit Spielzeug umgehen, wurde getan", erklärte EU-Industriekommissar Günter Verheugen. Die bisherigen Vorschriften waren veraltet, da in den vergangenen Jahren viel Spielzeug aus neuen Materialien auf den Markt kam. In Europa entdeckten die Behörden immer mehr bedenkliches Spielzeug, das meistens in China hergestellt worden war.

Strengere Vorschriften soll es auch für Kleinteile geben, die leicht verschluckt werden können. So darf Spielzeug nur noch in Süßigkeiten oder Lebensmitteln stecken, wenn es noch einmal eigens verpackt ist. Spielzeug, das erst dann zugänglich wird, wenn das mit ihm verbundene Lebensmittel verzehrt worden ist, wird verboten.

Dies gilt aber nicht für das Überraschungsei: Der Verbotsforderung einiger sozialdemokratischer Abgeordneter war das Parlament nicht gefolgt. Der CDU-Europaabgeordnete und Arzt Peter Liese begrüßte das. "Weder ich noch einer meiner Kollegen hat jemals einen Fall beobachtet, bei dem ein Kind durch ein Überraschungsei zu Schaden gekommen ist."

Streit gab es darüber, ob die Hersteller das Sicherheitskennzeichen CE weiterhin wie bisher in Eigenregie auf den Produkten anbringen können - ohne externe Prüfung. Liese begrüßte, dass die Firmen nicht dazu gezwungen werden, alle Spielwaren einem unabhängigen TÜV vorzulegen. Dies wäre zu viel Aufwand für kleine Handwerksbetriebe.

Die Grünen kritisierten hingegen den Verzicht auf eine Zertifizierung durch Prüfstellen. Die Spielzeugskandale der vergangenen beiden Jahren hätten gezeigt, dass eine Überprüfung der durch unabhängige Institute notwendig ist, erklärte die Europaabgeordnete Heide Rühle. Der weltgrößte Spielwarenhersteller MattelMAT.N musste 2007 mehr als 21 Millionen Produkte aus dem Verkehr ziehen wegen bleihaltiger Farbe oder Magneten, die Kinder leicht verschlucken können.

(Reporterin: Ilona Wissenbach; redigiert von Carsten Lietz)