ITK-Branche sieht sich in der Wirtschaftskrise als Zugpferd

Donnerstag, 20. November 2008, 13:11 Uhr
 

Darmstadt, 20. Nov (Reuters) - Die Informations- und Kommunikationsbranche (ITK) sieht sich als Zugpferd auf dem Weg aus der Wirtschaftskrise. "40 Prozent des Produktivitätswachstums und ein Viertel des Gesamtwachstums in Europa sinhd auf ITK zurückzuführen", sagte der Präsident des Branchenverbandes Bitkom, August-Wilhelm ScheerIDRG.DE, am Donnerstag auf dem 3. nationalen IT-Gipfel in Darmstadt laut Redetext. "Investitionen in Hightech haben eine nachweisbare volkswirtschaftliche Hebelwirkung und können zugleich einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der Rezession leisten." Die ITK treibe maßgeblich die Wettbewerbsfähigkeit des Automobil- und Maschinenbaus, der Elektro- und Medizintechnik.

Auch die Branche werde aber von der Krise nicht verschont bleiben, sagte Scheer. Zwar spürten 72 Prozent der Unternehmen noch keine Auswirkungen der Krise. Die Unsicherheit mit Blick auf die nächsten Monate werde aber größer. 49 Prozent der Firmen erwarten, dann durch die Krise in Mitleidenschaft gezogen zu werden. "Das ist aber kein Grund zu Jammerei und Selbstmitleid", sagte Scheer. "Unser Ziel ist es, gestärkt aus der Krise hervorzugehen und in zwei Jahren besser dazustehen als heute."

Scheer forderte, den Investitionsstau der öffentlichen Hand aufzulösen und ein Klima zu schaffen, das Anreiz zu Investitionen gebe. "Jetzt ist die Gelegenheit, ohnehin anstehende Investitionen in die Infrastruktur von Bund, Ländern und Kommunen zu tätigen. Das größte Potenzial sehen wir derzeit im Gesundheitswesen mit der elektronischen Gesundheitskarte", sagte Scheer. Mit einer investitionsfreundlichen Regulierung könnten in der Telekommunikation Milliardeninvestitionen in neue Hochgeschwindigkeitsnetze angeregt werden.

Auch Telekom(DTEGn.DE: Kurs)-Vorstandschef Rene Obermann forderte bessere Rahmenbedingungen, damit sich Investitionen auszahlten. Deutschland brauche neue Hochgeschwindigkeitsnetze. Doch der Aufbau koste rund 40 bis 50 Milliarden Euro in den kommenden 10 bis 15 Jahren. Die EU müsse für dafür sorgen, dass Investitionen nicht durch eine Überregulierung von Preisen ausgebremst würden.

Eine zügige Entscheidung verlangte Bitkom-Präsident Scheer auch über die Nutzung frei werdender digitaler Rundfunkfrequenzen. Sie sollten den Telekommunikationsfirmen zum Breitband-Ausbau zur Verfügung gestellt werden. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sprang ihm bei. Die Länder sollten die digitalen Frequenzen freigeben, sagte er. Eine gute Infrastruktur sei die Basis für einen starken ITK-Standort, sagte er auf dem Gipfeltreffen der Branche. Auch ländliche Regionen müssten mit Breitband erschlossen werden.

(Reporter: Nikola Rotscheroth, redigiert von Alexander Hübner)