FOKUS 2-Kirch blitzt mit Milliardenforderung gegen Dt. Bank ab

Dienstag, 25. November 2008, 20:34 Uhr
 

(neu: Hintergrund)

München, 25. Nov (Reuters) - Der Medienmogul Leo Kirch[KRCH.UL] hat mit einer milliardenschweren Klage gegen die Deutsche Bank(DBKGn.DE: Kurs) vor dem Landgericht München Schiffbruch erlitten. Seine Anwälte zogen am Dienstag wegen eines Rechenfehlers eine Schadenersatzforderung über 1,1 Milliarden Euro zurück. Die Vorsitzende Richterin Brigitte Pecher wies den Fall daraufhin ab. Sichtlich irritiert sagte sie zu den Vertretern Kirchs: "Man kann doch nicht so in eine Verhandlung gehen."

Kirch fordert von Deutschlands größter Bank und ihrem ehemaligen Vorstandschef Rolf Breuer mehr als 3,5 Milliarden Euro Schadenersatz. Die Anklage stützt sich auf ein Fernseh-Interview Breuers aus dem Jahr 2002, in dem er nach Ansicht der Kirch-Seite die Kreditwürdigkeit des Medienkonzerns anzweifelt, woraufhin die Gläubigerbanken den Geldhahn zugedreht hätten. Kirchs weit verzweigtes Unternehmen sei aber schon vorher dem Untergang geweiht gewesen, hält das Frankfurter Institut dagegen.

Im Kern der abschlägig beschiedenen 1,1 Milliarden-Forderung geht es um ein Aktienpaket am Springer-Verlag(SPRGn.DE: Kurs), das Deutschlands größter Bank nach der Insolvenz Kirchs 2002 als Sicherheit für einen Kredit zugefallen war. Die Beteiligung wurde dann verkauft. Wäre Kirch nicht wegen der Aussagen Breuers das Geld ausgegangen, hätte das Springer-Paket nicht zu einem nach Ansicht der Kirch-Anwälte zu niedrigen Preis verkauft werden müssen. Allerdings hatten die Juristen die Schadenersatz-Summe wohl zu besseren Börsenzeiten kalkuliert: Die Aktien sind derzeit weniger wert sind als beim Verkauf durch die Deutsche Bank im Jahr 2002. Falls ihre Klage jetzt durchgekommen wäre, hätte Kirch der Bank eventuell sogar noch Geld überweisen müssen. Die verdutzten Anwälte machten die Finanzmarktkrise für den Einbruch verantwortlich, doch Richterin Pecher entgegnete: "Dass es einen Kurseinbruch gegeben hat, wissen wir alle." Ein Anwalt der Deutschen Bank bat sogar um eine Pause, damit "die Anwälte Zeit zum Rechnen" hätten"

Kirchs Rechtsvertreter wollen in den nächsten zwei Wochen Einspruch gegen die Entscheidung einlegen und das Verfahren damit noch einmal aufrollen. Die Juristen der Deutschen Bank werteten das Urteil als Erfolg.

RICHTERIN HEGT WEITERE ZWEIFEL

Zwei weitere Fälle will Pecher im März entscheiden. Bei einer Forderung Kirchs auf Schadenersatz von 400 Millionen Euro deutete die Richterin bereits an, dass die Beweislage bisher dünn sei. Das sei "alles etwas sehr knapp begründet" und "ausgesprochen dürftig".

Auch im nächsten Verfahren äußerte sie Bedenken. Es sei fraglich, ob die von Kirch eigens für Schadenersatzansprüche konstruierte Firma KGL Pool seriös sei. "Wir stehen der Sache wirklich skeptisch gegenüber", sagte sie. Die Richterin wandte ein, dass KGL nur mit einer dünnen Kapitaldecke ausgestattet sei und daher im Falle einer Niederlage Kirchs nicht für die Prozesskosten aufkommen könnte. KGL Pool ist eine Zweckgesellschaft, in der insolvente Töchter von Kirchs früherem Konzern Ansprüche auf Schadenersatz in Höhe von allein mehr als zwei Milliarden Euro gebündelt haben.

Die Anwälte Kirchs, darunter der ehemalige bayerische Minister Peter Gauweiler, wollen nun eine schriftliche Vereinbarung vorlegen, dass Leo Kirch selbst für alle finanziellen Verbindlichkeiten der KGL Pool aufkommt.

(Reporter: Peter Maushagen, Christian Krämer und Philipp Halstrick; redigiert von Martin Zwiebelberg)