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Unternehmen | Donnerstag, 31. Januar 2013, 11:42 Uhr

Deutsche Bank opfert für Kapitaldecke Milliardengewinn

Frankfurt Milliardenverlust, aber dafür mehr Kapital: Die neuen Deutsche-Bank-Chefs nehmen für den Konzernumbau tiefrote Zahlen in Kauf und ordnen der Kapitalaufstockung alles andere unter.

Unter dem Strich stand im Schlussquartal 2012 ein Verlust von 2,2 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr reichte es deshalb nur noch für einen Gewinn von 700 Millionen Euro - das schlechteste Ergebnis seit dem Finanzkrisenjahr 2008. "Der Kapitalaufbau ist unsere Top-Priorität", gab Anshu Jain am Donnerstag die Richtung vor. Zusammen mit Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen mistete er Altlasten in der Bilanz aus. Die Kosten für rund um den Globus schwelende Rechtsstreitigkeiten belaufen sich inzwischen auf vier Milliarden Euro und machen den angekündigten Kulturwandel zu einer Herkulesaufgabe. "Wir befinden uns immer noch am Anfang einer langen Reise", sagte Jain. Die Neuaufstellung von Deutschlands größtem Geldhaus werde Jahre dauern, nicht Monate.

Die Deutsche Bank schob Wertpapiere im Volumen von 120 Milliarden Euro in eine interne "Bad Bank", um das Eigenkapital der Kernbank zu entlasten. Per Ende 2012 lag die harte Kernkapitalquote (Core Tier 1) nun bei acht Prozent. Selbst zugetraut hatte sich die Bank nur 7,2 Prozent, ein Jahr zuvor waren es weniger als sechs Prozent. Analysten hatten immer wieder moniert, dass die Deutsche Bank ihren internationalen Konkurrenten bei der Erfüllung der strengeren Kapitalanforderungen hinterherhinke. "Das Echo von Kunden, Regulatoren und Kapitalmarktteilnehmern war einstimmig. Wir haben zugehört und wir haben geliefert", sagte Jain.

Die Erhöhung der Kernkapitalquote entspricht einer Kapitalerhöhung von mindestens acht Milliarden Euro, ohne dass die Bank ihre Aktionäre zur Kasse bitten musste. Entsprechend groß war die Erleichterung an der Börse: Die Deutsche-Bank-Aktien legten bis zum Mittag gegen den Markttrend ein Prozent zu. "Das ist die wichtigste Botschaft des Tages: dass es keine Kapitalerhöhung gibt", sagte Metzler-Analyst Guido Hoymann. Jain relativierte allerdings: "Plan A bleibt eine Kapitalstärkung aus eigener Kraft, ich kann aber in einer unsicheren Welt nichts ausschließen."

PROTESTE VOR DER TÜR

Die erste Bilanzpressekonferenz von Jain und Fitschen auf dem Chefsessel wurde von Protesten dutzender Aktivisten draußen vor der Tür begleitet. Sie machten ihrem Unmut darüber Luft, dass die Deutsche Bank das Geschäft mit Nahrungsmittelspekulationen wieder aufgenommen hat, weil sie keinen Zusammenhang zwischen dem Rohstoffhandel und dem Hunger in der Welt sieht. Fitschen sagte dazu: "Wir haben uns das nicht leicht gemacht."

Er machte deutlich, dass das Thema Kulturwandel weiter ganz oben auf der Agenda stehe. Boni-Exzesse, die jahrelang für falsche Anreize gerade bei den hochbezahlten Investmentbankern gesorgt hatten, soll es nicht mehr geben. Der Bonus-Pool für 2012 schrumpfte um zwölf Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank setze auf ein nachhaltiges Geschäftsmodell und wolle ihren Kunden dienen: "Es gibt keine Kompromisse. Wer sich nicht vorbehaltlos zu diesen Werten bekennen kann, der ist bei der Deutschen Bank am falschen Ort", machte Fitschen klar.

Die Rechtsstreitigkeiten dürften die Deutsche Bank aber noch lange beschäftigen, wie auch Fitschen zugab. Das Institut ist nicht nur in den Skandal um Zinsmanipulationen verstrickt, es wird in den USA auch in vielen Fällen wegen fauler Hypothekenpapiere verklagt. In Deutschland machte die Bank zuletzt Schlagzeilen mit der Großrazzia im Zuge der Ermittlungen wegen Steuerbetrugs beim CO2-Handel. Fitschen macht sich keine Illusionen: "Wir werden zweifelsohne auch im Jahr 2013 mit weiteren Entwicklungen in diesen und anderen Angelegenheiten konfrontiert werden", sagte er. In den knapp vier Milliarden Euro an Rückstellungen ist Finanzkreisen zufolge auch ein Vergleich mit den Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch einkalkuliert. Die Bank macht in jeder Hinsicht Klarschiff.

JOBABBAU IN VOLLEM GANGE

Vor Steuern schaffte die Deutsche Bank 2012 einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro, nach 5,4 Milliarden im Jahr zuvor. Das einst vom Ex-Vorstandschef Josef Ackermann ausgegebene Ziel von zehn Milliarden Euro ist damit außer Reichweite. Eine Prognose für 2013 gibt es nicht, obgleich das Institut das konjunkturelle Umfeld inzwischen wieder besser einschätzt und das Schlimmste der Euro-Schuldenkrise überstanden sieht. Der Abstand zu den großen US-Rivalen wie JP Morgan ist im Moment riesig und hierzulande wird die Deutsche Bank inzwischen sogar von der staatlichen Förderbank KfW abgehängt. Die Aktionäre sollen trotzdem mit einer stabilen Dividende von 75 Cent je Aktie bei der Stange gehalten werden.

Jain und Fitschen planen ohnehin bis 2015. Bis dahin wollen sie jährliche Einsparungen von 4,5 Milliarden Euro schaffen, etwa indem sie Konzernsparten neu ordnen und Synergien heben. Das bekräftigten sie nun noch einmal. Der Jobabbau ist in vollem Gange: Im Investmentbanking sind 1350 der geplanten 1500 Stellen weg, in der schwächelnden Vermögensverwaltung wurden 600 Jobs gestrichen. Hier geht der Abbau in großen Schritten weiter, etwa bei der Privatbank Sal. Oppenheim, die auf Rendite getrimmt wird und abspecken soll.

NUR DAS PRIVATKUNDENGESCHÄFT VERDIENT GELD

Die Investmentbank (CB&S), in guten Zeiten Gewinnbringer Nummer eins, lieferte im vierten Quartal nicht. Hier schlugen auch Abschreibungen auf Wertpapiere durch: Vor Steuern stand ein Verlust von 548 Millionen Euro. Die Vermögensverwaltung, die gerade zum neuen Bereich Asset and Wealth Management (AWM) umgebaut wird, rutschte ebenfalls ins Minus. Hier lag der Vorsteuerverlust bei 260 Millionen Euro. Nur das Privatkundengeschäft rund um die Postbank schaffte im Schlussquartal einen Gewinn, er war mit 287 Millionen Euro aber ebenfalls rückläufig. Grund dafür ist auch das Niedrigzinsumfeld, das derzeit allen Banken zu schaffen macht.

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