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Markte | Freitag, 2. November 2012, 19:05 Uhr

US-Jobreport und Bilanzen machen Aktien-Anlegern Mut

Frankfurt Die Hoffnung auf eine globale Konjunkturbelebung hat europäische Aktienanleger am Freitag motiviert.

Ein unerwartet starker Job-Aufbau in den USA sowie eine zunehmend positiv gewertete Berichtssaison verhalfen dem Dax zu einem Plus von 0,4 Prozent auf 7363 Punkte. Auf Wochensicht ergab sich damit ein Plus von 1,8 Prozent. "Zuletzt gab es einige zuversichtlich stimmende Konjunkturdaten aus den USA, und der Arbeitsmarktbericht hat die positive Tendenz jetzt bestätigt", sagte Aktienstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. "Die Talsohle, die die US-Wirtschaft bis August durchgemacht hat, scheint überwunden. Das nährt die Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung." In der weltgrößten Volkswirtschaft sind im Oktober 171.000 neue Stellen geschaffen worden und damit gut ein Drittel mehr als von Analysten erwartet.

Der EuroStoxx50 ging 0,5 Prozent höher aus dem Handel, der Index hat damit in den vergangenen fünf Handelstagen zwei Prozent zugelegt. An der Wall Street lag der Dow-Jones-Index der Standardwerte zu Handelsschluss in Europa 0,2 Prozent niedriger, die Technologiebörse Nasdaq notierte 0,3 Prozent im Minus. Börsianer begründeten die leichten Abschläge mit einer recht hohen Unsicherheit vor den Präsidentschaftswahlen am Dienstag.

"Man scheint nicht wirklich zu wissen, was gut ist für die USA", sagte Marktstratege Carsten Klude von MM Warburg. "Für Investoren ist offenbar schwer einzuschätzen, welche Konstellation was bedeutet." Der demokratische Amtsinhaber Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Einige Analysten sagten, der positive Arbeitsmarktbericht helfe Obama.

GLÄNZENDER US-ABSATZ VERLEIHT AUTOWERTEN SCHWUNG

Die Zuversicht der europäischen Anleger werde verstärkt durch den bisherigen Verlauf der Bilanzsaison, sagten Börsianer. "Der Beginn war vergleichsweise schwach, aber mit jedem Tag nimmt der Anteil von Unternehmen, die angenehm überraschen, zu", sagte Aktienstratege Klude. Positiv zu werten seien bislang vor allem die Berichte aus dem Finanzsektor, vergleichsweise schwach schnitten die Technologie-Unternehmen ab.

Mit Abstand größter Dax-Gewinner waren die Anteilsscheine von Beiersdorf mit einem Aufschlag von 7,2 Prozent. Der Nivea-Hersteller kommt bei der Neuausrichtung seiner Kosmetiksparte voran und konnte den um Kosten für den Umbau bereinigten Betriebsgewinn (Ebit) stärker steigern als erwartet. Die Umsatzprognose für 2012 hob der Konzern leicht an. Im Windschatten von Beiersdorf legten Henkel-Aktien um 3,5 Prozent zu.

Zur Dax-Spitzengruppe zählten auch die Autowerte BMW, Daimler und Continental, die zwischen 2,7 und 1,4 Prozent an Wert gewannen. Anleger reagierten mit ihren Käufen auf teils glänzende Absatzzahlen in den USA. VW notierten als Außenseiter 0,2 Prozent niedriger, allerdings hatten die Aktien am Vortag schon knapp drei Prozent zugelegt. Die Wolfsburger hatten noch während des Börsenhandels am Donnerstag ein 22-prozentiges Absatzplus in den USA bekanntgegeben.

ANLEGER SORGEN SICH UM DIVIDENDENPOLITIK DER TELEKOM

Europaweit unter Druck standen Telekom-Werte. Der Sektor-Index verlor 0,6 Prozent. Hierzulande führten die Aktien der Deutschen Telekom die Dax-Verliererliste mit einem Abschlag von 2,6 Prozent an. Die Bonner prüfen laut einem "Handelsblatt"-Bericht, die Dividende um bis zu ein Drittel zu kürzen. Ein Telekom-Sprecher sagte zu Reuters, die für 2012 geplante Dividende von 0,70 Euro je Aktie bleibe bestehen, für 2013 gebe es noch keine Aussagen. Zuletzt fiel die Dividendenzahlung des Unternehmens höher aus als der Überschuss. "Überraschend käme eine Kürzung nicht, nachdem schon andere europäische Konzerne aus der Branche diesen Schritt getan haben", meinte ein Händler.

In Paris rutschten die Aktien der franko-amerikanischen Alcatel-Lucent um 5,5 Prozent ab. Der Telekom-Ausrüster hat seinen zweiten Quartalsverlust in Folge ausgewiesen und erwägt nun den Verkauf von Vermögenswerten.

SYSTEMRELEVANTE BANKEN IM BLICK

Gesprächsthema am Markt war auch ein Bericht des Finanzstabilitätsrats (FSB) an die G20-Staaten, der vier Geldinstitute als besonders gefährlich eingestuft hat. Auf dieser Liste steht auch die Deutsche Bank. Außerdem zählen dem FSB zufolge die amerikanische Citigroup und JP Morgan Chase zu den Häusern, die nun bis 2019 einen besonders großen Kapitalpuffer von 9,5 Prozent aufbauen müssen. Die Commerzbank gilt dagegen nicht mehr als "global systemrelevant". Entsprechend waren die Reaktionen am Markt: Die Aktien der Deutschen Bank gaben ein Prozent nach, die der teilverstaatlichten Commerzbank gewannen 0,7 Prozent. In London legten die Anteilsscheine der britischen HSBC - das vierte als "gefährlich" eingestufte Institut - um 0,2 Prozent zu.

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