Dax schließt auf höchstem Stand seit Januar 2008 | Reuters
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Markte | Donnerstag, 6. Dezember 2012, 17:59 Uhr

Dax schließt auf höchstem Stand seit Januar 2008

Frankfurt In der Hoffnung auf ein Ende des US-Haushaltsstreits haben Anleger am Donnerstag bei europäischen Aktien mit beiden Händen zugegriffen.

Der Dax schloss 1,1 Prozent fester bei 7534,54 Punkten und damit auf dem höchsten Stand seit Januar 2008. Die Umsätze lagen mit rund 3,6 Milliarden Euro deutlich über dem Schnitt der vergangenen 90 Handelstage. Der EuroStoxx50 beendete den Tag mit einem Aufschlag von 0,5 Prozent bei 2603 Zählern. Die US-Börsen verzeichneten ebenfalls Gewinne.

US-Präsident Barack Obama hatte eine Einigung im US-Haushaltsstreit binnen einer Woche als möglich bezeichnet. Ohne Kompromiss drohen zum Jahreswechsel automatische Ausgabenkürzungen in den USA. Gemeinsam mit auslaufenden Steuererleichterungen könnten sie die weltgrößte Volkswirtschaft über die sogenannte "Fiskalklippe" in eine Rezession stürzen.

"Es ist ein Riesenoptimismus im Markt", sagte Sebastian Sachs, Analyst bei der Metzler Bank. "Offenbar wollen einige Anleger doch noch zum Jahresende einsteigen. Die 7600er Marke ist sehr wichtig. Sollte der Dax diese Hürde nehmen, könnte das noch mehr Anleger anziehen."

Auch am Derivatemarkt war die wachsende Zuversicht spürbar. Der Volatilitätsindex VDax, der Nervosität der Anleger misst, fiel um bis zu 4,8 Prozent auf 14,73 Punkte. Dies ist der tiefste Stand seit Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007. Der pan-europäische VStoxx gab 4,7 Prozent auf 16,58 Zähler nach.

Als ebenfalls positiv werteten Börsianer die US-Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe, die besser ausfielen als prognostiziert. Auch eine unerwartet starke Nachfrage nach französischen Staatsanleihen sorgte für gute Stimmung.

Ohne nachhaltigen Einfluss auf die Kurse blieb dagegen die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Leitzins wie erwartet bei 0,75 Prozent zu belassen. Dass EZB-Präsident Mario Draghi auf der traditionellen Pressekonferenz ein eher düsteres Bild von der Konjunkturentwicklung zeichnete und weitere Zinssenkungen nicht ausschloss, beeindruckte die Aktienmärkte ebenfalls nicht.

ITALIENISCHER WAHLKAMPF WIRFT SCHATTEN VORAUS

Gegen den europäischen Trend gab der italienische Leitindex 0,8 Prozent nach. Börsianer verwiesen auf Spekulationen auf einen Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti. Dieser gewann zwar eine Vertrauensabstimmung im Senat, allerdings hatten zuvor die Vertreter der Partei PDL - bislang eine der Stützen von Montis Technokraten-Regierung - des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi den Saal verlassen. Berlusconi hatte zuletzt durchblicken lassen, er wolle bei den Wahlen im kommenden März wieder antreten. Er hatte Ende 2011 sein Amt wegen der Schuldenkrise an Monti abtreten müssen.

STAATLICHE KONTROLLE BEI EADS GEHT ZURÜCK - AKTIE HEBT AB

Im Rampenlicht standen am Donnerstag EADS mit einem Aufschlag von acht Prozent auf 29,42 Euro. Die Papiere des Luft- und Raumfahrtkonzerns profitierten von der Einigung auf eine neue Aktionärsstruktur. "Der spezifische Bewertungsabschlag, den die EADS-Aktie wegen der Kontrolle der Regierungen hatte, dürfte nun wegfallen", schrieben die Analysten von Bank of America/Merrill Lynch (BofAML).

Daimler gewannen 1,2 Prozent auf 38,65 Euro. Der Konzern verkaufte am Donnerstagmorgen wie geplant rund 61 Millionen EADS-Aktien zum Preis von je 27,23 Euro an die staatliche Förderbank KfW, das private Investoren-Konsortium Dedalus und institutionelle Anleger. Außerdem plant EADS einen umfassenden Aktienrückkauf.

ThyssenKrupp gehörten mit einem Plus von 2,3 Prozent zu den Favoriten im Dax. Der krisengeschüttelte Konzern hatte mit der Entlassung des halben Vorstands Konsequenzen aus Missmanagement und Unregelmäßigkeiten im Unternehmen gezogen. Nach Ansicht der DZ-Bank-Analysten dürfte der Personalschnitt einen Wechsel in der Unternehmenskultur signalisieren. Gleichzeitig zeige die Maßnahme, wie dramatisch die Lage für ThyssenKrupp sei.

Unter Druck standen dagegen RWE und E.ON, deren Aktien sich um 1,4 und 0,6 Prozent verbilligten. Sie litten unter dem elfprozentigen Rekord-Kurssturz von GdF Suez. Der französische Versorger hatte mit seinem Ausblick die Anleger enttäuscht. Die Aktie fiel zeitweise auf ein Rekordtief von 14,55 Euro.

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