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Markte | Freitag, 21. Dezember 2012, 14:59 Uhr

Furcht vor US-Rezession drückt Europas Börsen ins Minus

Frankfurt Der Rückschlag bei den US-Haushaltsverhandlungen hat am Freitag für Nervosität an den europäischen Börsen gesorgt.

Anleger gingen auf Nummer sicher und nahmen bei Aktien und dem Euro Gewinne mit. Einige steckten ihr Geld in Gold oder die ebenfalls als sicher geltenden Bundesanleihen.

Grund für die Verunsicherung der Investoren ist der Widerstand republikanischer Kongress-Abgeordneter gegen das Kompromiss-Angebot ihres eigenen Verhandlungsführers John Boehner. Dieser hatte Steuererhöhungen für Einkommensmillionäre vorgeschlagen. US-Präsident Barack Obama will die Schwelle bei 400.000 Dollar ansetzen.

Die Gefahr eines Scheiterns der Verhandlungen habe zugenommen, warnte Steen Jakobsen, Chef-Volkswirt der Saxo Bank. Aber selbst von einer kurzfristigen Einigung dürfe man sich nicht zu viel erhoffen. "Ein derartiger Deal wird kaum strukturelle Reformen bringen."

Wenn sich die beiden großen US-Parteien nicht auf einen neuen Haushalt einigen können, drohen zum Jahreswechsel automatische Ausgabenkürzungen. Gleichzeitig laufen Steuererleichterungen aus. Experten befürchten, dass die weltgrößte Volkswirtschaft über diese sogenannte "Fiskalklippe" in eine Rezession stürzt.

DAX UND EURO IM MINUS - VOLATILITÄTSINDIZES MIT KURSSPRUNG

Dax und EuroStoxx50 gaben jeweils etwa ein halbes Prozent auf 7622 beziehungsweise 2644 Punkte nach. Der Euro verbilligte sich auf 1,3204 Dollar, nach 1,3242 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss. Am Rohstoff-Markt gab der Preis für ein Barrel (159 Liter) der richtungsweisenden Rohöl-Sorte Brent 0,4 Prozent auf 109,66 Dollar nach.

Im Gegenzug legte der Bund-Future 28 Ticks auf 144,60 Zähler zu. Gold stieg um bis zu 0,3 Prozent auf 1651,50 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Am Terminmarkt war die Verunsicherung ebenfalls zu spüren. Die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, schossen in der Spitze um 8,6 beziehungsweise 14 Prozent in die Höhe. Gleichzeitig deuteten die Futures auf die US-Indizes auf eine schwächere Eröffnung der Wall Street hin.

Gleichzeitig sorgte der große Verfall an den Terminmärkten - der "Hexensabbat" - für regen Handel. So wechselten bis zum frühen Nachmittag Dax-Aktien im Volumen von 2,9 Milliarden Euro den Besitzer. Dies ist mehr als drei Mal so viel wie zur gleichen Zeit des Vortages. Am Mittag liefen Optionen und Futures auf Indizes aus, zum Xetra-Schluss sind Optionen auf einzelne Aktien an der Reihe. Ohne nachhaltigen Einfluss auf die Kursentwicklung blieben die US-Daten zu den Konsumausgaben und den Auftragseingängen langlebiger Güter.

FINANZWERTE UNTER DRUCK - INFINEON GEFRAGT

Auf den Verkaufslisten der Anleger standen vor allem Finanzwerte, die oft überdurchschnittlich auf Kursbewegungen des Gesamtmarktes reagieren. Der europäische Bankenindex verlor 1,3 Prozent. Hier bildete die Commerzbank mit einem Kursminus von 3,8 Prozent das Schlusslicht. Firmenchef Blessing hatte in einem Interview gesagt, sein Institut wolle die restlichen Staatshilfen des Bundes vorerst noch nicht zurückzahlen. In Großbritannien gaben Barclays und Royal Bank of Scotland (RBS) jeweils rund zwei Prozent nach. Eine Parlamentskommission hatte sich für eine strengere Regulierung des Sektors ausgesprochen.

Gegen den Trend stiegen Infineon um bis zu 1,8 Prozent auf ein Sechs-Monats-Hoch von 6,30 Euro. "Bei den Prognose-Kürzungen liegt das Schlimmste hinter uns", schrieben die Analysten von JP Morgan in einem Kommentar. Angesichts einer gestärkten Markt-Position des Chip-Herstellers sei der Zeitpunkt für einen Einstieg gekommen. Sie stuften die Aktie auf "Overweight" von "neutral" hoch und verdoppelten das Kursziel auf neun Euro.

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