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Markte | Samstag, 3. November 2012, 12:18 Uhr

DAX-VORSCHAU-Anleger blicken mit Spannung auf US-Wahl

Frankfurt Präsidentschaftswahlen in den USA, die Ratssitzung der EZB und eine Flut von Unternehmenszahlen - der Kalender für die neue Woche ist prall gefüllt.

Dennoch gehen Börsianer davon aus, dass der Dax keine großen Sprünge machen dürfte. "Was die Anleger brauchen, sind nachhaltige Signale, dass die US-Konjunktur sich stabilisiert", sagt Tobias Basse, Aktienstratege bei der NordLB. "Und sie wollen das Ende der Euro-Krise sehen." Solange es in diesen beiden Punkten keine Klarheit gebe, dürfte auch der Dax nicht vorankommen. Im Oktober hat der deutsche Leitindex gerade einmal 0,6 Prozent zugelegt. Der Dax gewann auf Wochensicht bis Freitagmittag gut ein Prozent.

In den USA bleibt es wenige Tage vor der Wahl spannend, denn viele Amerikaner sind unentschieden, wem sie am Dienstag ihre Stimme geben wollen. Umfragen zufolge liegen der demokratische Amtsinhaber Barack Obama und Republikaner Mitt Romney nahezu gleichauf.

OBAMA-BONUS ODER ROMNEY-RALLY?

Den Börsen dieser Welt dürfte es weitgehend egal sein, wer von beiden das Rennen macht, meint Torsten Gellert vom Handelshaus FXCM. Viel entscheidender sei die zukünftige Gestaltung der Mehrheitsverhältnisse in Repräsentantenhaus und Senat. "Die Frage, ob die Blockadepolitik der beiden Lager weiter geht oder man vor allem beim Schuldenabbau nach Kompromissen suchen wird, entscheidet nicht nur über den weiteren Weg der Welt- und Wirtschaftsmacht USA , sondern hat auch weitreichende Konsequenzen für die Weltwirtschaft."

Neben dem Präsidenten wählen die Amerikaner am 6. November ein Drittel der 100 Senatoren und das gesamte Repräsentantenhaus neu. Letzteres wird derzeit von den Republikanern beherrscht. In der zweiten Kammer, dem Senat, haben die Demokraten bislang das Sagen.

"Gewinnt der Präsident nur über einen Teil des Kongresses die Kontrolle, könnte ein politisches Patt die dringend notwendige haushaltspolitische Einigung gefährden", warnt Adrian Brass, Fondsmanager des Fidelity America Fund. Dies dürfte an den Märkten wohl als schlechtestes Ergebnis gewertet werden.

In Europa steht in der neuen Woche vor allem die Sitzung der Europäischen Zentralbank im Fokus. Commerzbank-Analyst Michael Schubert rechnet am Donnerstag allerdings nicht mit großen Neuigkeiten: Die Notenbanker dürften erneut ihren Standpunkt zum geplanten Anleihenankaufprogramm erläutern, das kriselnden Euro-Staaten wieder auf die Beine helfen soll. Eine weitere Zinssenkung erwartet der Experte in naher Zukunft ebenfalls nicht. "Wir erwarten im Dezember einen Antrag Spaniens beim ESM," schreibt er in einem Kommentar. Im Mittelpunkt der EZB-Politik dürften in den kommenden Monaten die Anleihenkäufe und weniger die Zinspolitik stehen.

Ein Hilfsantrag Spaniens gilt als Voraussetzung für die Aktivierung des EZB-Kaufprogramms. Das südeuropäische Land hatte zuletzt jedoch erklärt, dass es wegen einer besseren Haushaltssanierung keine Eile habe, unter den Euro-Rettungsschirm ESM zu schlüpfen.

DEUTSCHE KONJUNKTURDATEN KÖNNTEN ENTTÄUSCHEN

Für Bewegung unter den Einzelwerten dürften die Berichte zahlreicher Unternehmen sorgen. Unter anderen lassen sich das Dax-Schwergewicht Siemens (Donnerstag) sowie BMW (Dienstag), Münchener Rück (Mittwoch) und Adidas (Donnerstag) in ihre Bücher schauen. Daneben folgen zahlreiche Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe.

Für Enttäuschung könnten die in der neuen Woche (Mittwoch) anstehenden Zahlen aus der deutschen Industrie sorgen. Analysten gehen davon aus, dass die Produktion im produzierenden Gewerbe im September gefallen ist. Die Daten wäre ein klares Signal, dass für das vierte Quartal ein Schrumpfen der Wirtschaft zu befürchten sei, hieß es.

An dieser Aussicht würde auch der von uns erwartete Anstieg der Auftragseingänge (Dienstag) nichts ändern, erklärt Commerzbank-Experte Ralph Solveen. "Das dürfte wohl alleine einigen Großaufträgen außerhalb des Euroraums geschuldet sein."

- von Daniela Pegna

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