Unternehmen | Donnerstag, 21. Februar 2013, 18:08 Uhr

Allianz wieder auf Rekordkurs - Knausert bei Dividende

München Die Allianz hat Hurrikan "Sandy" und die Zinsflaute gut weggesteckt und 2012 das zweitbeste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren.

Das operative Ergebnis stieg um ein Fünftel auf 9,5 Milliarden Euro, wie Europas größter Versicherer am Donnerstag mitteilte. Mehr verdiente die Allianz nur 2007, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, rechnet man im Rückblick den Ausflug ins Bankgeschäft heraus. Ins neue Jahr geht Vorstandschef Michael Diekmann mit Optimismus: Die Schuldenkrise habe sich entspannt, Europa dürfe mit seinen Reformen aber nicht nachlassen, mahnte er auf der Bilanzpressekonferenz. Größter Wachstumstreiber ist im Moment die Vermögensverwaltung rund um den Anleihespezialisten Pimco. Der Konzern könne in diesem Umfeld ein Ergebnis von 9,2 Milliarden Euro schaffen - "plus/minus 500 Millionen Euro".

Der Nettogewinn verdoppelte sich im abgelaufenen Jahr auf 5,2 Milliarden Euro. Allerdings hatten 2011 auch milliardenschwere Abschreibungen auf griechische Anleihen die Bilanz belastet. 40 Prozent des Überschusses sollen nun als Dividende an die Aktionäre fließen - wie im Vorjahr 4,50 Euro je Aktie. Angesichts des starken Gewinnwachstums sei die Ausschüttung eher enttäuschend, stellte DZ-Bank-Analyst Thorsten Wenzel fest. Die Allianz-Aktie verlor mehr als ein Prozent, allerdings notierte der gesamte Dax weitaus tiefer im Minus.

Der französische Erzrivale Axa zeigt sich seinen Aktionären gegenüber spendabler. Dessen Nettogewinn schrumpfte 2012 leicht auf 4,2 Milliarden Euro, weil die positiven Sondererlöse des Vorjahres fehlten. Der Konzern will nun noch mehr sparen. Die Aktionäre bekommen davon aber nichts mit: Die Dividende soll um drei Cent auf 0,72 Euro je Aktie angehoben werden.

Allianz-Chef Diekmann verteidigte die Ausschüttung: Der Konzern wolle sein Geld nicht nur für die Dividende ausgeben, sondern könne sich auch Zukäufe vorstellen. Zu konkreten Übernahmezielen äußerte er sich nicht. Finanzkreisen zufolge ist die Allianz im Rennen um den türkischen Versicherer Yapi Kredi Sigorta. Im vergangenen Jahr streckten die Münchner zudem ihre Fühler nach der Provinzial Nordwest aus, Deutschlands zweitgrößtem Sparkassen-Versicherer - bislang allerdings vergeblich.

WENIG NATURKATASTROPHEN

Mit dem Zahlenwerk zeigte sich Diekmann zufrieden. Bereits Mitte Januar hatte die Allianz in Sachen "Sandy" Entwarnung gegeben. Der Hurrikan war im Oktober über Nordamerika hinweggefegt und hatte vor allem in der Region New York milliardenschwere Schäden angerichtet. Auf die Allianz entfallen 455 Millionen Euro - was locker ins Budget passte. Insgesamt gab es 2012 vergleichsweise wenig Naturkatastrophen. Das operative Ergebnis der Schaden- und Unfallversicherung stieg daher um 13 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro. Die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich insgesamt auf 96,3 (2011: 97,8) Prozent, auch wenn sich der US-Markt schwächer entwickelte. Bei Werten von unter 100 Prozent sind Zahlungen für Schäden und die Verwaltung noch durch die Prämieneinnahmen gedeckt.

Auch die Lebensversicherung legte zu und profitierte von einem höheren Anlageergebnis. Ihr läuft inzwischen aber die Vermögensverwaltung den Rang ab, die sich zum zweitwichtigsten Standbein der Allianz gemausert hat. 2012 trug sie mit drei Milliarden Euro fast ein Drittel zum operativen Konzernergebnis bei, in diesem Jahr soll es ähnlich viel werden. Vor allem das Investmenthaus Pimco mit prominenten Fondsmanagern wie Bill Gross sammelt rund um den Globus ordentlich neue Gelder ein. Das verwaltete Vermögen der gesamten Asset-Management-Sparte liegt inzwischen bei fast 1,9 Billionen Euro, zum Vorjahr ein Plus von zwölf Prozent. Große Konkurrenten wie die Deutsche Bank tun sich in der Vermögensverwaltung derzeit deutlich schwerer.

"KÜNSTLICHE NIEDRIGZINSEN"

Allerdings kämpft auch die Allianz mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die es immer schwerer macht, Gelder lukrativ am Kapitalmarkt anzulegen. Diekmann sprach von einer "künstlichen Niedrigzinsphase", die das "überragende" Thema für die Allianz auch 2013 sein werde. Weil sichere Bundesanleihen nichts mehr abwerfen und Aktien riskant bleiben, geht die Allianz auch als Finanzierer mehr und mehr in renditestärkere Immobilien- und Infrastrukturinvestments, die verlässliche Einnahmen garantieren. Ein Selbstläufer ist das aber nicht, wie der für die Kapitalanlagen zuständige Vorstand Maximilian Zimmerer einräumte: Der Wettbewerb in diesen alternativen Anlageklassen sei hoch, die neuen Kapitalvorschriften für die Branche (Solvency II) setzten Grenzen. "Und gerade im Bereich Infrastruktur muss die Politik noch stabile Rahmenbedingungen schaffen."

An die Politiker richtete Vorstandschef Diekmann die Warnung, Europa sei noch längst nicht über den Berg. Die EZB habe erst einmal Zeit gekauft. Jetzt gehe es darum, in den Schuldenländern nicht nur zu sparen, sondern auch für Wachstum zu sorgen. Daher werde 2013 ein weiteres Übergangsjahr für den Kontinent sein. Hinter die Reformbemühungen in Spanien setzt die Allianz offenbar ein großes Fragezeichen: Der Versicherer baute seinen Bestand an spanischen Staatsanleihen im vergangenen Jahr um rund die Hälfte auf 2,6 (Ende 2011: 5,1) Milliarden Euro ab, stockte dafür aber in Italien auf.

- von Kathrin Jones und Jonathan Gould

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