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Deutschland
Inland | Freitag, 2. November 2012, 17:45 Uhr

Kreise: Viertes Jahr in Folge Lehrstellenüberhang

Berlin Der Ausbildungsmarkt in Deutschland hat sich nach Einschätzung von Bundesregierung, Wirtschaft und Bundesagentur für Arbeit (BA) in diesem Jahr erneut positiv entwickelt.

Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres verzeichnete die BA nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters das vierte Jahr in Folge einen rechnerischen Lehrstellenüberhang. Ende September waren bei den Arbeitsagenturen 17.600 mehr offene Stellen als unversorgte Bewerber gemeldet, wie Reuters am Freitag aus Kreisen des Ausbildungspaktes von Bundesregierung und Verbänden erfuhr. Gleichzeitig sei die Zahl der gemeldeten Ausbildungsbewerber um 16.800 oder 3,1 Prozent auf 559.900 gestiegen. Ihre Bilanz stellen die Paktpartner am Montag in Berlin vor.

Die Zahl der in Industrie, Handel, Handwerk und in den freien Berufen abgeschlossenen neuen Ausbildungsverträge ging nach den Reuters vorliegenden Zahlen jedoch zurück. Bei den Industrie und Handelskammern (IHK) wurden demnach rund 322.800 neue Lehrverträge abgeschlossen und damit 5700 oder 1,7 Prozent weniger als im vorigen Jahr. Das Handwerk verzeichnete mit rund 137.650 Neuverträgen ein Minus von 2,9 Prozent oder 4145 Verträgen. In den freien Berufen fanden 42.700 Berufsanfänger eine Lehrstelle - ein Prozent oder 428 weniger als im Vorjahr.

Die Wirtschaft sieht zusehends Schwierigkeiten, ihren Fachkräftebedarf durch eigene Ausbildung zu sichern. Trotz der gestiegenen Bewerberzahl wird beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag davon ausgegangen, dass in diesem Jahr allein im IHK-Bereich etwa 60.000 Lehrstellen unbesetzt bleiben, weil geeignete Bewerber fehlen. In den kommenden Jahren dürfte die Bewerberzahl zudem eher sinken. Demografisch bedingt sinkt die Zahl der Schulabgänger. Dieser Effekt wurde in diesem Jahr aber von der Aussetzung der Wehrpflicht und durch doppelte Abiturjahrgänge mehr aus ausgeglichen.

- von Holger Hansen

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