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Exklusiv - Marode Stellwerke vertiefen Berlins S-Bahn-Krise
10. April 2012 / 14:14 / vor 5 Jahren

Exklusiv - Marode Stellwerke vertiefen Berlins S-Bahn-Krise

Gelesen in 3 Minuten

S-Bahn trains are seen outside of Alexander Platz station in Berlin December 15, 2011.Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: TRANSPORT DISASTER)

Berlin (Reuters) - Die Probleme der Berliner S-Bahn sind offenbar noch weit größer als bislang bekannt.

Neben den Dauer-Defekten bei der Wagenflotte ist nach internen Bahn-Papieren auch die Signal- und Leittechnik marode. Das Unternehmen will demnach mit einem milliardenschweren Sonderprogramm reagieren.

Die Ausfälle selbst in diesem milden Winter gingen auf fehlende Modernisierungen der Stellwerke zurück, heißt es in Unterlagen des Mutterkonzerns Deutsche Bahn, die der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag zugänglich gemacht wurden. "Störungen sind auf das Alter der Anlagen zurückzuführen", heißt es dort. Dreiviertel der Stellwerke arbeiteten mit einer deutlich mehr als 20 Jahre alten Technik. Nötig sei daher das "Aufsetzen eines Sonderprogramms Leit- und Sicherungstechnik". Dafür müssten in den nächsten zehn Jahren 1,5 Milliarden Euro aufgewendet werden.

Ein Bahn-Sprecher sagte, man äußere sich zu internen Unterlagen nicht. Von 2012 bis 2016 werde das Unternehmen aber 720 Millionen Euro in die "Infrastruktur" investieren. Es sei unbestritten, dass auch danach noch weiterer Investitionsbedarf bestehe.

Im vergangenen, vergleichsweise frostarmen Winter hatte es dennoch eine Reihe von Ausfällen bei der S-Bahn gegeben, die auf Signal- und Stellwerksprobleme zurückzuführen waren. Die Steuerungssysteme gelten als das Herz des Bahnbetriebs. Mitte Dezember legte eine Panne im Stellwerk Halensee praktisch den gesamten S-Bahn-Verkehr lahm. Auch Signalstörungen setzten bis in den April hinein wiederholt Strecken außer Betrieb.

S-BAHN VERFEHLTE 2011 UMSATZZIEL - VERLUSTE HÖHER ALS GEPLANT

Die S-Bahn Berlin kämpft seit 2009 mit massiven Problemen vor allem bei ihrem Wagenpark. Unter anderem wurden deshalb die Investitionen in Werkstätten und Instandhaltung wieder hochgefahren. Dennoch ist der reguläre Betrieb immer noch nicht komplett möglich. Verschärfend kommt hinzu, dass der S-Bahn Lokführer fehlen. Den Unterlagen zufolge soll der Normalfahrplan nun im Laufe des Jahres 2012 wieder eingehalten werden.

Auf den Personalmangel hat das Unternehmen bereits reagiert: Ende 2011 beschäftigte die S-Bahn mit über 3000 Mitarbeitern laut Unterlagen rund 150 mehr als zunächst geplant. Die Pannenserie hinterließ aber auch 2011 Spuren in der Bilanz: Der Umsatz lag zwar mit rund 540 Millionen Euro etwa sechs Prozent über dem des Vorjahres, aber klar unter Plan. Auch der Betriebsverlust fiel mit 36 Millionen Euro höher als die geplanten 24 Millionen Euro aus.

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