18. Oktober 2016 / 08:37 / vor einem Jahr

BASF sucht weiter ein Unglücksopfer in Ludwigshafen

Firefighters try to extinguish fire at the factory of chemicals giant BASF in Ludwigshafen, Germany where several people had been injured following an explosion, October 17, 2016. REUTERS/Ralph Orlowski

Ludwigshafen/München (Reuters) - Einen Tag nach der Explosion beim Ludwigshafener Chemieriesen BASF wird weiterhin eine Person vermisst.

Vermutlich befinde sie sich im Hafenbecken, sagte Feuerwehrchef Peter Friedrich am Dienstag. Die Taucher könnten dort allerdings aus Sicherheitsgründen noch nicht suchen. Nach wir vor trete aus den geborstenen Rohrleitungen, die inzwischen mit Löschschaum bedeckt seien, Flüssigkeiten aus. Sobald es sicher sei, würden die Taucher in den Einsatz geschickt. Eine zweite Person, die noch am Morgen als vermisst gegolten hatte, wurde mittlerweile im Krankenhaus identifiziert.

Die Zahl der Schwerverletzten bezifferte BASF-Personalchefin Margret Suckale auf acht. Sechs von ihnen lägen auf der Intensivstation. “Es steht zum Teil nicht sehr gut um die Menschen”, sagte der Ludwigshafener Stadtvertreter Dieter Feid. Insgesamt 17 weitere Menschen seien leicht verletzt worden. Zwei Mitarbeiter der Betriebsfeuerwehr kamen bei dem Unglück ums Leben.

Vorstandschef Kurt Bock wandte sich in einem Schreiben an seine Mitarbeiter. “Wir arbeiten hart, unsere Anlagen und Prozesse so sicher wie möglich zu machen. Gestern mussten wir erleben, dass es hundertprozentige Sicherheit nicht gibt”, erklärte er. Der Manager, der bisher einen öffentlichen Auftritt nach dem Unfall vermieden hat, sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus und lobte die Einsatzkräfte. “Allen, die in dieser Situation helfen und uns unterstützen, danke ich im Namen des Vorstands sehr.”

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer bekannte sich zu dem Großkonzern. “Wir stehen fest an der Seite des Unternehmens in unserem Land”, sagte die SPD-Politikerin. Es sei alles getan worden, um eine Katastrophe zu verhindern. Sie formulierte allerdings auch den “Anspruch, dass mit Informationen zu dem Unglück und zu den Ursachen offensiv umgegangen wird”. Die Polizei erklärte, die Unfallstelle sei im rechtlichen Sinne beschlagnahmt.

Bei Arbeiten an einer leeren Pipeline sei es in der Umgebung zunächst zu einem Feuer gekommen, sagte Werksleiter Uwe Liebelt. Als die Betriebsfeuerwehr eingetroffen war, seien mehrere Explosionen gefolgt. Mehrere Autos und Löschfahrzeuge seien in der Folge ausgebrannt.

Mittlerweile identifizierte das Unternehmen die Stoffe, die auf dem Weg vom Hafen zum Tanklager Feuer gefangen hatten. “Es brannten unter anderem Rohrleitungen mit den Produkten Ethylen und Propylen.” Beide Stoffe sind Grundlagen der Chemieindustrie, die daraus etwa Dämmstoffe, Lösemittel oder Kleber fertigt. Ludwigshafen ist der größte BASF-Standort und die Grundlage des Verbundsystems des Unternehmens.

PRODUKTION STEHT TEILWEISE STILL

Unter dem Unglück leidet daher auch die Produktion des Chemieriesen wesentlich. Da die Rohstoffversorgung unterbrochen ist, wurden 20 Anlagen im Hauptwerk der BASF abgeschaltet beziehungsweise laufen nur noch auf Teillast. Darunter sind auch die Herzstücke des Standorts, die Steamcracker, in denen petrochemische Stoffe in ihre Bestandteile zerlegt werden. Wie lange die für BASF wichtige Produktion unterbrochen bleibt, sei momentan noch nicht absehbar, sagte Suckale. Gleiches gelte für die materielle Schadenshöhe. Frühestens am Mittwochabend könne mit dem Auspumpen des Rohrgrabens begonnen werden, sagte Werksleiter Uwe Liebelt. Suckale rechnet mit größeren Ausfällen. “Das ist eine große Herausforderung für unsere Produktion und Logistik”, sagte sie. “Wir müssen jetzt auch mit unseren Kunden tragfähige Lösungen finden.” Liebelt beteuerte, es gebe keinen Zusammenhang mit den vorangegangenen BASF-Betriebsunfällen im laufenden Jahr. “Ich sehe auch keine Muster, die man erkennen könnte. Allein durch den Schadensort gibt es keine Verknüpfung.”

Eine Verseuchung der Umwelt blieb nach Firmenangaben bisher aus. Messungen in der Luft und am Boden hätten keine erhöhten Werte giftiger Stoffe gezeigt. Auch der Rhein sei nicht gefährdet, da der Hafen mit einer Wassersperre abgeriegelt sei und die Löschbrühe über die eigene Kläranlage abgeleitet werde.

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