Unternehmen | Donnerstag, 24. Januar 2013, 13:12 Uhr

BMW und Toyota kooperieren bei Zukunftstechnologien

Frankfurt/Tokio BMW und Toyota machen bei der Entwicklung alternativer Autoantriebe und Leichtbau-Technologie gemeinsame Sache.

Die Autokonzerne unterzeichneten am Donnerstag einen Vertrag, der ihre bisher nur in einer Absichtserklärung vereinbarte Kooperation festzurrt. Der weltweite Marktführer in der Oberklasse aus München und der für seine Hybrid-Antriebstechnik bekannte Massenhersteller aus Japan wollen künftig bei Brennstoffzellen, Elektroantrieben und Leichtbau-Technologien kooperieren, die für das verbrauchs- und schadstoffarme Fahren wichtig sind. Eine gemeinsame Plattform für einen Sportwagen wird auch erwogen. Eine Kapitalverflechtung sei aber nicht geplant, betonten BMW und Toyota.

"Die gesamte Automobilindustrie steht angesichts des technologischen Umbruchs vor großen Herausforderungen, die wir zugleich auch als Chance sehen", erklärte BMW-Chef Norbert Reithofer. "Diese Kooperation ist ein wichtiger Baustein, um beide Unternehmen auch in Zukunft auf Erfolgskurs zu halten." Weil die Entwicklung neuer Fahrzeuge und umweltverträglicher Technologien Milliarden verschlingt, sind Bündnisse in der Autoindustrie an der Tagesordnung. Große Autokonzerne wie etwa VW verschaffen sich die Kostenvorteile hausintern, kleinere wie der Oberklasse-Hersteller Daimler verbündeten sich mit Renault und Nissan.

Beim bisher engsten BMW-Partner PSA Peugeot Citroen stieg jedoch der US-Konzern GM ein und ließ die Münchener damit bei der Hybrid-Technik allein. Toyota ist mit seinem Prius führend bei Hybridautos, auf diesem Feld könnten die Münchner von den Japanern dazulernen. Ab 2014 liefert BMW in Europa Dieselmotoren an Toyota, die sich nach der Erdbebenkatastrophe in Japan 2012 zurück an die Weltspitze gekämpft haben.

TOYOTA IST EXPERTE BEI HYBRID, BMW BEI LEICHTBAU

Als eine Zukunftstechnik bei der Entwicklung emissionsarmer Autos gilt die Brennstoffzelle, an deren Serienreife viele Autobauer seit Jahren tüfteln. Brennstoffzellen-Antriebe tanken Wasserstoff und wandeln diesen im Auto in Strom um, der in leistungsfähigen Batterien gespeichert werden muss. BMW und Toyota wollen gemeinsam ein ganzes Fahrzeugsystem entwickeln, das Wasserstoff-Tank, Motor und Batterie umfasst. "Die Entwicklung soll 2020 abgeschlossen sein", haben sich die Partner vorgenommen.

Toyota will bereits 2015 seine erste Limousine mit Brennstoffzellen-Antrieb auf den Markt bringen, BMW wollte sich dagegen noch nicht auf einen Marktstart festlegen. Die Münchener haben in den vergangenen Jahren an der direkten Verbrennung von Wasserstoff in Automotoren gearbeitet, was Batterien für den Elektroantrieb überflüssig machen würde. Toyota-Vizepräsident Takeshi Uchiyamada sprach die Probleme offen an: "Um eine größere Verbreitung von Brennstoffzellen-Autos zu erreichen, müssen diese billiger werden." Das koste Zeit und Geld.

Auch BMW-Konkurrent Daimler schob die Auslieferung von Serien-Autos mit Brennstoffzelle zuletzt auf die lange Bank. "Es genügt nicht, ein funktionsfähiges Fahrzeug zu haben, wenn die Infrastruktur lückenhaft ist", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche vergangene Woche. Statt wie bisher geplant 2014, wird sich nach Angaben aus Unternehmenskreisen die Markteinführung eines Mercedes-Benz mit Brennstoffzelle auf 2017 verschieben. Daimler versuche die hohen Kosten zu drücken und von technischen Entwicklungen der Partner Nissan sowie Ford zu profitieren.

VORAUSDENKEN BEI BATTERIEN UND NÄCHSTE GENERATION ENTWICKELN

BMW und Toyota verabredeten zudem die Grundlagenforschung an der nächsten Generation von Lithium-Ionen-Batterien, die als Stromspeicher für Elektroautos elementar sind. Als Nachfolge-Technik gelten Lithium-Luft-Batterien, die leistungsfähiger sein sollen, um längere Strecken elektrisch zu fahren. Auch bei den aus Handys bekannten Lithium-Ionen-Batterien stehen die Autobauer unter Druck, da die Batterien nur kurze Wegstrecken ermöglichen und dennoch mehrere tausend Euro kosten.

Beim Thema Leichtbau-Technologie könnten die Japaner von den Münchenern profitieren. BMW ist am einzigen europäischen Carbonfaser-Hersteller SGL beteiligt, auch VW und Tochter Audi haben ein Auge darauf geworfen. Bei den für 2013 und 2014 geplanten Elektroautos i3 und i8 sollen leichte, aber im Moment noch sehr teure Carbon-Verbundstoffe verbaut werden und Stahl sowie Aluminium ersetzen. Die Leichtbautechnik könnte auch bei einer gemeinsamen Plattform für einen mittelgroßen Sportwagen zum Einsatz kommen, über deren Machbarkeit Toyota und BMW bis Ende 2013 Klarheit haben wollen.

"Seit der Unterzeichnung unserer Absichtserklärung ist erst ein gutes Jahr vergangen, und seitdem machen wir jeden Tag weitere Fortschritte. Bald werden wir die Früchte dieser Zusammenarbeit ernten", erklärte Toyota-Chef Akio Toyoda.

Den BMW-Aktien gab die Besiegelung der Kooperation keinen Auftrieb: Sie notierten 0,4 Prozent im Minus bei 74,10 Euro, Toyota-Aktien hatten bis Börsenschluss 2,2 Prozent zugelegt.

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