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Ermittler vermuten Geldgier als Motiv für BVB-Anschlag
21. April 2017 / 05:05 / vor 4 Monaten

Ermittler vermuten Geldgier als Motiv für BVB-Anschlag

Football Soccer - Borussia Dortmund v AS Monaco - UEFA Champions League Quarter Final First Leg - Signal Iduna Park, Dortmund, Germany - 11/4/17 The Borussia Dortmund team bus is seen after an explosion near their hotel before the game Reuters / Kai Pfaffenbach Livepic - RTX354VZ

Dortmund (Reuters) - Der Anschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund ist Ermittlern zufolge wahrscheinlich aus Geldgier verübt worden.

"Wir haben heute morgen einen 28-jährigen deutschen und russischen Staatsbürger festnehmen lassen", sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft am Freitag in Karlsruhe. Auffällige Optionsgeschäfte hätten die Ermittler auf die Spur des Beschuldigten Sergej W. gebracht. Dieser habe mit dem Anschlag den Kurs der BVB-Aktien beeinflussen und von einem Kurssturz profitieren wollen. Offenbar handelte er dabei allein: "Nach unseren bisherigen Erkenntnissen haben wir keine Anhaltspunkte für mögliche Gehilfen." Am Dienstag vergangener Woche waren unmittelbar neben dem Bus der Fußballer drei mit Metallstiften bestückte Sprengsätze explodiert. Der BVB-Spieler Marc Bartra und ein Polizist wurden verletzt. Borussia Dortmund verstärkt den Personenschutz für die Mannschaft.

Der Verein und die Bundesregierung reagierten erleichtert auf die Festnahme. "Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der nordrhein-westfälischen Polizei wurden sehr intensiv und mit Hochdruck geführt. Dafür bedanken wir uns in aller Form und hoffen, dass in dem Tatverdächtigen nun der Verantwortliche für den niederträchtigen Anschlag gefasst werden konnte", sagten BVB-Präsident Reinhard Rauball und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Der Verein werde prüfen, "ob wir auch Restriktionen im Bereich des Handels unserer Aktien oder von anderen Papieren rund um unsere Aktie einführen müssen", sagte Watzke zudem der "Süddeutschen Zeitung". Trainer Thomas Tuchel gab bekannt, dass die Sicherheitsvorkehrungen für die Mannschaft, die am Samstag in Mönchengladbach antreten muss, erhöht wurden. Dies führe vor Augen, "dass etwas nicht in Odrnung ist", fügte Tuchel hinzu. Es helfe aber, wenn Täter und Motiv bekannt seien. Doch habe die Mannschaft auch Selbstzweifel gezeigt. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere sagte, wenn sich jemand dadurch bereichern wolle, dass er die Börsenkurse beeinflusse, indem er Menschen umbringe, sei dies eine "besonders widerwärtige Form der Habgier" und erfülle voll den Mordparagrafen.

MUTMASSLICHER TÄTER SETZTE AUF KURSVERFALL DER AKTIE

"Wir gehen davon aus, dass der Beschuldigte verantwortlich ist für den Anschlag auf den Mannschaftsbus", sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Ihm werde versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt.

Der Festgenommene W. aus Freudenstadt in Baden-Württemberg habe sich sogenannte Verkaufsoptionen in Bezug auf die BVB-Aktie - insgesamt 15.000 Stück - gesichert, teilte die Bundesanwaltschaft weiter mit. Damit kommen von der DZ Bank ausgegebene Papiere mit entsprechenden Tagesumsätzen infrage. Der BVB ist der einzige börsennotierte Bundesligist. Nach dem Bericht über die Festnahme legte die BVB-Aktie kräftig zu. Der Kurs stieg am Freitag zeitweise um 4,6 Prozent auf 5,61 Euro.

Insgesamt habe es sich um drei verschiedene Derivate auf die Aktie gehandelt, mit denen er auf fallende Aktienkurse gesetzt habe, sagte die Sprecherin. Den Großteil habe er am Tag des Anschlags erworben. Die Optionsscheine habe er über einen Computer innerhalb des Mannschaftshotels von Borussia Dortmund geordert - dort hatte sich der Verdächtige einquartiert. Bei einem massiven Verfall der Aktie hätte der Gewinn ein Vielfaches des Einsatzes betragen. Mit einem erheblichen Kursminus wäre zu rechnen gewesen, wenn infolge des Anschlags Spieler schwer verletzt oder gar getötet worden wären, hieß es weiter. Darauf habe der Verdächtige offenbar gesetzt. "Wie hoch sein maximaler Gewinn gewesen wäre, können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht genau sagen", sagte die Sprecherin. Nach Angaben von NRW-Innenminister Ralf Jäger nahm der Verdächtige rund 79.000 Euro auf, um die Optionsscheine zu finanzieren.

ZIMMER MIT BLICK AUF DEN ANSCHLAGSORT

W. habe im Mannschaftshotel des BVB in Dortmund ein Zimmer mit Blick auf den späteren Anschlagsort bezogen. In Nähe des Hotels waren die Sprengsätze bei der Abfahrt des Busses zum Spiel der Borussen gegen den AS Monaco detoniert. Sie waren in einer Hecke an einer Straße nahe dem Hotel angebracht, die der Mannschaftsbus auf der Fahrt zum Stadion nahm. Zwei Sprengsätze befanden sich der Mitteilung zufolge in Bodennähe, ein Dritter war in einer Höhe von etwa einem Meter platziert - zum Glück für die Mannschaft des BVB. "Damit war er zu hoch angebracht, um seine Wirkung voll entfalten zu können", hieß es. Die über Funk gezündeten Sprengsätze waren mit Metallstiften bestückt. Durch die Wucht der Detonationen bohrte sich einer der Stifte in eine Kopfstütze des Busses. "Wir können von Glück sagen, dass nichts Schlimmeres passiert ist", hatte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft nach den Detonationen gesagt.

Bislang war unklar, welches Motiv hinter der Tat steckt. Die Behörden hatten erklärt, sie ermittelten in alle Richtungen. Am Tatort waren drei Bekennerschreiben gefunden worden, die auf radikalislamische Motive verwiesen. Daran äußerten die Ermittler aber schon kurz nach der Tat "erhebliche Zweifel."

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