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Unternehmen | Mittwoch, 6. April 2011, 12:43 Uhr

Commerzbank löst sich aus den Fängen des Staates

Frankfurt Die Commerzbank will innerhalb von drei Monaten den Löwenanteil ihrer Staatshilfen zurückzahlen.

Für diesen Befreiungsschlag will das von der Finanzkrise gebeutelte Institut auch mehrere Milliarden Euro an frischem Kapital aufnehmen. Bis Ende Juni sollen rund 14,3 Milliarden der 16,2 Milliarden Euro an Stillen Einlagen getilgt werden, teilte die Commerzbank am Mittwoch mit. "Wir halten also unser Versprechen, die temporäre Unterstützung des Bundes so schnell wie möglich zurückzuzahlen", sagte Vorstandschef Martin Blessing. "Das ist der richtige Zeitpunkt, um damit zu beginnen."

Neben der Kapitalerhöhung sollen weitere Stille Einlagen des Bankenrettungsfonds SoFFin in Commerzbank-Aktien gewandelt und überschüssiges Kapital zurückgezahlt werden. Der Rest der Hilfen soll bis spätestens 2014 abgelöst werden. An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Aktie zog nach anfänglichen Verlusten um drei Prozent auf 5,75 Euro an. Die Bank befreie sich von einer großen Last, sagten Händler.

Die Commerzbank hatte in der Finanzkrise 18,2 Milliarden Euro vom SoFFin gebraucht, um die Übernahme der Dresdner Bank zu bewältigen. Noch immer hängen zahlreiche deutsche Institute, allen voran die Hypo Real Estate und die WestLB, am Tropf des Steuerzahlers. Die Rückzahlung der Hilfen gestaltet sich hierzulande schwieriger als etwa in den USA, wo der Staat nicht über Stille Einlagen, sondern mit der Übernahme von Aktien als Retter eingesprungen war - und mit Gewinn wieder ausgestiegen ist. "Wir werden alles tun, dass der Bund mit seinen Aktien per saldo Gewinn erzielt", sagte Blessing.

DIVIDENDE IN REICHWEITE

Der nun geplante Schritt der Commerzbank - mit Rückenwind aus einem guten Jahresstart - kommt deutlich schneller und fällt größer aus als erwartet. Bislang hatte Blessing für 2011 nur die Rückzahlung von 1,6 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Doch locken den seit 2009 finanziell kurzgehaltenen Vorstand Boni, die die Commerzbank nur dann zahlen darf, wenn sie mehr als die Hälfte der Staatshilfen zurückgegeben hat. Die Zinsen auf die Einlagen blockieren auch eine Dividende: Nun könnten die Aktionäre schon für das Jahr 2012 wieder mit einer Ausschüttung rechnen, erklärte Blessing.

Die Geschäfte laufen nach den Worten von Finanzchef Eric Strutz gut. "Wir liegen über unseren Planungen." 2011 werde das Ergebnis über den 1,4 Milliarden Euro des vergangenen Jahres liegen, bekräftigte er. 2012 sollen operativ mindestens vier Milliarden Euro zu Buche stehen.

Den ersten Teil ihres Maßnahmenbündels geht die Commerzbank sofort an: Bis zum 13. April sollen alte und potenzielle neue Aktionäre eine Pflichtwandelanleihe im Volumen von 2,6 bis 3,4 Milliarden Euro zeichnen können, die nach der Hauptversammlung in Aktien getauscht wird. Die Einnahmen fließen dem SoFFin zu. "Sie kaufen im Endeffekt Aktien, die mit einer Verspätung von fünf Wochen geliefert werden", erklärte Blessing. Damit will die Bank neue Investoren gewinnen. Die eigentliche Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht soll Ende Mai/Anfang Juni folgen. Großaktionär Allianz, der rund neun Prozent hält, will nach eigenen Angaben "in nennenswertem Umfang" mitziehen.

Die beiden Schritte zusammen sollen der Commerzbank acht Milliarden Euro bringen. Um seinen Aktienanteil von 25 Prozent zu halten, tauscht der Staatsfonds zusätzlich Stille Einlagen in Aktien, was der Commerzbank weitere 2,75 Milliarden Euro bringt. Die Hauptversammlung wird vom 18. Mai auf den 6. Mai vorgezogen. Organisiert und garantiert wird die Kapitalerhöhung von der Deutschen Bank, JPMorgan, Citi und von der Commerzbank selbst.

GROSSE FORTSCHRITTE BEI BASEL III

Zudem braucht die Commerzbank nach eigener Einschätzung für die Erfüllung regulatorischer Anforderungen weniger Kapital als sie hat: Daraus sollen 3,27 Milliarden Euro an den Staat zurückgezahlt werden. Damit sinkt zwar die harte Kernkapitalquote (Core Tier-1) auf 8,8 von 10,0 Prozent Ende 2010. Mit der Kapitalerhöhung macht die Commerzbank gleichwohl große Fortschritte auf dem Weg, die ab 2013 geltenden neuen Eigenkapitalregeln (Basel III) zu erfüllen. Die dann maßgebliche harte Kernkapitalquote - ohne Stille Einlagen - erhöht sich auf 8,0 von 4,3 Prozent.

Durch die Rückzahlung des größten Teils der Stillen Einlagen entgehen dem Staat milliardenschwere Zinsen - die er schon 2009 und 2010 nicht erhalten hatte. Dafür soll er von der Commerzbank eine Einmalzahlung von 1,03 Milliarden Euro bekommen. "Ich glaube, damit hat der Steuerzahler einen Gewinn gemacht", sagte Blessing.

Politiker begrüßten die Ankündigung. Der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach, sagte Reuters: "Die Rückzahlung ist ein sehr anerkennenswerter Erfolg für die Commerzbank. Das ist auch ein gutes Signal für den deutschen Bankensektor insgesamt." Der finanzpolitische Sprecher der FDP im Bundestag, Volker Wissing, sprach von einer guten Botschaft für die Steuerzahler.

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