13. September 2017 / 13:51 / vor 8 Tagen

Merkel stellt sich keinem zweiten TV-Duell mit Schulz

A screen that shows the TV debate between German Chancellor Angela Merkel of the Christian Democratic Union (CDU) and her challenger Germany's Social Democratic Party SPD candidate for chancellor Martin Schulz in Berlin, Germany, September 3, 2017. German voters will take to the polls in a general election on September 24. REUTERS TV

Berlin/Böblingen (Reuters) - Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt die Forderung von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz nach einem zweiten TV-Duell ab.

Die Kanzlerin habe neben dem Duell viele Interviews gegeben und bei Bürgerfragestunden Rede und Antwort gestanden, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch. “Und bei dieser Mischung, einem Duell und vielen Interviews, Townhalls und so weiter belässt es die Bundeskanzlerin.” Schulz und weitere führende SPD-Politiker warfen Merkel daraufhin Feigheit vor. Schulz erneuerte am Abend seine Forderung.

Bereits im Vorfeld des ersten Duells am 3. September hatte es Diskussionen über weitere Aufeinandertreffen der Kanzlerin mit ihrem Herausforderer gegeben, die Merkel wie bei früheren Wahlen abgelehnt hatte. Nach dem TV-Duell war vielfach kritisiert worden, dass während der rund 90-minütigen Sendung wichtige Themen nicht angesprochen worden seien. Merkel und Schulz hatten sich in den vergangenen Tagen getrennt den Fragen von Bürgern in verschiedenen TV-Formaten gestellt.

Schulz begründete seinen Vorstoß in einem Reuters vorliegenden Schreiben an Merkel damit, dass Fragen der Bürger etwa zur Digitalisierung, Zukunft der Arbeit, Rente und Bildung im TV-Duell am 3. September nicht beantwortet worden seien. Auch Merkel hatte sich ähnlich geäußert. Er stimme mit der Kanzlerin “absolut überein, dass wichtige Kernfragen unseres Landes nicht zur Sprache kamen.”

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Böblingen kritisierte Schulz Merkels Haltung. “Stellen Sie sich dieser Diskussion”, forderte er die CDU-Chefin auf. “Frau Merkel, wir können jetzt uns verabreden, greifen Sie zum Telefonhörer. Ich stehe zur Verfügung für die Diskussion um die Zukunft unseres Landes.” Weiter monierte er, Merkels “Schlafwagenpolitik, über nichts zu diskutieren”, schade der Demokratie. Sie missachte mit einer Verweigerungshaltung den Anspruch der Wählerinnen und Wähler zu wissen, wohin die Regierungschefin das Land führen wolle.

Auch Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) kritisierte die Kanzlerin. “Ich finde das feige von der Union, dass sie sich dieser Frage nicht stellt. Ganz persönlich auch von Frau Merkel ist das aus meiner Sicht schwach”, sagte sie im Reuters-Interview. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil warf Merkel vor, sie “drücke” sich.

Die kleineren Parteien hatten sich schon früher beschwert, dass die vier Fernsehsender ARD, ZDF, RTL und Sat.1 ein Spitzenduell nur mit Merkel und Schulz organisiert hatten. Die Kanzlerin hatte dies mit dem Argument verteidigt, dass nur sie und Schulz eine echte Chance hätten, eine Regierung auch anzuführen.

FDP-Generalsekretärin Nicola Beer sprach von einer “künstlichen Aufregung”. Die große Koalition habe jetzt vier Jahre lang miteinander diskutiert und null Probleme gelöst, twitterte sie.

Schulz und die SPD liegen in Umfragen mit Werten von 21 bis 24 Prozent bis zu 16 Punkte hinter Merkel und der CDU/CSU zurück. Auch das TV-Duell brachte bislang nicht den von der SPD erhofften Umschwung in den Umfragen.

Das ZDF bekräftigte, als Gastgeber für ein weiteres Duell bereitzustehen. “Das ZDF hat sich angesichts der Themenfülle immer für zwei Duelle eingesetzt. Unsere Einladung steht”, sagte ein Sprecher der “Saarbrücker Zeitung”. Merkel wird am Donnerstag in der ZDF-Sendung “Klartext, Frau Merkel” interviewt.

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