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Stromkonzerne wollen nicht an Preiserhöhung schuld sein
27. August 2012 / 09:18 / vor 5 Jahren

Stromkonzerne wollen nicht an Preiserhöhung schuld sein

Electric power transmission lines are seen in Neuhof, near Hamburg July 13, 2012. REUTERS/Morris Mac Matzen (GERMANY - Tags: BUSINESS)

Düsseldorf (Reuters) - Die Stromkonzerne rechnen im Zuge der Energiewende mit deutlich höheren Preisen und machen für diese Entwicklung den Staat verantwortlich.

“Ich gehe davon aus, dass die Rechnung für Privatkunden bis 2020 um bis zu 30 Prozent steigen könnte”, sagte der Europa-Chef von Vattenfall, Tuomo Hatakka, in einem am Montag veröffentlichten Interview der “Süddeutschen Zeitung”. Die Kosten für Wind- und Solarparks, neue Leitungen und Kraftwerke beliefen sich in den kommenden zehn Jahren auf 150 Milliarden Euro. Ein Großteil davon werde auf die Stromrechnung umgelegt. Die Versorger hätten die Preise nicht mehr in der Hand. “Die Preise für Verbraucher steigen vor allem wegen steigender Umlagen für erneuerbare Energien und für Stromnetze.” Die Energiewende werde wohl auch länger dauern als bislang geplant.

Verbraucherschützer werfen den großen Versorgern E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW seit Jahren Preistreiberei vor. Dies war bereits vor der Energiewende der Fall. In den vergangenen Tagen sind erneut Vorwürfe laut geworden, die Konzerne gäben den gefallenen Börsenpreis für Strom nicht an die Kunden weiter, während gestiegenen Kosten stets umgehend auf der Rechnung der Verbraucher auftauchten. Die Unternehmen weisen dies unter anderem mit dem Hinweis zurück, ihren Strom auf Jahre im Voraus zu verkaufen. Die jetzigen Preise hätten ihren Ursprung in den Marktbedingungen vergangener Jahre, als die Preise höher waren. Derzeit liegt der Börsenpreis für Strom mit rund 50 Euro je Megawattstunde fast auf dem tiefsten Stand seit zwei Jahren.

RWE: SIND NUR FÜR EIN VIERTEL DES PREISES VERANTWORTLICH

Auch RWE-Chef Peter Terium sieht den Staat als eigentlichen Preistreiber. “Wir haben gesunkene Preise für Strom auf der Beschaffungsseite, an der Börse, genutzt, um den Anstieg der staatlichen Abgaben und Umlagen aufzufangen”, sagte er der “Bild”-Zeitung. Knapp die Hälfte des Preises gehe auf Kosten des Staates, hinzu komme ein knappes Drittel für die staatlich regulierten Netzentgelte. “Die Energiewirtschaft ist mittlerweile nur noch verantwortlich für ein Viertel des Strompreises.”

Auf die Verbraucher dürften bald höhere Preise zukommen. Es wird erwartet, dass die Umlage zur Förderung des Ökostroms wegen des massiven Ausbaus von Solar- und Windenergie 2013 über die derzeit 3,5 Cent je Kilowattstunde steigen wird. Spekuliert wird über einen Wert von etwa fünf Cent. Der Haushaltskundenpreis liegt derzeit etwa bei 25 Cent je Kilowattstunde. Die Ökostrom-Lobby kritisiert, dass weite Teile der Industrie aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit die Abgabe zur Förderung der Erneuerbaren Energie kaum oder gar nicht berappen müssten. Dadurch müssten die Haushaltkunden deutlich mehr zahlen.

Der Bundesverband Windenergie dreht zudem den Spieß um. Konventionelle Energien wie Kohle und Atom verursachten deutlich mehr Kosten als auf der Stromrechnung ausgewiesen werden, erklärte der Verband am Montag. Verbraucher zahlten diese versteckten Zusatzkosten unter anderem über Steuern und Abgaben. “Würde man die Kosten aufsummieren und auf die Verbraucher umlegen, läge diese Konventionelle-Energien-Umlage 2012 bei 10,2 Cent pro Kilowattstunde und wäre damit fast dreimal so hoch wie die derzeitige EEG-Umlage.”

Dies sei das Ergebnis einer Studie mit dem Titel “Was Strom wirklich kostet”, die das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag des Verbandes und von Greenpeace Energy erstellt habe. “Während Steinkohle-Verstromung zwischen 1970 und 2012 insgesamt 177 Milliarden Euro an Förderungen, Braunkohle 65 Milliarden und die Atomstromproduktion sogar 187 Milliarden Euro erhielt, kommen die erneuerbaren Energien bis heute gerade einmal auf 54 Milliarden Euro.”

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