19. Mai 2017 / 10:14 / vor 4 Monaten

Ausschreibung für Windkraft senkt Förderkosten deutlich

Steam billows from the cooling towers of Vattenfall's Jaenschwalde brown coal power station behind wind turbines near Cottbus, Germany, December 2, 2009. REUTERS/Pawel Kopczynski/File Photo

Berlin (Reuters) - Windenergie wird für die Stromkunden künftig deutlich billiger.

Neue Windparks bekommen nur noch im Schnitt 5,71 Cent pro Kilowattstunde garantiert, wie das Wirtschaftsministerium am Freitag nach der ersten Ausschreibungsrunde für Windparks mitteilte. Das sind rund 20 Prozent weniger als bisher. Den Zuschlag erhielten Betreiber für Windräder mit gut 800 Megawatt-Leistung, was rechnerisch etwa zwei Kohlemeilern entspricht. Nach dem alten Fördersystem lag die garantierte Vergütung zwischen 7 und 8 Cent pro Kilowattstunde. Aufsehen hatte schon die Auktion für Windenergie auf hoher See erregt, bei der Betreiber überhaupt auf Förderung verzichtet hatten.[nL8N1HL369] Die Grünen werteten das Ergebnis als Beweis, dass Windkraft längst wettbewerbsfähig sei und forderten einen stärkeren Ausbau. In der CDU hieß es, Verbraucher könnten nun beim Strompreis entlastet werden.

Auch die Regierung zeigte sich erfreut. Das hohe Wettbewerbsniveau und die niedrigen Zuschlagpreise zeigten, dass der eingeleitete Paradigmenwechsel bei der Förderung gut funktioniere, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake.

Bisher bekam jeder Windparkbetreiber einen gesetzlich auf 20 Jahre garantierten Abnahmepreis für Strom. Bei den Auktionen schreibt jetzt der Staat eine bestimmte Leistung aus, in diesem Fall 800 Megawatt. Über das gesamte Jahr sollen es in zwei weiteren Runden dann 2500 Megawatt sein, was der Zielgröße der Regierung für den jährlichen Ausbau für Wind an Land entspricht. Wer die geringste Förderung verlangt, bekommt den Zuschlag. Bezahlt wird die Hilfe über eine Umlage auf den Strompreis der Verbraucher. Windenergie an Land ist mit mehr als der Hälfte der Produktion die wichtigste Stromquelle unter den Erneuerbaren.

“Das ist ein guter Tag für alle Stromverbraucher”, sagte CDU-Energie-Experte Thomas Bareiß. Sie würden nun bei der Umlage entlastet. Die Grünen-Expertin Julia Verlinden sagte, Windkraft könne längst mit alten und schmutzigen Kraftwerken konkurrieren. “Deshalb muss der Deckel für den Ausbau der Windenergie weg”, sagte sie mit Blick auf die jährlich von der Regierung vorgesehenen 2500 Megawatt-Leistung. Die Denkfabrik “Agora Energiewende” erklärte, an guten Windstandorten könne Strom auch für 3 bis 4,5 Cent produziert werden.

DIE MEISTEN WINDPARKS WERDEN IN NIEDERSACHSEN GEBAUT

In dieser Ausschreibungsrunde hatten 256 Projektbetreiber für insgesamt gut 2100 Megawatt mitgeboten. Letztlich bekamen 70 Projekte einen Zuschlag. Gewährt werden zwischen 5,25 und 5,78 Cent an Hilfen. Die meisten Zuschläge erhielten traditionelle Windländer wie Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Brandenburg. Im Süden der Republik sollen lediglich sieben Projekte umgesetzt werden, in Baden-Württemberg gar keins.

Über 90 Prozent der Projekte gewannen sogenannte Bürgergesellschaften. Bei ihnen muss sich die Kommune beteiligen können und Projektbetreiber in der Region wohnen. Im Gegenzug haben sie bei der Auktion einige Vorteile wie eine verlängerte Umsetzungsfrist oder eine Teilnahme ohne vorherige Genehmigung für den Park. Zudem konnten sie den Zuschlag zum letzten noch genehmigten Preis erhalten, selbst wenn sie vorher zuviel Förderung verlangt hatten. Damit wollte die Regierung der Befürchtung entgegenwirken, dass die Energiewende mit der Auktionierung in die Hände von Großkonzernen wandert. Allerdings können die Bürgergesellschaften ihre Parks nach dem Bau und einigen Jahren Betriebsdauer dann weiterverkaufen.

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