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Deutschland
Konjunktur | Donnerstag, 8. November 2012, 13:47 Uhr

Exporte sinken so stark wie zuletzt im Krisenjahr 2009

Berlin Die Euro-Krise ist bei den deutschen Exporteuren angekommen: Ihr Umsatz ging im September wegen der schwachen Nachfrage aus der Währungsunion so stark zurück wie seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr.

"Die Einbrüche schmerzen", sagte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner. In den kommenden Monaten drohen weitere Rückschläge, weil die Industrie immer weniger Aufträge erhält. Das könnte auch Arbeitsplätze kosten.

Die Exporte sanken um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 91,7 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. "Das ist der erste Rückgang im Jahresvergleich seit Januar 2010 und zugleich der stärkste seit November 2009", sagte ein Statistiker. Grund dafür ist die Rezession in vielen Euro-Ländern.

"SCHULDENKRISE WIRFT IHRE SCHATTEN"

Die Exporte in die krisengeplagte Euro-Zone brachen um 9,1 Prozent ein, die in die EU-Länder um 7,0 Prozent. "Die Schuldenkrise ist in Deutschland angekommen", sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Dagegen wuchsen die Ausfuhren in Drittländer - etwa in die USA und große Schwellenländer wie China - um 1,8 Prozent.

Auch in den kommenden Monaten müssen sich die Unternehmen auf ein schwieriges Geschäft einstellen. Die Auslandsaufträge der exportabhängigen Industrie fielen im September um 4,5 Prozent. Dabei ging die Nachfrage aus der Euro-Zone - wohin etwa 40 Prozent der Waren "made in Germany" gehen - mit 9,6 Prozent mehr als doppelt so stark zurück. "Das wird sich auch künftig in schwächeren Exporten niederschlagen", befürchtet Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank. Ähnlich sieht das der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Das nächste Jahr wird zäh", sagte deren Außenwirtschaftschef Volker Treier.

EUROPA ERST 2014 AUS DEM GRÖBSTEN HERAUS?- ARBEITSPLATZABBAU

Die EU-Kommission befürchtet, wichtige Handelspartner wie Spanien und Italien werden erst 2014 aus der Rezession finden. Frankreich, der größte deutsche Exportkunde, droht Stagnation. Das spüren beispielsweise die Autobauer. "Der Gegenwind wird rauer", sagte deren Verbandspräsident Matthias Wissmann. "Wir richten uns auf heraufordernde Zeiten ein." Viele Leiharbeiter in der Branche müssen um ihre Stellen bangen. Siemens reagiert ebenfalls mit einem milliardenschweren Sparprogramm. Wie viele Stellen dabei wegfallen sollen, ließ der Technologiekonzern zunächst offen. Nach einer Umfrage des Markit-Instituts unter Hunderten Industrieunternehmen kam es im Oktober zum zweitstärksten Arbeitsplatzabbau in Deutschland seit Januar 2010.

Nicht nur Europa bereitet den Exporteuren Sorgen, sondern auch die weltgrößte Volkswirtschaft USA. "Dort laufen die Geschäfte bislang sehr gut - vor allem wegen der sinkenden Arbeitslosigkeit und der sich stabilisierenden Häuserpreise", sagte DIHK-Experte Treier. "Sollte es aber zum Jahresbeginn zu automatischen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen kommen, kann das die Wirtschaft belasten."

"KEIN GRUND ZUR SCHWARZMALEREI"

Verglichen mit dem Vormonat fielen die Ausfuhren um 2,5 Prozent. Einen größeren Rückgang hatte es zuletzt im Dezember 2011 gegeben. Ökonomen hatten lediglich mit einem Minus von 1,5 Prozent gerechnet. In den ersten neun Monaten erhöhten sich die Exporte um 4,1 Prozent auf 825,9 Milliarden Euro. Der BGA rechnet im Gesamtjahr mit einem Wachstum von etwa vier Prozent. Damit würde die 2011 erstmals erreichte Billionen-Grenze beim Umsatz erneut übertroffen. "Für Schwarzmalerei ist trotz des aktuellen Rückgangs im Außenhandel kein Raum", sagte Börner. Die Einbrüche würden zwar weh tun, "aber sie haben nicht das Niveau aus der Finanzkrise".

Die deutschen Importe fielen im September im Vergleich zum Vormonat um 1,6 Prozent. Ökonomen hatten lediglich ein Minus von 0,1 Prozent erwartet. Die Einfuhren summierten sich auf 74,9 Milliarden Euro, was einem Minus von 3,6 Prozent im Vergleich zum September 2011 entspricht. Die Handelsbilanz - die Differenz zwischen Exporten und Importen - wies einen saison- und kalenderbereinigten Überschuss von 17,0 Milliarden Euro aus.

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