19. August 2008 / 15:21 / in 9 Jahren

Kreise: Postbank-Verkauf steht auf der Kippe

Frankfurt (Reuters) - Der Verkauf der Postbank steht auf der Kippe. Wie von mehreren mit der Angelegenheit vertrauten Personen verlautete, gibt es derzeit keine ernsthaften Verhandlungen mehr mit potenziellen Käufern.

Beim Preis sei angesichts der Finanzkrise keine Einigung zu erzielen. “Da passiert im Moment gar nichts”, sagte einer der Insider am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Nachdem sich ausländische Interessenten wie die britische Lloyds TSB bereits aus dem Rennen verabschiedet hätten, trete nun auch die Deutsche Bank den Rückzug an.

“Es gibt keine Verhandlungen mit der Deutschen Bank mehr. Vor allem die Vorstellungen über den Preis klafften zu weit auseinander”, sagte ein anderer Eingeweihter. Das größte deutsche Geldhaus war zuletzt Kreisen zufolge das einzige Institut, das mit der Post intensive Gespräche über einen Kauf von deren Banktochter geführt hatte. Das Interesse der Deutschen Bank hatte aber in den vergangenen Wochen bereits stark nachgelassen.

An den Finanzmärkten gilt ein Verkauf der größten deutschen Filialbank mit ihren fast 15 Millionen Kunden mittlerweile als unwahrscheinlich. Die bis vor einigen Wochen von Übernahme-Spekulationen getriebene Postbank-Aktie rutschte um mehr als sechs Prozent ab und fiel zeitweise auf ein Drei-Jahres-Tief unter 40 Euro. An der Börse ist die Postbank derzeit noch rund sieben Milliarden Euro wert - vor zwei Monaten waren es noch über zehn Milliarden Euro. Die Papiere der Post verloren mehr als drei Prozent, die Titel der Deutschen Bank lagen in einem schwächeren Marktumfeld 3,8 Prozent im Minus.

Die Deutsche Bank und Lloyds TSB lehnten Stellungnahmen ab. Die Post erklärte, eine Entscheidung über die Zukunft der Postbank sei nicht gefallen. “Wir sind in einem ergebnisoffenen Prozess. Wir stehen nicht unter Zeitdruck”, sagte eine Sprecherin. Post-Chef Frank Appel hatte zuletzt auf Schwierigkeiten hingewiesen. “Das Problem ist, dass es wegen der Finanzkrise derzeit sehr wenige gibt, die sich die Postbank leisten können”, sagte er am Wochenende in einem Zeitungsinterview. Die Post werde die Bank, an der sie 50 Prozent plus eine Aktie hält, nicht unter Wert verkaufen.

EXPERTEN ERWARTEN NEUAUFLAGE DES POSTBANK-VERKAUFS

Analysten rechnen damit, dass die Post ihre Tochter in den nächsten Jahren erneut zum Verkauf stellen wird. “Wenn die Krise vorbei ist, dürfte die Bank wieder auf den Markt kommen”, sagte Dirk Becker von Landsbanki Kepler. Die Post hatte den Sondierungsprozess um die Postbank Ende Juni offiziell angestoßen. Die Gewerkschaften sind strikt gegen einen Verkauf, da sie den Verlust von Arbeitsplätzen befürchten.

Die allseits erwartete Neuordnung der zerstückelten deutschen Bankenlandschaft lässt weiter auf sich warten. Sollte der Postbank-Verkauf abgeblasen werden, steht nur noch die Dresdner Bank zum Verkauf. Hier laufen Finanzkreisen zufolge seit Wochen Fusionsgespräche mit der Commerzbank.

Komplett gestoppt sei der Verkauf der Postbank noch nicht, hieß es in den Kreisen. “Der Prozess liegt brach, er ist aber nicht tot”, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Für eine Wiederbelebung müssten sich jedoch die Preisvorstellungen auf Käufer- und Verkäuferseite deutlich ändern, was derzeit nicht absehbar sei. Die Deutsche Bank hatte auch schon bei der Citibank abgewunken, da der konkurrierende Bieter aus Frankreich, Credit Mutuel, mit über fünf Milliarden Euro deutlich mehr zahlen wollte.

Die Deutsche Bank sei nicht bereit, den von der Post erstrebten zweistelligen Milliardenbetrag für die gesamte Bank auf den Tisch zu legen, sagte ein Insider. Die Commerzbank hatte Finanzkreisen zufolge bereits vor Wochen wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen das Interesse verloren. Wegen der weltweiten Finanzkrise sind die Risiken eines solch großen Deals gestiegen. Zudem verloren sämtliche Finanzaktien durch die Krise stark an Wert.

Ein weiteres Problem der Postbank ist nach Ansicht von Experten deren im Vergleich zu anderen Geldhäusern relativ schwache Eigenkapitalausstattung. Analysten erwarten, dass ein neuer Eigentümer erst einmal Kapital nachschießen muss. Ende Juni kam die Postbank auf eine Kernkapitalquote von 6,3 Prozent. Bei der Deutschen Bank waren es über neun Prozent.

- Philipp Halstrick, Patricia Uhlig, Matthias Inverardi -

Unsere Werte:Die Thomson Reuters Trust Principles
0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below