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Versicherungsamt warnt Kassen vor Schmieren von Ärzten
22. Januar 2009 / 16:20 / in 9 Jahren

Versicherungsamt warnt Kassen vor Schmieren von Ärzten

Berlin (Reuters) - Das Bundesversicherungsamt droht Krankenkassen, die Ärzte zu anderen Krankheitsdiagnosen verleiten, mit rechtlichen Konsequenzen.

BVA-Präsident Josef Hecken kritisierte am Donnerstag in Bonn, die Kassen versuchten zum Teil sogar mit Geldprämien die Ärzte zu veranlassen, ihre Diagnosen nachträglich zu ändern, um mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds zu bekommen. Dies sei rechtswidrig. “Ich werde deshalb ein solches Verhalten in meinem Aufsichtsbereich nicht dulden.” Die Aufsichtsbehörden der Länder forderte er auf, ebenfalls streng zu verfahren.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, sagte, Krankenkassen zahlten durchschnittlich zehn Euro für Diagnosen, die ihnen mehr Geld aus dem Finanzpool garantierten.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist der neue Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen, der gemeinsam mit dem Gesundheitsfonds zu Jahresanfang in Kraft getreten ist. Demnach erhalten die Kassen je nach Krankheitszustand eines Versicherten zusätzliches Geld aus dem Fonds. Die Grundlage für die Umverteilung bilden 80 genau definierte Krankheiten.

Ärztevertreter hatten in den vergangenen Wochen mehrfach beanstandet, die Kassen drängten Mediziner zu anderen Einstufungen der Patienten und suchten sie dazu teils persönlich in ihren Praxen auf. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hatte Kassen und Ärzte aufgefordert, mit Fehldiagnosen keine Geschäfte zu machen.

ÄRZTE-CHEF: KASSEN VERLEITEN ZU FEHLDIAGNOSEN

Laut KBV-Chef Köhler erreicht das Problem bundesweit immer größere Dimensionen. “Kassenvertreter versuchen, Ärzte zu ködern, um Diagnosen zu korrigieren. Das kann Ärzte zu Fehldiagnosen verleiten”, sagte er der Online-Ausgabe der “Bild”-Zeitung.

Ein Sprecher Schmidts forderte die Mediziner auf, Ross und Reiter zu nennen. Sie müssten sagen, wo Ärzte zur Änderung von Diagnosen gedrängt würden, nur dann könnten die Aufsichtsbehörden tätig werden. Das Ministerium halte nichts von pauschalen Verdächtigungen.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung wies die Vorwürfe der Ärzte zurück. Es seien keine konkreten Fälle bekannt, in denen Mediziner absichtlich falsche Diagnosen aufschrieben. Die Ärztevertreter müssten genaue Angaben machen oder dürften dies nicht weiter behaupten, sagte Verbandschefin Doris Pfeiffer.

Zudem betonte sie, die richtige Kodierung sei die Grundlage für die Verteilung des Geldes und Pflicht der Ärzte. Die Kassen seien aus der Ärzteschaft aufgefordert worden, “für die richtige und gesetzeskonforme Kodierung zusätzliches Geld zu bezahlen”. Dies sei ein Unding. Ihr Verband werde dafür sorgen, dass dafür keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung stünden.

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