Reuters logo
244.000 Widersprüche gegen deutsches Google Street View
21. Oktober 2010 / 09:31 / vor 7 Jahren

244.000 Widersprüche gegen deutsches Google Street View

<p>Demonstrators drive a car decorated to represent the Google Car used to create street view maps during a demonstration for data privacy in Berlin, September 11, 2010. REUTERS/Tobias Schwarz</p>

Berlin (Reuters) - Beim Internet-Konzern Google sind vor der Einführung des Straßenfotodienstes Street View in Deutschland mehr als 244.000 Widersprüche von Bürgern eingegangen.

Verglichen mit der Anzahl der Haushalte in den 20 betroffenen Städten ist das eine Quote von 2,9 Prozent, wie Google-Produktmanager Andreas Türk am Donnerstag in einem Firmenblog schrieb. Zwei von drei Anträgen wurden demnach über die Google-Webseite eingereicht. Verbraucherministerin Ilse Aigner schätzte die Zahl als hoch ein und begrüßte die Einwände von Bürgern.

Google fotografiert die Städte mit speziell ausgerüsteten Autos, die Straßenszenen aus etwa drei Metern Höhe fotografieren. Seit der Ankündigung von Google, Street View auch für 20 deutsche Städte anzubieten, tobt eine heftige Diskussion über den Datenschutz. Kritiker werfen dem Internet-Konzern unter anderem vor, dass Diebe mit Hilfe des Fotodienstes ihre nächsten Einbruchsziele ausspähen könnten. Hausbesitzer oder Mieter können mit einem Widerspruch ihr Gebäude unkenntlich machen lassen. Autokennzeichen und Gesichter sollen in der Regel von vornherein nicht erkennbar sein.

“Wir betreiben einen sehr großen Aufwand, um sicherzustellen, dass die Anträge richtig umgesetzt werden”, schrieb Produktmanager Türk in dem Blog. Allerdings lasse sich nicht garantieren, dass jeder Antrag bearbeitet werden könne. In einigen Fällen seien die Angaben unlesbar oder die Beschreibungen des Gebäudes nicht eindeutig gewesen. Diese Betroffenen sollen eine eingebaute Widerspruchsfunktion nutzen können, wenn der Dienst Ende des Jahres auch in Deutschland freigeschaltet wird. Die Frist für Vorabwidersprüche war am vergangenen Freitag ausgelaufen.

Nach einem Bericht der Tageszeitung “Die Welt” sind insgesamt 200 Google-Mitarbeiter an mehreren Standorten im Schichtbetrieb damit beschäftigt, die Einsprüche zu bearbeiten. Der Kommunikationschef von Google in Deutschland, Kay Oberbeck, sagte dem Blatt laut Bericht: “Wir wissen, dass es Fehler geben wird. Der manuelle Verarbeitungsprozess ist sehr komplex.”

Die CSU-Politikerin Aigner zeigte sich über die nach ihrer Ansicht hohe Zahl von Widersprüchen zufrieden. “Ich finde, 245.000 sind viele Menschen. Und für die habe ich mich auch eingesetzt.” Es gebe in Deutschland Widerspruchsmöglichkeiten wie in keinem anderen Land, sagte Aigner vor Journalisten.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar erklärte, die Bürger wollten selbst entscheiden, welche Daten über sie im Internet veröffentlicht würden. Die Entscheidung dürfe aber nicht vom guten Willen einzelner Unternehmen abhängen. “Ein verbrieftes und allgemeines Widerspruchsrecht der Betroffenen gegen die Veröffentlichung ihrer Daten im Internet ist deshalb dringend erforderlich”, erklärte Schaar.

Google Street View gibt es bereits in mehr als 20 Ländern, darunter die USA, Japan, Frankreich, die Niederlande und die Schweiz. In keinem Land gab es eine derart hitzige Diskussion wie in Deutschland. Der US-Konzern hat sich nach eigenem Bekunden zum Ziel gesetzt, Aufnahmen von allen öffentlichen Straßen anzubieten.

Unsere WerteDie Thomson Reuters Trust Principles
0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below