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Mittwoch, 29. Oktober 2008, 11:28 Uhr

CHRONIK-Der Weg der Hypo Real Estate in der Krise

29. Okt Der bereits mehrfach vom Bund und anderen Banken gerettete Immobilienfinanzierer Hypo Real EstateHRXG.DE (HRE) ist das erste private Kreditinstitut, das den Rettungsfonds der Bundesregierung in Anspruch nimmt. Ein Überblick über den Weg der Münchner Bank durch die Finanzkrise:

7. NOVEMBER 2007 - Der damalige Vorstandschef Georg Funke erklärt, sein Haus könne sich der Krise nicht ganz entziehen, werde aber gestärkt daraus hervorgehen. Finanzvorstand Markus Fell sagt, er sehe das Thema "extrem gelassen".

15. JANUAR 2008 - Die HRE muss überraschend 390 Millionen Euro auf ein US-Wertpapierportfolio abschreiben. Die Aktie bricht um 35 Prozent ein. Aktionärsvertreter sprechen von Vertrauensbruch und fordern den Rücktritt Funkes.

27. MÄRZ - Die Bank rückt von ihren Gewinnzielen ab und legt offen, dass 3,2 Milliarden Euro in hypothekenbesicherten Papieren liegen, bei denen Wertverluste möglich seien.

16. APRIL - Der US-Finanzinvestor JC Flowers kündigt an, zusammen mit zwei anderen Investoren knapp ein Viertel an der HRE zu kaufen.

6. MAI - Die HRE gibt bekannt, dass ihr Vorsteuergewinn im ersten Quartal - ohne Sonderfaktoren - fast komplett zusammenschrumpfte. Die Belastungen aus der Finanzkrise beziffert die Bank auf 175 Millionen Euro.

2. JULI - Die Rating-Agentur Standard & Poor's stellt der Bank ein schlechtes Zeugnis aus und senkt mehrere Bonitätsnoten.

13. AUGUST - Die Bank teilt einen Einbruch des Vorsteuergewinns im zweiten Quartal mit. Auf problematische Wertpapiere werden 145 Millionen Euro abgeschrieben, die Neubewertungsrücklage geht um rund 500 Millionen Euro zurück. Finanzchef Fell sagt, im zweiten Halbjahr seien maximal noch 200 Millionen Euro an Abschreibungen nötig.

28./29. SEPTEMBER - Die HRE kämpft mit ernsten Refinanzierungsproblemen und sucht mit den Aufsichtsbehörden und dem Finanzministerium Lösungen, um einen Liquiditätsengpass zu vermeiden. In einer dramatischen Rettungsaktion wird die Bank vor dem Zusammenbruch bewahrt. Finanzhilfen von 35 Milliarden werden gewährt. Die Aktie bricht mehr als 70 Prozent ein.

4./5./6. OKTOBER: Das Rettungspaket scheitert. Nach zähen Gesprächen einigen sich Bundesregierung und Banken auf ein neues Hilfsprogramm. Die Kreditlinien für die HRE erhöhen sich um 15 Milliarden auf 50 Milliarden Euro.

7. OKTOBER: Funke tritt als Vorstandschef zurück. Nachfolger wird Axel Wieandt von der Deutschen Bank(DBKGn.DE), die maßgeblich an der HRE-Rettung beteiligt war.

10. OKTOBER: HRE-Aufsichtsratschef Kurt Viermetz muss ebenfalls gehen. Sein bisheriger Vize Klaus Pohle übernimmt interimsweise den Posten.

29. OKTOBER: Die HRE flüchtet sich als erste Privatbank unter den Rettungsschirm des Bundes. Sie beantragte eine Liquiditätsgarantie von 15 Milliarden Euro und erwägt weitere Hilfen, auch Kapitalmaßnahmen sind möglich.

(Reporter: Patricia Uhlig und Christian Krämer; redigiert von Georg Merziger)

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