2. März 2009 / 13:26 / vor 9 Jahren

FOKUS 1-Umfrage - Industrie streicht Stellen im Rekordtempo

(mit Ergebnis für Euro-Zone, Logistikwirtschaft, Analysten)

Berlin, 02. Mär (Reuters) - Die Industrie in der Euro-Zone bekommt die konjunkturelle Talfahrt immer mehr zu spüren. Im Februar fuhren die Unternehmen wegen wegbrechender Nachfrage ihre Produktion so stark zurück wie noch nie, wie aus der am Montag veröffentlichten Markit-Umfrage unter 3000 Unternehmen hervorgeht. In Deutschland wurde der Produktionsrückgang zwar erstmals seit neun Monaten abgebremst, dennoch bauten die Firmen wegen Überkapazitäten so viele Arbeitsplätze ab wie noch nie seit Beginn der Erhebungen vor 13 Jahren. “Die Daten sind eine Enttäuschung und deuten an, dass die Industrie ihren Boden erst noch finden muss”, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Für Deutschland seien jedoch erste Anzeichen für eine Stabilisierung zu erkennen, sagte Experte Thilo Heidrich von der Postbank. Der Markit/BME-Einkaufsmanagerindex bleibe bereits seit drei Monaten nahezu unverändert. Das Niveau sei allerdings äußerst gering und zeige schrumpfende Geschäfte an. Das Barometer lag im Februar bei 32,1 Zählern und damit 0,1 Punkte höher als im Januar. Von der Wachstumsschwelle von 50 Zählern ist er aber noch weit entfernt. Die Firmen litten unter der rückläufigen Nachfrage. Vor allem die Bestellungen aus der Automobilbranche und dem Ausland seien zurückgegangen, ergab die Umfrage unter 500 Managern.

Der Konjunktureinbruch macht einer Studie zufolge auch den Logistikunternehmen zu Jahresbeginn zunehmend zu schaffen. “Das Klima in der Logistikwirtschaft ist regelrecht abgestürzt”, sagte Stefan Kooths vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Firmen beurteilten ihre aktuelle Lage deutlich pessimistischer als noch zum Jahresende 2008 und erwarteten auch für die kommenden Monate ein schwächeres Geschäft. Der Handlungsdruck auf die Betriebe steige deswegen, sagte der Chef der Bundesvereinigung Logistik (BVL), Raimund Klinkner. Ein Personalabbau werde sich nicht vermeiden lassen.

INDUSTRIE DER EURO-ZONE SCHRUMPFT WIE NIE

In der Euro-Zone schränkten die Unternehmen ihren Ausstoß so stark ein wie nie und reduzierten die Zahl der Mitarbeiter im Rekordtempo. Der Einkaufsmanagerindex gab auf 33,5 Zähler nach von 34,4 Punkten zum Jahresauftakt und erreichte damit den tiefsten Stand seit Umfragebeginn vor elfeinhalb Jahren. Die Wirtschaft der Euro-Zone steuere im ersten Quartal auf ein weiteres starkes Minus zu, sagte Howard Archer von IHS Global Insight. Das erhöhe den Druck auf die EZB, einzuschreiten und die Wirtschaft zu stärken.

In Frankreich, Irland und Italien ging es für die Industrie ungebremst nach unten, neben Deutschland bremste sich der Abschwung in Spanien, Griechenland, den Niederlanden und Österreich dagegen ab. Um ihren Absatz anzukurbeln räumten die Firmen Preisnachlässe ein. Den vierten Monat in Folge gaben daher die Verkaufspreise nach. Zugute kam den Unternehmen dabei, dass auch die Einkaufspreise kräftig zurückgingen.

Die Euro-Zone steckt derzeit in der schwersten Rezession ihrer Geschichte. Im vierten Quartal brach die Wirtschaftsleistung um 1,5 Prozent ein. Weithin wird deswegen damit gerechnet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag ihren Leitzins für den Währungsraum auf das Rekordtief von 1,5 Prozent senken wird.

Reporterin: Christina Amann; redigiert von Alexander Ratz

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