Unternehmen | Freitag, 3. September 2010, 07:05 Uhr

Karstadt vor der Rettung - Vermieter billigen Konzept

Düsseldorf/Berlin Das monatelange Drama um die Rettung der Warenhauskette Karstadt steuert auf ein gutes Ende für die rund 25.000 Beschäftigten zu.

Der Investor Nicolas Berggruen verkündete am Donnerstagabend in einer Karstadt-Filiale am Berliner Kurfürstendamm eine grundsätzliche Einigung mit dem Vermieter-Konsortium Highstreet, dem der Großteil der 120 Karstadt-Warenhäuser gehören. "Alle, die ja sagen mussten, haben ja gesagt", sagte der Milliardär. "Aber die Unterschriften müssen zusammenkommen. Erst dann sind wir fertig."

Auch Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen zeigten sich zurückhaltend optimistisch: "Es ist zum größten Teil wohl erledigt, aber noch nicht vollständig", sagte Görg in Berlin. Denn alle Highstreet-Geldgeber müssen die Einigung schriftlich absegnen. Von der Leyen sagte: "Noch sind die Verträge nicht alle so unterzeichnet und bestätigt, dass man aufatmen kann. Aber inzwischen zeichnet sich doch ab, dass wir berechtigte Hoffung haben können, dass es nicht zu einer Liquidation von Karstadt kommt." Diese hätte einen hohen dreistelligen Millionenbetrag an Belastungen für die Bundesagentur für Arbeit bedeutet. Karstadt habe jetzt eine reelle Chance, sei aber noch nicht über den Berg, fügte sie hinzu.

Highstreet erklärte in einer Pressemitteilung, die Highstreet-Investoren hätten "unter der Voraussetzung der letzten noch ausstehenden Zustimmung (der) Mezzanine-Gläubiger die Transaktion genehmigt". "Inhaltlich ist alles klar, es geht nur noch um das Einsammeln der Unterschriften", hieß es in Finanzkreisen. Der Milliardär Berggruen brauchte grünes Licht von den Vermietern, damit sein Kaufvertrag für Karstadt wirksam wird.

Das Vermieter-Konsortium Highstreet, dem allein 86 Häuser gehören, und seine Geldgeber spannten Berggruen bis zum letzten Tag auf die Folter. Die Investoren hatten in London beraten. Erst kurz vor Toresschluss hatte sich Highstreet Verhandlungskreisen zufolge dabei mit einer letzten Gruppe von Geldgebern über eine Umschuldung verständigt, um die tagelang erbittert gerungen worden war. Der Terminplan ist freilich eng gesteckt. Das Amtsgericht Essen will schon am Freitagmorgen entscheiden, ob der Karstadt-Insolvenzplan in Kraft treten und Deutschlands größte Warenhauskette Ende September nach 16 Monaten aus der Insolvenz entlassen werden kann.

Die Gewerkschaft Verdi begrüßte die sich abzeichnende Einigung. "Wir nehmen zur Kenntnis, dass alle Signale, die wir bekommen, positiv sind", sagte eine Sprecherin. Dies sei auch eine gute Botschaft für die Beschäftigten.

Berggruen hatte im Juni von Insolvenzverwalter Görg den Zuschlag für Karstadt bekommen, feilschte aber seither mit Highstreet um Zugeständnisse bei den Mieten. Die 25.000 Mitarbeiter will Berggruen - anders als seine Mitbewerber - schonen. Eine Einigung musste dreimal verschoben werden.

DEUTSCHE BANK UNTER POLITISCHEM DRUCK

Die Hauptgesellschafter von Highstreet - Fonds von Goldman Sachs (Whitehall) und der Deutschen Bank (RREEF) - müssen wegen der geforderten Mietsenkungen wie ihre eigenen Geldgeber bei den Renditen kommender Jahre Abstriche machen. Vor allem die US-Investmentbank Goldman hatte lange Zeit auf eine gemeinsame Lösung mit den zum Verkauf stehenden Kaufhof-Warenhäusern von Metro gesetzt. Zuletzt sagte Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen Berggruen allerdings die Unterstützung seines Instituts zu, das unter politischen Druck geraten war.

Eine wichtige Gruppe von Gläubigern des Vermieter-Konsortiums Highstreet hatte den neuen Mietverträgen mit Berggruen nach nur einer Stunde zugestimmt und damit ein wichtiges Signal für eine Einigung mit den anderen Geldgebern gegeben. Ein Highstreet-Sprecher sagte, die Abstimmung unter den Gläubigern der zuletzt 780 Millionen Euro schweren Anleihe sei einstimmig ausgefallen. Unter anderem mit ihrem Geld und einem 850 Millionen Euro schweren Kredit der Valovis Bank hatte das Konsortium die milliardenschwere Übernahme der Warenhaus-Immobilien des Handelskonzerns Arcandor finanziert.

GOLDMAN SACHS GEGEN ROYAL BANK OF SCOTLAND

Als schwieriger erwies sich die Einigung mit den sogenannten Mezzanine-Kreditgebern, zumeist Banken und Hedge-Fonds. Sie hätten mit ihrer Mischung aus Eigen- und Fremdkapital bei einer erneuten Insolvenz am meisten zu verlieren. Hier spielte unter anderem Goldman Sachs praktisch als eigener Geldgeber mit. Vor allem die Royal Bank of Scotland sperrte sich Teilnehmern zufolge gegen Sonderrechte für Goldman.

Ohne eine Einigung hätte Karstadt das endgültige Aus gedroht. Insolvenzverwalter Görg hatte bereits vorsorglich eine Sitzung des Gläubigerausschusses einberufen, um kurzfristig das Ende des Traditionskonzerns zu besiegeln. "Wir haben die Pläne für die Liquidation in der Schublade, aber wir wollen die Schublade gern zu lassen", sagte sein Sprecher. Die Sport-Kaufhäuser und die Luxus-Einkaufstempel in Berlin (KaDeWe), Hamburg (Alsterhaus) und München (Oberpolliger) hätten dann bis zum Jahresende verkauft sein sollen, der Rest bis Februar geschlossen. Eine Offerte des - ebenfalls an Highstreet beteiligten - italienischen Warenhausunternehmers Maurizio Borletti hatte Görg als unseriös und verspätet zurückgewiesen.

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