15. April 2009 / 13:31 / vor 9 Jahren

DIW sieht Ende 2009 Stabilisierung der Konjunktur

Berlin (Reuters) - Das Berliner DIW-Institut erwartet zum Jahresende eine Stabilisierung der Wirtschaft und lehnt ein drittes Konjunkturpaket strikt ab.

Für 2009 sei zwar insgesamt mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 4,9 Prozent zu rechnen, erklärten die Konjunkturforscher am Mittwoch in ihrer Frühjahrsprognose. Es zeichne sich aber ein Ende der scharfen Rezession ab. Im nächsten Jahr könne es zu einer sehr schwachen und langsamen Erholung kommen. Auch Bundesbank-Präsident Axel Weber äußerte die Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft 2010 wieder auf Wachstumskurs zurückkehrt. Für das laufende Jahr blieb er aber skeptisch. “Wir werden den Großteil 2009 mit negativen Wachstumsraten zu kämpfen haben”, sagte Weber in Hamburg.

Für das Frühjahr rechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung bereits mit einem geringeren Abwärtstempo der Konjunktur. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde im laufenden Quartal zwar um 0,9 Prozent sinken, aber weniger als die erwarteten 2,2 Prozent im ersten Vierteljahr. Eine konkrete Prognose für 2010 wagte das DIW wegen der großen Unsicherheit wie bereits angekündigt nicht mehr. In der vor einer Woche veröffentlichten Reuters-Quartalsumfrage hatte das DIW noch ein Wachstum von 0,3 Prozent vorausgesagt.

DIW: 4 MILLIONEN ARBEITSLOSE ERST ANFANG 2010

Derzeit liege die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland auf dem Niveau vor drei Jahren, sagte DIW-Experte Stefan Kooths. “Das zusätzliche Wirtschaftswachstum der letzten drei Jahre ist damit im Grunde verfrühstückt.” Der Exportweltmeister Deutschland spüre die weltweite Nachfrageflaute nach Investitionsgütern sehr deutlich. So sei die Kapazitätsauslastung im Fahrzeugbau im ersten Quartal auf 72,4 Prozent gesackt, nach 97,2 Prozent vor Jahresfrist. Die Kurzarbeit in weiten Teilen der Industrie kaschiere derzeit die eklatante Unterbeschäftigung. Im Laufe des Jahres dürften bis zu 800.000 Stellen verloren gehen. Die Marke von vier Millionen Arbeitslosen werde aber frühestens 2010 ereicht, sagte Kooths zu Reuters.

Die Berliner Forscher bekräftigten ihre Kritik an neuen Finanzspritzen der öffentlichen Hand. “Angesichts der ohnehin drastisch steigenden Staatsschulden wären weitere Konjunkturmaßnahmen - seien es weitere Ausgaben, oder seien es Steuersenkungen - nicht zu verantworten”, sagte DIW-Chef Klaus Zimmermann.

Auch DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann warnte vor neuen kreditfinanzierten Konjunkturprogrammen. Eine weitere Verlängerung der Zahldauer für Kurzarbeitergeld auf 24 Monate könne hingegen eine “sinnvolle Option” sein, wenn sich für einzelne Branchen eine längere Schwächephase abzeichne, sagte Driftmann dem “Handelsblatt”. “Völlig abwegig” sei dagegen, länger Arbeitslosengeld zu zahlen. DIW-Präsident Zimmermann äußerte sich zu beiden Maßnahmen kritisch. Das Arbeitslosengeld I zu verlängern, führe letztlich wieder zu mehr Langzeitarbeitslosen. Die Bundesregierung will kommende Woche erneut auf einem Wirtschaftsgipfel mit Vertretern von Unternehmen, Banken, Verbänden, Gewerkschaften und der Wissenschaft über die Rezession und die bisherigen Konjunkturpakete I und II reden. Ein drittes Programm steht aber nicht auf der Tagesordnung.

Während der Chemieriese BASF wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise bis zu 3000 Beschäftigte an seinem Stammsitz Ludwigshafen in Kurzarbeit schicken will, setzt Deutsche-Post-Chef Frank Appel auf ein schnelles Ende der Flaute. “Das ist eine V-Rezession”, sagte Appel. So schnell es derzeit abwärtsgehe, werde die Wirtschaft nach den ersten positiven Signalen auch wieder anziehen.

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