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Neue Fusionsoffensive von Praxair beschäftigt Linde
30. November 2016 / 09:52 / vor 9 Monaten

Neue Fusionsoffensive von Praxair beschäftigt Linde

Linde Group logo is seen at its headquarters in Munich, Germany August 15, 2016.Michaela Rehle/File Photo

München (Reuters) - Der Industriegasekonzern Linde brütet über einem neuen Fusionsvorstoß des US-Rivalen Praxair.

Der Aufsichtsrat der Münchner kommt am 7. Dezember zusammen, ganz oben auf der Agenda dürfte dann der modifizierte Vorschlag der Amerikaner stehen, wie ein Konzerninsider am Mittwoch sagte. Offiziell heißt es von Linde, der Vorstand prüfe derzeit den neuen Anlauf. Darüber hinaus will sich das Unternehmen nicht äußern. An der Börse sorgte die Fusionsfantasie für einen Kurssprung: Die Linde-Aktien legten in der Spitze mehr als acht Prozent zu und waren damit der größte Dax-Gewinner.

Die Gespräche über den Zusammenschluss zum größten Industriegasekonzern der Welt waren vor zwei Monaten überraschend geplatzt, weil sich beide Seiten nicht über zentrale Fragen wie den Firmensitz, Entwicklungsstandorte und Führungspersonalien einigen konnten. Linde-Chef Wolfgang Büchele hatte nach dem Scheitern seinen Rückzug für das Frühjahr angekündigt, weil es ihm nicht gelungen war, einen Weltmarktführer zu schmieden. Finanzchef Georg Denoke musste seinen Hut nehmen.

Was Praxair an dem Fusionsplan geändert hat, blieb vorerst vage. Aus dem Linde-Umfeld hieß es, die Amerikaner hätten einige Zugeständnisse bei den Hauptknackpunkten gemacht. Dass das Linde-Management im Umbruch sei, störe die Praxair-Spitze nicht weiter. Ein dem US-Konzern nahestehender Insider sagte, Praxair sei Linde bei "sozialen Themen", etwa der Besetzung von Spitzenpositionen, entgegen gekommen. Es gebe verschiedene Vorschläge für die Ansiedlung eines neuen gemeinsamen Hauptsitzes. "Die Dinge geraten in Bewegung."

Das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Connecticut bestätigte zwar den erneuten Vorstoß, wollte sich aber nicht zu Einzelheiten äußern. Laut Linde geht es aber weiterhin um eine Fusion unter Gleichen. Das bedeutet, dass keiner der beiden Partner einen größeren Aufschlag auf den Aktienkurs des anderen zahlt. Die Analysten der UBS plädierten für einen Zusammenschluss. "Unserer Meinung nach würde eine Fusion dem Management mehr Chancen bieten, Wert zu schaffen", erklärten sie.

Auch Investoren begrüßen den neuerlichen Vorstoß. Für Praxair erschlössen sich neue Wachstumschancen, für Linde Synergien und bessere Renditechancen, sagte eine Vertreter eines Aktionärs, der zu den 20 größten Linde-Anteilseignern gehört. Zudem konsolidiere sich so die Branche weiter. "Ob es nun drei oder vier große Anbieter gibt, macht schon noch einen Unterschied." Zudem spiele der gegenwärtige Bewertungsvorteil von Praxair gegenüber dem Traditionskonzern den Amerikanern in die Hände, was auch für die rasche Wiederkehr des Planes spreche. "Die deutsche Belegschaft ist einer der wenigen Verlierer." Die Gewerkschaften IG Metall und IG BCE äußerten sich nicht.

LINDE MITTEN IM UMBAU

Praxair und Linde waren an der Börse fast gleich viel wert, als die Fusionspläne im Sommer bekannt geworden waren. Seither hat sich die Praxair-Aktie besser entwickelt als das Linde-Papier. Praxair kommt auf einen Marktwert von fast 34 Milliarden Dollar (31,8 Milliarden Euro), Linde zum Schlusskurs vom Dienstag auf rund 28 Milliarden Euro. Dabei sind die Amerikaner mit knapp zehn Milliarden Euro Umsatz nur halb so groß sind wie Linde, Praxair ist allerdings deutlich profitabler.

Linde wollte durch den Zusammenschluss wieder zurück an die Weltspitze im Markt für Industriegase. Die Münchener waren durch die Übernahme von Airgas durch die französische Air Liquide auf Platz zwei abgerutscht. Die Gasebranche ist weltweit stark konsolidiert. Nach einer Fusion von Praxair und Linde wären nur noch drei große Anbieter übrig. Ein Knackpunkt wäre bei einem solchen Schritt deshalb die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden.

Der Vorstoß der Amerikaner kommt für Linde zur Unzeit. Büchele hat vor seinem Abgang Linde noch einen rigiden Sparkurs mit dem einhergehenden Abbau tausender Stellen verordnet. Der Konzern soll die jährlichen Kosten bis 2019 um 550 Millionen Euro senken. Experten zufolge könnte das bis zu 4000 Stellen kosten. Eine erneute Kehrtwende könnte die laufenden Gespräche mit den Arbeitnehmern erschweren, auch die Zustimmung des Aufsichtsrats wäre dann fraglich. Ein weiterer Insider sagte, eine Wiederaufnahme der Gespräche sei nur denkbar, wenn Praxair seine harte Haltung zu den strittigen Punkten aufgäbe.

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