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Lufthansa will Dauerstreik der Piloten mit Angebot stoppen
30. November 2016 / 09:42 / vor 8 Monaten

Lufthansa will Dauerstreik der Piloten mit Angebot stoppen

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Pilots of German airline Lufthansa march during a strike of Lufthansa pilots at Frankfurt airport, Germany, November 30, 2016 as ground staff of the airline hold placards reading "End strike - mediation now".Kai Pfaffenbach TPX IMAGES OF THE DAY

Frankfurt (Reuters) - Nach sechs Tagen Pilotenstreik bringt die Lufthansa mit einem neuen Lohnangebot wieder Bewegung in den jahrelangen Tarifkonflikt.

Die angebotene Gehaltssteigerung von insgesamt 4,4 Prozent werde nicht mehr daran geknüpft, dass die Fluggesellschaft an anderer Stelle - etwa bei den Betriebsrenten - Geld sparen könne, teilte die Lufthansa am Mittwoch mit. Die Pilotenvereinigung Cockpit hatte die Vorgaben kritisiert. "Wir wollen dringend weiteren Schaden vom Unternehmen abwenden", sagte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister. "Wir wollen schnellstmöglich an den Verhandlungstisch zurückkehren."

Cockpit reagierte verwundert. "Warum hat es erst sechs Streiktage gebraucht, bis sie uns wie gefordert ein Angebot ohne Bedingungen vorgelegen", sagte Cockpit-Tarifchef Ingolf Schumacher auf einer Kundgebung vor der Lufthansa-Zentrale am Frankfurter Flughafen. Cockpit werde die Offerte nun prüfen. Die Piloten fordern 3,7 Prozent pro Jahr - inklusive Nachzahlungen für die Jahre seit 2012.

Wegen des Pilotenausstands strich die Lufthansa seit Mitte voriger Woche rund 4450 Flüge, gut eine halbe Million Passagiere saßen fest. "Wir gehen davon aus, dass Cockpit die Streiks nun beendet und wir ab morgen zum normalen Flugbetrieb zurückkehren", sagte Hohmeister. Der Tarifstreit zieht sich seit April 2014 hin. Neben dem Geld geht es um die Alters- und Vorruhestandsversorgung der Flugzeugführer und den Ausbau des konzerneigenen Billigfliegers Eurowings. Insbesondere letzteres ist für die Piloten heikel, da ihnen ein Gericht vor gut einem Jahr in diesem Punkt jegliche Mitsprache bei Entscheidungen des Managements verbot.

Pfeifkonzert Vor Lufthansa-Zentrale

Um den Druck auf die Lufthansa-Spitze zu erhöhen, trafen sich am Mittwoch 400 der 5400 Piloten vor der Lufthansa-Zentrale zu Protesten. Dabei waren sie nicht allein, denn dort warteten schon 400 Gegendemonstranten, größtenteils Lufthansa-Mitarbeiter aus anderen Bereichen. Diese skandierten: "Abzocker, Abzocker". "Den Piloten geht es ziemlich gut und die haben an keiner der vielen Sparrunden der Lufthansa mitgemacht", sagte Firmenkundenbetreuer Torsten Tietz.

Aus Sicht der Piloten sind sie nicht schuld an der Eskalation. "Ich bin unendlich traurig, dass das Lufthansa-Management es geschafft hat, die Belegschaft zu spalten", sagte Cockpit-Chef Ilja Schulz. Die Gegendemonstranten riefen immer wieder: "Schlichtung Jetzt!" Die Piloten ihrerseits ließen sich nicht beirren und forderten mit "Spohr vors Tor"-Rufen lautstark die Präsenz von Lufthansa-Chef Carsten Spohr ein. In der Zentrale der Airline waren die streikenden Flugzeugführer nicht willkommen: demonstrativ waren am Mittwoch alle Jalousien heruntergelassen.

Streik Geht für Lufthansa Ins Geld

Die Kosten für einen Streiktag beziffert die Lufthansa auf zehn bis 15 Millionen. Nach Daten der Flugsuchmaschine Kayak liegt die Nachfrage nach Lufthana-Flügen derzeit neun Prozent unter dem Vorstreik-Niveau. Zugleich ist der "Bild" zufolge auch die Auslastung auf den noch bedienten Langstreckenflügen erheblich gesunken. Sie liege zum Teil bei weniger als zehn Prozent, zitiert das Blatt aus einem Schreiben von Cockpit. Vorige Woche hatte bereits Lufthansa-Vorstand Hohmeister von Auswirkungen des Streiks auf das Buchungsverhalten gesprochen.

Angesichts des anhaltenden Streiks rief die EU-Kommission zu einer raschen Einigung auf und warnte vor negativen Folgen für die europäische Wirtschaft. "Das Recht zu streiken ist ein Grundrecht der Arbeitnehmer in der Europäischen Union. Daran gibt es keinen Zweifel", sagte EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc der Zeitung "Die Welt". Sie appellierte aber zugleich an alle Beteiligten, sich dabei "konstruktiv zu verhalten" und warnte vor hohen Kosten für die Wirtschaft. "Die Akteure im Luftfahrtsektor sind so eng miteinander verwoben, dass das Verhalten einzelner nationaler Interessengruppen erhebliche Kosten für alle Beteiligten in Europa verursachen kann."

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