Edition:
Deutschland
Unternehmen | Donnerstag, 9. Juni 2011, 17:46 Uhr

Verkaufsgerüchte um Opel - Konzernmutter GM schweigt

Hamburg Neue Turbulenzen um Opel: Zwei Jahre nach dem in letzter Minute abgesagten Opel-Verkauf hat die Konzernmutter General Motors angeblich erneut ihre Meinung geändert und denkt über einen Verkauf der deutschen Tochter nach.

Als Kaufinteressenten gelten Medienberichten zufolge chinesische Autohersteller und Volkswagen.

Die Bundesregierung suche bereits nach Wegen für eine deutsche Lösung, berichtete "Auto-Bild" vorab. In der Detroiter GM-Zentrale gebe es massive Zweifel an der Überlebensfähigkeit von Opel. "Spiegel Online" berichtete, Manager die US-Mutter seien zunehmend verärgert, dass das Europa-Geschäft mit Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall weiter Verluste einfahre, während alle anderen Regionen des nach der Blitzinsolvenz vor zwei Jahren wieder erstarkten US-Konzerns Gewinne einfahren.

Der neue Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke sah sich veranlasst, die Mitarbeiter zu beruhigen: In einem internen Schreiben, das der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorlag, wies er die Medienberichte als reine Spekulation zurück. Diese Stellungnahme sei mit Detroit auch so abgestimmt. Dennoch wollte sich die Konzernzentrale nicht äußern. Der Betriebsrat vermisste ein klares Dementi des Mutterkonzerns.

Dagegen äußerte sich die thüringische Landesregierung, in deren Bundesland sich ein wichtiges Werk von Opel befindet. Ein Sprecher von Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) sagte, die Verkaufsgerüchte entbehrten jeder Grundlage. "Nach unseren Informationen ist das Unsinn." Opel beschäftigt in Eisenach rund 1500 Mitarbeiter.

GM WOLLTE OPEL SCHON EINMAL VERKAUFEN

GM hatte Opel in seiner Krise zum Verkauf gestellt, weil sich der angeschlagene Autoriese aus Detroit nicht in der Lage sah, die Sanierung der chronisch defizitären Europa-Tochter zu stemmen. Nach der GM-Blitzinsolvenz, bei der der ehemalige Weltmarktführer mit Milliardenhilfen des US-Staates vor dem Aus gerettet wurde, erholte sich die einstige Industrieikone. Trotzdem gab die Konzernleitung grünes Licht für den Verkauf von Opel an den Zulieferer und Auftragsfertiger Magna, der dadurch zum vollwertigen Autobauer aufsteigen wollte. Im November 2009 kam dann die überraschende Wende: GM entschied, Opel doch zu behalten. In einer Rosskur trennte sich Opel in der Folge europaweit von 8000 der 48.000 Beschäftigten und machte sein Werk im belgischen Antwerpen dicht. Zuletzt einigten sich Unternehmensführung und Betriebsrat auf einen Personalabbau im Bochumer Werk.

BEI OPEL LÄUFT LÄNGST NICHT ALLES RUND

Die Existenzkrise hat Opel dank der Sanierungsschnitte zwar überstanden, doch nach Meinung von Experten läuft noch längst nicht alles rund in Rüsselsheim. "Opel ist nur in Europa so richtig präsent und kann in einem stagnierenden Markt nicht wirklich punkten", sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. "Man bemüht sich zwar, aber GM lässt Opel am langen Arm verhungern. Der US-Konzern lässt die Tochter nicht in die entscheidenden Märkte, vor allem nicht nach China."

Bereits die Ablösung von Nick Reilly an der Opel-Spitze sei Ausdruck der Unzufriedenheit des Mutterkonzerns gewesen, sagte Bratzel. "Detroit ist ungeduldig. Die fordern rasche Ergebnisse." Der Sanierungsexperte Reilly war vor Kurzem in den Aufsichtsrat gewechselt. Er wurde durch den Maschinenbau-Ingenieur Stracke ersetzt, der zuvor Entwicklungschef des Detroiter Konzerns war.

Der Druck auf Opel hatte sich durch den Börsengang der Mutter GM im vergangenen Herbst erhöht. Experten hatten damals bereits die Gefahr gesehen, dass die Amerikaner nun die Probleme von Opel in Europa vernachlässigen könnten.

In der Detroiter Konzernzentrale kursieren den Medienberichten zufolge Planspiele, wonach GM Opel durch Modelle anderer Marken ersetzen könnte. So könnte GM den Markt für Klein- und Kompaktwagen mit koreanischen Schwestermodellen versorgen und die bisher von Opel belieferte Mittelklasse in Europa durch Modelle der Hausmarke Chevrolet ersetzen, berichtete "Auto-Bild".

Stracke verwies dagegen auf den in den vergangenen sieben Monaten kontinuierlich gestiegenen Marktanteil von Opel in Europa. Im Mai hatte Opel in Deutschland ein Zulassungsplus von 36 Prozent verbucht. Im ersten Quartal hatte Opel auf bereinigter Basis die Gewinnschwelle erreicht. Auch im Gesamtjahr will der Rüsselsheimer Autobauer nach bisheriger Planung vor Restrukturierungskosten die Gewinnschwelle erreiche. Ab dem nächsten Jahr soll Opel dann dauerhaft schwarze Zahlen schreiben.

X