18. Oktober 2016 / 15:38 / vor einem Jahr

Sorge um den Einsatz von Internet-"Bots" im Wahlkampf 2017

Berlin (Reuters) - Die CDU sorgt sich über die Zunahme von computergenerierten Nachrichten in sozialen Netzwerken und ist gegen deren Einsatz im Bundestagswahlkampf 2017.

Peter Tauber, secretary general of Germany's Christian Democratic Union (CDU) delivers his speech at a local party meeting in Niederissigheim near Frankfurt, Germany, September 30, 2016. The slogan in the back reads "better for the people". REUTERS/Kai Pfaffenbach

“Wir werden selbst keine einsetzen, aber wir müssen uns natürlich damit auseinandersetzen”, sagte CDU-Generalsekretär Peter Tauber der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bereits am Wochenende bei einem Auftritt bei der Jungen Union darauf verwiesen, dass im US-Wahlkampf sowohl der Republikaner Donald Trump als auch die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton sogenannte “Bots” - abgeleitet von “robots” - einsetzen, um Stimmung in sozialen Medien zu machen. Sie hatte eine Absprache zwischen den deutschen Parteien zu dieser Frage angeregt.

Bots vermitteln den Eindruck, als ob menschliche Nutzer hinter Kommentaren etwa bei sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook stecken. In Wahrheit fluten Computer aber mit künstlich erzeugten Identitäten bestimmte Seiten von Politikern mit zustimmenden oder ablehnenden Kommentaren. Die Bots sind damit die Weiterentwicklung sogenannter Trolle: Dahinter verbergen sich noch echte Menschen, die oft gegen Geld Kommentare etwa zu politischen Debatten in großer Zahl auf sozialen Netzwerken posten. Die IT-Technologie entwickelt sich aber so schnell weiter, dass Computer heute bereits eigenständig einfache Kommentare schreiben können - in einer viel höheren Anzahl.

Da sich die politische Kommunikation stark in soziale Netzwerke verlagert, wird dies nach Ansicht Taubers zur Herausforderung. Er wies darauf hin, dass Parteien wie die CDU erkennen können müssten, was echte Zuschriften von Bürger sind. “Auch deshalb müssen wir Nachrichten von Bots erkennen, die die Realität verfälschen, damit es keine Themenagenda vorbei an den wirklichen Interessen der Leute gibt”, warnte er.

BRITISCHE BREXIT-BOTS

In den USA wird debattiert, ob von Computer erzeugte Nachrichten nicht radikale Politiker unterstützen, weil der Eindruck erzeugt wird, als ob eine Vielzahl von Bürgern eine bestimmte Meinung unterstützt. Solche Vorwürfe hatten Forscher auch bei der Brexit-Kampagne in den Monaten vor dem Referendum in Großbritannien im Juni erhoben. Dadurch sei der Eindruck entstanden, als ob viel mehr Menschen für einen Austritt Großbritannien aus der EU seien als dies damals zunächst der Fall war.

Am Dienstag berichtete der britische Fernsehsender BBC unter Berufung auf eine Studie der Universität Oxford, dass auch die Kampagne von Trump in den USA massiv von solchen Bots unterstützt worden sein sollen - und erst dadurch der Eindruck entstanden sei, als ob Trump sehr großen Rückhalt genieße. Damit könnten Meinung manipuliert werden.

“Studien belegen: Bots tragen zu radikalisiertem Ton in Diskussionen bei, weil sich gemäßigte Stimmen zurückziehen”, warnte auch der CDU-Generalsekretär. “Auch das ist eine Herausforderung, der sich die demokratischen Parteien stellen müssen.” Merkel hatte ebenfalls eine Absprache mit anderen Parteien angeregt. “Wollen wir mal zwischen den Parteien sprechen, ob wir gemeinsam dagegen kämpfen?”, hatte die CDU-Chefin auf dem Deutschlandtag der Jungen Union gesagt.

Brisant ist der Einsatz von Kommentaren erzeugender Programme im Wahlkampf auch deshalb, weil etwa die US-Regierung Russland jetzt Einmischung in den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf vorgeworfen hatte. Europäische Sicherheitsbehörden hatten Russland vor Monaten vorgeworfen, rechtsnationalistische Bewegungen in den EU-Staaten systematisch durch solche Troll-Kommentare zu fördern.

Unsere Werte:Die Thomson Reuters Trust Principles
0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below