18. Mai 2017 / 14:36 / vor 4 Monaten

Osten besonders anfällig für rechtsextremes Gedankengut

Soldiers of the German armed forces Bundeswehr take part in farewell ceremony for mechanized infantry Panzergrenadierbataillon 122, to be deployed in Lithuania, in Oberviechtach, Germany January 19, 2017. REUTERS/Michaela Rehle

Berlin (Reuters) - Menschen in Ostdeutschland sind einer Studie zufolge besonders anfällig für rechtsextremes Gedankengut.

Allerdings sei Rechtsextremismus “nicht ausschließlich ein Ost-West-Problem”, heißt es in der von der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Iris Gleicke, am Donnerstag vorgestellten Studie. Es handele sich auch um ein “Zentrum-Peripherie-Problem”, das befördert werden könne durch regionale Faktoren, die in Ostdeutschland stärker ausgeprägt seien. “Lösungsvorschläge mit erhobenem Zeigefinger und Belehrungen vom grünen Tisch aus dem vermeintlich so viel weltoffeneren Westen der Republik sollten tunlichst unterbleiben”, sagte Gleicke.

Die SPD-Politikerin betonte zugleich, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus seien eine ernste Bedrohung für den sozialen Frieden und die wirtschaftliche Entwicklung im Osten. Die Ursachen müssten ohne Tabus aufgedeckt werden.

Die Forscher des Göttinger Instituts für Demokratieforschung nennen als regionale Faktoren beispielsweise in Sachsen eine “Überhöhung des Eigenen, Sächsischen, Ostdeutschen, Deutschen in Bezug auf die krisenhaft wahrgenommene Aufnahme von Flüchtenden”. Ursache für solche Einstellungen seien auch die Erfahrungen der Menschen in der ehemaligen DDR. “Die Sozialisation in einer buchstäblich geschlossenen Gesellschaft wie der DDR kann...als ein Faktor für die Erklärung nicht nur des höheren Maßes an Fremdenfeindlichkeit, sondern auch der größeren Verbreitung autoritärer Einstellungsmuster in Ostdeutschland nicht stark genug betont werden.” Auch die DDR-Migrationspolitik habe auf ethnozentrischen Weltbildern beruht, die von modernen Rechtsextremen besonders vertreten würden: Völkerfreundschaft ja, aber alle Migranten seien als Gäste mit einem begrenztem Aufenthaltsstatus zu betrachten.

Die Studie verweist auch auf schwach entwickelte zivilgesellschaftlichen Strukturen suf dem Land. In vielen Kommunen seien die Kirchengemeinden mit ihren wenigen Gläubigen die einzigen, die sich dem Rechtsextremismus entgegenstellten. Die Forscher stießen zudem auf ein weit verbreitetes “Gefühl der kollektiven Benachteiligung”.

Den Autoren zufolge wäre es dennoch falsch, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit als ein primär ostdeutsches Problem zu sehen.

Als Untersuchungsregion wählten die Forscher die Städte Freital und Heidenau in der Region Dresden sowie die thüringische Landeshauptstadt Erfurt aus.

Gleicke sagte, eine einfache Erklärung für Rechtsextremismus gebe es nicht. Mögliche Ursachen müssten offengelegt werden. Sie sehe sich in ihrer Auffassung bestätigt, dass strukturschwache Regionen gezielt gefördert werden müssten.

Reporter: Thorsten Severin; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1236 oder 030-2888 5168.

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