Reuters logo
Siemens will groß an globalem Energiehunger verdienen
20. September 2011 / 15:43 / vor 6 Jahren

Siemens will groß an globalem Energiehunger verdienen

Palma de Mallorca (Reuters) - Siemens will am weltweiten Umbau der Stromversorgung kräftig mitverdienen.

Die Energiewende in Deutschland und der wachsende Stromhunger rund um den Globus böten dem Konzern große Chancen, sagte Energietechnikchef Michael Süß. Von den klammen Staatsbudgets in Europa lässt er sich dabei nicht schrecken. “Es gibt Regionen auf der Welt, die investieren wie verrückt”, sagte er. Vor allem im Nahen Osten und Asien seien Kraftwerke und Starkstromtechnik made in Germany gefragt.

Süß trommelte vor allem für einen Ausbau der Stromnetze, um die aus erneuerbaren Quellen gewonnene Energie von den peripheren Erzeugerregionen schnell in die Zentren transportieren zu können. “Wir liegen im Zeitplan hinten”, sagte er. In Deutschland fehlten 3500 Kilometer Hochspannungsleitungen, um die Elektrizität aus den Windparks vor den Küsten in den Süden zu leiten. Die Netzbetreiber bereiteten zwar derzeit zwei Ausschreibungen vor, sie fürchteten allerdings Regulierung und Bürokratie. Die Genehmigung von Stromtrassen dauere in Deutschland normalerweise 13 Jahre, klagte der Chef der Siemens-Übertragungstechnik, Udo Niehage. Der Konzern hofft dennoch, in ein bis zwei Jahren mit seiner Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) zum Zug zu kommen.

Der HGÜ-Weltmarkt wird sich laut Niehage in den kommenden Jahren auf sechs bis neun Milliarden Euro verdreifachen. Siemens beansprucht mit einem Anteil von 40 Prozent die Weltmarktführerschaft für sich. Die Münchner liefern sich allerdings ein knappes Rennen mit dem Schweizer Rivalen ABB, der zuletzt mit großen HGÜ-Verbindungen in Indien Aufsehen erregt hat.

Siemens hofft auch auf den Ausbau der internationalen Verbindungen, die künftig Sonnenstrom aus Südeuropa und Windstrom von den Küsten des Nordens ins Zentrum Europas bringen sollen. Die Kapazität sei dafür bislang zu gering, sagte Niehage. Bis der Netzausbau grenzüberschreitend soweit ist, will Siemens seine konventionellen Kraftwerke an die nationalen Betreiber verkaufen. “Wenn man erneuerbare Energie will, muss man zusätzlich Gaskraftwerke einsetzen”, sagte Süß. Die Kraftwerke sollen Spitzenlasten abdecken, etwa wenn über der Nordsee Flaute herrscht.

Auch die bereits als Verkaufskandidat gehandelte Wasserkrafttechnik von Siemens gewinnt Süß zufolge für den Konzern an Bedeutung: Das Geschäft sei wichtig, um künftig Solar- oder Windenergie mittels Pumpspeichern für später aufbewahren und bei Bedarf wieder verstromen zu können, sagte er.

Das bislang kleine Solartechnikgeschäft von Siemens will Süß noch aufpäppeln. “Wir wollen in dieses Geschäft investieren. Die Form der Solarsparte ist noch eine Baustelle. Aber wir werden das Geschäft groß machen”, sagte er. Vorbild sei der Windanlagenbauer Bonus Energy, den Siemens vor einigen Jahren gekauft hat. Das Geschäft mit anfangs 300 Millionen Euro Umsatz habe sich seither mehr als verzehnfacht.

Die Begeisterung für das Wüstenstromprojekt Desertec als Umsatzbringer in ferner Zukunft scheint bei Siemens indes zu schwinden. “Das, was Desertec genannt wird, ist ein Mosaik, das Stück für Stück wächst”, sagte Süß. “Ich bin überzeugt, dass wir innerhalb Europas große Solar- und Windprojekte brauchen.” Mit der richtigen Übertragungstechnik sei das die Lösung für Europas Stromhunger und die Trendwende hin zu erneuerbaren Energien. Zuletzt waren angesichts der politischen Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten vermehrt Zweifel aufgekommen, ob das ehrgeizige Solarprojekt in der Region überhaupt zu verwirklichen ist. Die Pläne sehen vor, dass Europa bis 2050 einen Teil seines Strombedarfs aus den sonnenreichen und heißen Regionen jenseits des Mittelmeers speist.

Unsere WerteDie Thomson Reuters Trust Principles
0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below