ThyssenKrupp schasst den halben Vorstand | Reuters
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Unternehmen | Donnerstag, 6. Dezember 2012, 07:14 Uhr

ThyssenKrupp schasst den halben Vorstand

Frankfurt ThyssenKrupp zieht mit der Entlassung des halben Vorstands Konsequenzen aus Missmanagement im Konzern.

Die Verträge von Olaf Berlien, Edwin Eichler und Jürgen Claassen sollten zum 31. Dezember aufgehoben werden, erklärte der von hausgemachten Turbulenzen gebeutelte Stahlkonzern am Mittwoch nach Börsenschluss. Dies solle der Aufsichtsrat am Montag auf Empfehlung seines Personalausschusses beschließen.

Berlien, Claassen und Eichler seien mit der einvernehmlichen Aufhebung ihrer Verträge einverstanden. Das Vorhaben sei eng mit Vorstandschef Heinrich Hiesinger abgestimmt. Claassen war bereits auf eigenen Wunsch bis auf weiteres von seinen Aufgaben entbunden worden, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen im Zusammenhang mit Berichten über Luxusreisen eingeleitet hatte.

ThyssenKrupp kämpft nicht nur mit explodierenden Kosten seiner neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA, sondern war zuletzt auch in Korruptions- und Kartellfälle verwickelt. "In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der bisherigen Führungskultur im Konzern", erklärte das Unternehmen am Mittwoch. Mit seiner Empfehlung an den Aufsichtsrat trage der Personalausschuss der Gesamtverantwortung des Vorstands für die Führung der Geschäfte und die Führungskultur des Unternehmens Rechnung.

Deutliche Worte fand das Unternehmen zum Desaster im US-Stahlgeschäft, dessen Kosten nach Pleiten, Pech und Pannen auf zwölf Milliarden Euro gestiegen waren. Ein wesentlicher Grund für die Fehlentwicklungen bei den Projekten des Unternehmensbereichs Steel Americas sei, "dass sich eine Reihe der vom damaligen Vorstand zugrunde gelegten Annahmen und Kennzahlen als deutlich zu optimistisch oder im Nachhinein als falsch erwiesen haben". Das habe eine Prüfung im Auftrag des Aufsichtsrats ergeben. Hiesinger sucht händeringend nach Käufern für die Übersee-Stahlwerke.

Die IG Metall erklärte, die Trennung von den drei Vorständen werde von den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat als Zeichen eines grundsätzlichen Neuanfangs begrüßt. "ThyssenKrupp steht vor großen Herausforderungen und braucht das Vertrauen der Kunden und der Beschäftigten. Das geht nur mit einem echten Neuanfang", sagte Aufsichtsratsvize und IG-Metall-Vorstand Bertin Eichler.

Der Aufsichtsrat will sich in seiner Sitzung am Montag mit einer Reihe von Problemen befassen - von Korruptionsvorwürfen gegen Mitarbeiter, den Verluste schreibenden Übersee-Stahlwerken bis zum schwächelnden Geschäft mit dem Werkstoff in Europa. Am Dienstag (11. Dezember) legt der Konzern dann seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2011/12 vor.

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